Schokoladenfabrik van Netten in Dortmund ist zahlungsunfähig

Anja Schröder
Die Süßwarenfabrik van Netten hat Insolvenz angemeldet. Naile Erkan (seit 29 Jahren bei van Netten) und Hanife Lünal (seit 22 Jahren dabei) blicken skeptisch in die Zukunft.
Die Süßwarenfabrik van Netten hat Insolvenz angemeldet. Naile Erkan (seit 29 Jahren bei van Netten) und Hanife Lünal (seit 22 Jahren dabei) blicken skeptisch in die Zukunft.
Foto: Franz Luthe
Schlechte Nachrichten aus der Schokoladenfabrik: Der Süßigkeitenhersteller van Netten aus Dortmund hat Insolvenz angemeldet. Doch die Mitarbeiter stehen weiter hinter ihrem Betrieb - und hoffen, dass sie die Krise irgendwie überstehen.

Dortmund. Nach der Aufbruchstimmung der Absturz: Am Donnerstag hat Van Netten endgültig Insolvenz angemeldet. Die Schokofabrik ist zurzeit nicht liquide genug, um Rohware einzukaufen. Der vorläufige Insolvenzverwalter, Dr. Paul Fink aus Düsseldorf, übernahm am Freitag das Ruder. Signal an die rund 250 Mitarbeiter: Niemand muss sich arbeitslos melden.

Hanife Lünal und Naile Erkan verlassen deprimiert die Betriebsversammlung. 22 und 29 Jahre lang sind sie im Unternehmen beschäftigt, haben Höhen und zuletzt immer wieder Tiefen durchgestanden. Dass sich jetzt bis Anfang Dezember entscheiden wird, was mit der Firma, was mit ihrem Arbeitsplatz wird, macht sie dennoch nicht mutlos: „Wir haben mehrere Krisen überstanden. Hoffentlich auch diese“, sind sie bereit, für das Unternehmen zu kämpfen.

Mitarbeiter sind leidensfähig

Die Bereitschaft dazu forderte gestern Dr. Paul Fink bereits ein. Sobald frisches Geld zur Verfügung stehe – und die wichtigen Kunden stärken der Van Netten angeblich den Rücken – soll kurzfristig und ausreichend Rohware beschafft werden. Dann könne sogar Mehrarbeit erforderlich sein, habe Fink angekündigt.

Die Mitarbeiter sind leidensfähig. Sie waren sogar freiwillig zur Samstags-Sonderschicht gekommen, als Material geliefert worden war, sagt NGG-Gewerkschafter Manfred Sträter. Er hatte bereits im September Alarm geschlagen, als die Belegschaft auf ihr Augustgeld wartete. Diesmal sollte der Lohn wenigstens zur Hälfte pünktlich überwiesen werden.

Weder Kündigungen noch Freistellungen

Die Finanzspritze – je eine halbe Million hätten die Gesellschafter zugebuttert und die Sparkasse aus einem anvisierten Grundstücksverkauf vorfinanziert – reichte wohl nicht. zumindest nicht für genügend Rohstoffe, so Sträter. Auch die Umsätze der letzten drei Monate hätten deutlich unter den Soll-Zahlen gelegen.

Sträter: „Da ist Geld verbrannt worden und sie sind mit dem Nachschaufeln nicht nachgekommen“. Verbrannt auch deshalb, weil Van Netten bei einer Lohnfertigung von Weichgummis teures Lehrgeld bezahlt habe und schlicht nicht marktfähig gewesen sei.

Rund ein Drittel der Landesbürgschaft von fast 6 Mio. Euro soll inzwischen übrigens geflossen sein, Zukunftskapital für neue Maschinen. Das Unternehmen wird vollständig fortgeführt; es gibt zurzeit weder Kündigungen noch Freistellungen.