Schüler nach Nazi-Überfall traumatisiert

Foto: WR/Franz Luthe
Im Prozess gegen Neonazi Sven K. und seine drei Gesinnungsgenossen sagten gestern die beiden türkischstämmigen Jugendlichen aus, die laut Anklage am 26. November 2011 auf dem Weihnachtsmarkt von den Rechten zusammengeschlagen wurden. Noch immer leiden sie unter den Folgen der Tat.

Dortmund. „Guck nicht so blöd, Du Bastard.“ An diesen Satz können sich die beiden türkischstämmigen Schüler noch genau erinnern, als sie am Abend des 26. November 2011 auf dem Weihnachtsmarkt kurz stehenbleiben, weil sie ein streitendes Paar sehen. „Dann haute der Mann sofort mit der Faust zu. Ich knallte erst mit dem Kopf gegen eine Hütte, ging dann zu Boden.“ Der Schläger, so war der eine Schüler gestern sicher, war der angeklagte Neonazi Sven K.

Sven K., der wegen Totschlags des Punkers „Schmuddel“ fünf Jahre in Haft saß. Der, kaum vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, dabei gewesen sein soll, als eine Horde Rechter im Dezember 2010 die Szene-Kneipe „HirschQ“ überfiel.

Seine Aussage jetzt im Prozess: An jenem Novemberabend auf dem Weihnachtsmarkt, da habe er sich gegen die beiden 17 und 18-Jährigen ja nur gewehrt. Weil die ihn provoziert hätten, angeblich versuchten, ihm eine Kopfnuss zu geben. Weder er noch seine drei wegen gefährlicher Körperverletzung mitangeklagten Gesinnungsgenossen hätte den Jugendlichen ein Haar gekrümmt.

„Die trugen alle Springerstiefel. Mindestens Drei traten zu

Eine Version, die beide Freunde gestern weit von sich wiesen. „Er war es, der zuerst schlug. Dann kamen noch vier bis fünf andere, alle trugen Springerstiefel. Mindestens drei haben auf mich eingetreten.“ Nach einem kurzen Blick auf die Anklagebank sagte der heute 18-Jährige: „Die waren da alle dabei.“ Auch Jan K., der jüngere Bruder von Sven.

Jan K. war es auch, den der zweite damals verletzte Jugendliche in jener Nacht noch einmal gesehen haben will – ausgerechnet im Krankenhaus. „Ich hatte eine Kopfplatzwunde, die wurde genäht. Durch die offene Tür sah ich dann ihn im Nebenraum“, sagt er und deutet auf Jan K. „Er hatte wohl etwas an der Hand.“ Davon hatte das Opfer allerdings nichts gesagt, als es noch nachts in der Klinik von der Polizei vernommen wurde.

Seelische Wunden noch immer nicht verheilt

Platzwunden, Nasenbeinbruch und Prellungen sind verheilt. Was bleibt, sind seelische Wunden: Nicht nur, dass der Schüler nicht mehr gern in die Stadt geht, er noch heute in psychologischer Behandlung ist: „Ich habe danach erst gedacht, jeder Deutsche hat so einen Nazi-Hintergrund.“ Und heute? „Ich bin zu Deutschen kälter geworden.“

 
 

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