Schüler druckten sich ihr Taschengeld selbst

Kathrin Melliwa
Jugendliche druckten sich in Dortmund ihre Geldscheine selber. Mehrfach konnten sie damit bezahlen, ehe es einem Kioskbetreiber in Körne auffiel. Foto: WAZ FotoPool
Jugendliche druckten sich in Dortmund ihre Geldscheine selber. Mehrfach konnten sie damit bezahlen, ehe es einem Kioskbetreiber in Körne auffiel. Foto: WAZ FotoPool
Foto: Kai Pottgießer
Drei Schüler mussten sich am 6. Dezember wegen „bandenmäßigen Inverkehrbringen“ von Falschgeld vor dem Jugendschöffengericht Dortmund verantworten. Die Jungen hatten sich ihr Taschengeld selbst am Kopierer gedruckt und konnten damit tatsächlich bezahlen.

Dortmund. Sich mit Freunden treffen, ins Kino gehen, ab und zu mal neue Fußballschuhe. So ein Leben als Schüler ist ganz schön teuer, da muss man schon mit dem Taschengeld vernünftig haushalten – oder einfach zu Hause den Kopierer einschalten.

Drei Dortmunder Jungs im Alter von 15 und 16 Jahren haben im letzten Sommer einen ebenso unkonventionellen wie illegalen Weg gewählt, ihre Taschengeld aufzustocken: Sie druckten sich ihre Scheine selbst. Am Dienstag saß das Trio auf der Anklagebank des Jugendschöffengerichtes, aufgrund ihres Alters lief der Prozess unter Aussschluss der Öffentlichkeit.

Der Vorwurf des Staatsanwaltes klang beeindruckend. „Bandenmäßiges Inverkehrbringen von Falschgeld.“ Eines vorweg: Der Ausflug der Jungs in die bandenmäßige Kriminalität endete glimpflich. Das Verfahren wurde eingestellt, allerdings muss das Trio im Gegenzug pro Kopf 50 Euro Geldbuße zahlen. Man darf davon ausgehen, dass die Scheine in diesem Fall nicht ungeprüft in die Staatskasse wandern...

Kein Wasserzeichen, kein Silberstreifen

Außerdem müssen alle drei an einem sozialen Training in der Einrichtung „Die Brücke“ teilnehmen. Dort werden sie dann auf ihren Kumpel aus Unna treffen, den Geldfälscher Nummer vier: Der 16-Jährige ist bereits im dortigen Amtsgericht zu 60 Stunden Freizeitarrest verurteilt worden. Die Dortmunder Jungs kamen mit einer Einstellung und eindringlichen mahnenden Worten davon, weil sie bisher völlig unbescholten waren und ihre Missetaten bereuten.

Kein Wasserzeichen, kein Silberstreifen, dafür war das Papier umso dicker. So sah die erste 20-Euro-Blüte aus, die der Jüngste aus dem Bunde versuchsweise in einer Brackeler Pizzeria zückte – seine Kumpel hielten sich wohlweislich im Hintergrund. Doch der Junge kam wieder, die Pizzakartons wie eine Trophäe in der Hand. Jetzt brachen auch für die anderen alle Dämme. An diversen Kiosken in den östlichen Stadtteilen und in Unna beschaffte man sich Bier, Schokolade, Bonbons.

Im Polizeiwagen zurück nach Hause

Ihr Übermut wurde den Geldfälschern schließlich zum Verhängnis. Sie wagten sich an die Herstellung von 50-Euro-Scheinen, einer davon fiel einem Kioskbetreiber in Körne auf. Den Fußweg nach Hause konnten sich die Freunde damals sparen – zurück ging es im Polizeiwagen.