Schmucke Idee für Neuanfang

Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.. Es war keine leichtherzige, auch keine leichtfertige Entscheidung. Sie hat dafür ihre Altersvorsorge anknabbern müssen. Und ihr Geschäftskapital in Millionen Kleinstteile gesplittet. Seit Samstag ist Petra Sudke Unternehmerin statt arbeitslos.

„Die Kündigung war für uns alle ein Schock.“ Für sie und ihre langjährigen Kolleginnen bei Deko Buschmann. „In unserem Alter...“ – malt man sich auf dem Arbeitsmarkt keine großen Chancen mehr aus. 53 Jahre ist sie alt oder jung, wie man’s nimmt. „Zehn Jahre muss ich noch“, sagt sie. Wobei: das „Muss“ ist auch ein Wollen.

Eines mit Einschränkungen: Wer über Jahre in seinem Beruf selbstständiges Arbeiten und Organisieren gewöhnt ist, tut sich schwer mit „irgendeinem“ Job. 23 Jahre lang war Petra Sudke – Einzelhandel hat sie gelernt – bei Buschmann. „Alle bedauerten mich, weil ich die Perlenabteilung bekommen habe... Aber das war mein Ding“. Nicht, weil sie sich selbst gerne schmückt. Sondern weil sie schon vorher in der Modebranche gearbeitet hatte und Accessoires zu schätzen weiß, weil sie ein gutes Farbgefühl hat und Spaß am Gestalten. „Da geht es nicht darum, einfach ein paar Perlen aufzufädeln.“ Die echten Schmuckstücke seien Handarbeit und Herausforderung gleichzeitig.

„Learning by doing“: Sie hat sich das selbst beigebracht – und später dann auch anderen. Hat für das Organisieren von Kursen Freizeit geopfert. Bis zu einem gewissen Grad, bis zu dem Gedanken „es ist ja nicht mein eigenes...“ So schnell können sich die Dinge ändern. Sicherlich ungewollt. Aber: Jetzt ist es ihr eigenes: „Milli Pearls“, Millionen Perlen.

Ihr Mann hatte ihr den Rücken gestärkt, sie ermutigt, sie überredet, einen Teil dessen, was sie fürs Alter an die Seite gelegt hatte, zu investieren. Und sie immer wieder angeschubst – „Diese ganze Lauferei...“, stöhnt Sudke. Arbeitsamt, Makler, Ladenlokal, Einrichtung, Verträge, Internet, Bestellungen... Als alles „eingefädelt“ war, hat sie erst einmal eine Runde geheult. „Einfach so“, sagt sie, dabei war es wohl die Summe der Ereignisse. Angefangen beim Jobverlust, dem sicheren Boden, der einem so plötzlich unter den Füßen weggezogen wird. Dabei ist es auch für die meisten ihrer Kolleginnen noch relativ gut ausgegangen. Ein Schwung hat in der neuen Einkaufsgalerie beim irischen Modeanbieter einen Job bekommen. Der Lehrling ist an einen neuen Ausbildungsplatz vermittelt. Und für einige der insgesamt mehr als ein Dutzend Damen ist wohl auch die Frührente eine Alternative. Trotzdem trauern nicht nur sie dem Traditionsgeschäft hinterher. „Solche Läden gibt es einfach nicht mehr“.

Dafür seit Samstag einen neuen, kleinen, anderen. Grüne, rote, blaue Perlen, große, kleine, winzige, aus Glas, Holz, Filz – das Grundkapital für die neue Geschäftsidee. Plus der Mut, noch einmal von vorne anzufangen. Inklusive dem Risiko des Scheiterns. „Es wird funktionieren“, sagt Petra Sudke. Atmet tief durch: „Ich hätt’ es nicht anders gewollt“.

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