Schalker loben Dortmunder Derby-Boykott

Derby BVB Borussia Dortmund gegen Schalke 04
Derby BVB Borussia Dortmund gegen Schalke 04

Dortmund. Die Organisatoren des Dortmunder Derby-Boykotts jubeln schon vor dem Spiel: Mehr als 1.600 Eintrittskarten sind bereits an den BVB zurückgegeben worden. Jetzt suchen sie nach einer Möglichkeit zum Rudelgucken. Lob für die Aktion kommt sogar vom Erzfeind aus Schalke.

Warum Derby-Boykott?
Warum Derby-Boykott?
MPG

Was mit dem lockeren Spruch „eigentlich sollte man da einfach nicht hingehen“ anfing, könnte der Anfang einer großen Aktion werden. Als einige BVB-Fans beschlossen, angesichts der hohen Zuschläge für das anstehende Derby beim FC Schalke mit einem Boykott zu reagieren, waren die Zweifel noch groß. Erst als sich einige Fanclubs der Idee anschlossen, wurden die Pläne konkreter. Schließlich sagte auch der BVB in Person von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu, bereits gekaufte Karten zurückzunehmen – das war der Durchbruch.

Seitdem haben mehr als 1.600 Fans ihre Karten zurückgegeben, die der BVB auch schon nach Gelsenkirchen weitergeschickt hat. Dazu kommen noch zahlreiche Fans, die ihr Kontingent gar nicht erst abgerufen haben. Rund 300 Fanclubs und Gruppierungen haben sich dem Protest angeschlossen und wollen dem Derby fernbleiben, so dass Insider davon ausgehen, dass mindestens 2.000 Fans dem Boykott folgen werden.

Unterstützung von Schalker Ultras

Das kommt sogar beim Nachbarn in Gelsenkirchen gut an. „Wir finden, dass das eine bemerkenswerte Sache ist“, so Thomas Kirschner, von den Ultras Gelsenkirchen. Er weist aber auch darauf hin, dass in den letzten Jahren die Derby-Tickets in Dortmund mit allen Gebühren auch „nicht deutlich weniger als 20 Euro gekostet hätten.“

Einen Boykott des Heim-Derbys schließt Kirschner zwar aus, dennoch werde die Gruppe das Thema auf jeden Fall aufgreifen und den Protest mit Flyern, Erklärungen und eventuell auch Spruchbändern unterstützen. Die Ultras loben das „deutliche Signal“, das die Dortmunder Rivalen setzen. Die Aktion „Kein Zwanni“ würden sie interessiert verfolgen, wüssten aber noch nicht, ob sie aktiv mitmachen oder erst einmal versuchen, in Gelsenkirchen selbst tätig zu werden. Denn dort, so Kirschner, bestehe ebenfalls Handlungsbedarf: „Hier wurde ein Preis-Niveau erreicht, das man eigentlich nicht mehr erhöhen sollte. Das wurde vom Verein auch immer so gesagt. Aber das scheint sich in den letzten Monaten geändert zu haben.“

Nachhaltigkeit gefordert

Mit Spannung verfolgt auch Christian Bieberstein den Boykott der BVB-Fans. Der Hamburger ist Mitglied der Abteilungsleitung des Supporters Club beim Hamburger SV und einer der Sprecher der Fan-Organisation „Unsere Kurve“. „Bisher gab es über zu hohe Preise immer ein großes Murren, aber es hat nie jemand etwas unternommen, die Gästeblöcke sind immer voll.“

Die Dortmund-Fans sieht Bieberstein in einer „Vorreiter-Rolle“, mahnt aber: „Es kommt auf Nachhaltigkeit an. Eine Einmal-Aktion bringt gar nichts.“ Die Borussen müssten ihren Protest „konsequent durchziehen“. Das bedeute beispielsweise auch, dass die Dortmunder das Auswärtsspiel beim HSV boykottieren müssten, da dort ebenfalls mehr als 20 Euro für einen Stehplatz fällig würden und die Sitzplatzpreise noch höher lägen. In dem Falle sei den Dortmundern auch die Unterstützung der HSV-Fans sicher.

Möglichkeit zum Public Viewing gesucht

Unterdessen suchen die BVB-Fans händeringend nach einer Möglichkeit, das Spiel gemeinsam zu verfolgen. Die Boykott-Organisatoren rechnen mit 3.000 Fans, die sich gerne zum Public Viewing treffen würden – allein schon, um ein Zeichen zu setzen.

 
 

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