Schnibbeln und Schrauben bei „Velo Kitchen“ in der Nordstadt von Dortmund

Dortmund.. Öl für die Kette, Öl für den Wok. Gabel fürs Bike, Gabel zum Spachteln. Schnibbeln und Schrauben. Das alles und mehr kommt bei der „Velo Kitchen“ zusammen. Bei dem einzigartigen Projekt in Dortmunds Nordstadt toben sich Kochbegeisterte Menschen in der Garage und am Herd aus.

Denn seit Ende März treffen sich jeden Montag in einer Wohnung und Hinterhof in der Bornstraße 138 fahrrad- und kochbegeisterte Menschen, um sich am Herd und in einer Garage, die zu einer Werkstatt umfunktioniert wurde, auszutoben. Und das in einem nachhaltigen und umweltfreundlichen Lebensstil, denn die Initiatoren stammen alles aus der „Critical-Mass“-Szene, die ein Mal im Monat per Fahrrad-Demo für bessere Bedingungen und auf das umweltfreundliche Fortbewegungsmittel aufmerksam machen.

Gekocht wird nur vegan, denn die Nachhaltigkeit für die sie kämpfen, soll sich schließlich auch im Kochtopf widerspiegeln. Gemüse im Wok, Falafel oder Gnocchi sind deshalb beliebte Gerichte. Die Idee zur „Velo Kitchen“ kam Marco und Rolf, während sie beim Internationalen Fahrradfilmfestival in Herne, eine Dokumentation über die Wiener „Bike Kitchen“ sahen.

„Ich fand die Idee einfach klasse, dass man sich nicht nur zum Reparieren in einer Werkstatt trifft, sondern auch zum Kochen. Es sollte einfach mehr sein als nur Fahrräder reparieren“, erklärt Rolf, auf dessen Fahrrad „Ein Auto weniger“ steht.

Und Dank der Großzügigkeit der Julius Ewald Schmitt GbR, die, als sie von der Idee der Fahrrad-Küche erfuhr, ganz begeistert den Initiatoren die Räumlichkeiten des ehemaligen Jugendtreffs zur Verfügung stellte. Dort können ab sofort erfahrene Schrauber und alte Hasen zeigen, wie man sein Fahrrad repariert. Allerdings gibt es nur die Anleitung zur Reparatur. Sein kaputtes Fahrrad abgeben und heile wieder abholen, ist nicht. Dabei gilt: Jeder, der Interesse hat, kann vorbeischauen und mitmachen.

„Wir helfen gerne und geben Tipps. Doch reparieren muss jeder selber“, betont Sibylle, die die Critical-Mass-Aktionen in Dortmund ins Leben gerufen hat. Man wolle, so Rolf, das ganze Projekt bei Interesse noch um weitere Aktionen ausweiten. Zum Beispiel werde schon regelmäßig auf dem angrenzenden Bolzplatz Bike-Polo gespielt oder auch Projekte wie „Frauen schrauben“ seien in Planung.

Vorbildfunktion

Und wird das Ganze finanziert? „Das Projekt lebt von Spenden. Davon kaufen wir Nahrungsmittel, Getränke, Werkzeug und Verschleißteile. Werkzeug ist teuer. Jeder soll so viel spenden wie er kann. Die, die wenig Geld haben etwas weniger, wer ein regelmäßiges Einkommen hat, etwas mehr“, erklärt Rolf und betont, dass es hier keinen Chef gebe. Nur gebe es Regeln an die sich alle halten sollten.

Und die hängen für alle Teilnehmer sichtbar am Küchenschrank. „Wir empfehlen für Getränke eine Spende von 1,50 Euro“, steht dort geschrieben. Oder auch „Auf dem Spielplatz sind viele Kinder und wir haben Vorbildfunktion. Deshalb ist Bier dort Tabu“ sowie „Niemand muss sich für seine Lebenseinstellung, Ernährungsweise und religiösen Ansichten rechtfertigen“. Und ganz zum Schluss steht da: „Der letzte macht Licht und Heizung aus und schließt die Fenster, lässt die Rollläden herunter, schaltet Elektrogeräte aus und schließt die Türen ab“.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel