Schalke-Fans vor Revierderby in Dortmund von BVB-Anhängern übel beschimpft

Steffen Gerber
Plakate in Dortmund vor dem 137. Revierderby BVB gegen Schalke.
Plakate in Dortmund vor dem 137. Revierderby BVB gegen Schalke.
Foto: Steffen Gerber/DerWesten

Dortmund. Zu einem ordentlichen Revierderby zwischen dem BVB und Schalke gehören Frotzeleien. So hängen auch vor der 137. Auflage am Freitag in Dortmund im Stadion-Umfeld wieder fiese Plakate gegen den königsblauen Rivalen.

Mal Kuschelkurs, mal Hass: Wenn Fußball-Fans mit Bezug zum Ruhrgebiet an das Revierderby und den meist verachteten Gegner aus Lüdenscheid-Nord bzw. Herne-West denken, ist die Bandbreite genauso groß wie die sportliche Geschichte. Wohin mit diesen Gedanken? Auf Plakate zum Beispiel. So hängen vor der 137. Auflage an diesem Freitag (20.30 Uhr, live im Ticker bei DerWesten) im Stadion-Umkreis in Dortmund wieder fiese BVB-Plakate gegen den Rivalen aus Schalke.

Aktuell warnen zum Beispiel Plakate in und an einer Imbiss-Bude in Stadion-Reichweite in schwarzgelber Aufmachung vor „Ungeziefer“ und „erhöhter Seuchengefahr“. Ohne Schalker explizit zu erwähnen (im Harry-Potter-Stil „dessen Name nicht genannt werden darf“), seien diese an blauem Anlaufen, glasigen Augen, Erfolglosigkeit, Realitätsverlust und Dachschaden zu erkennen. Mit Letzterem wird nochmal jenem BVB-Fan gehuldigt, der bei der Reparatur des Arena-Lochs in Gelsenkirchen eine BVB-Fahne ins Dach gesteckt hatte und dafür ein Jahr Freibier in Dortmund erhalten könnte.

Friedensbotschaft per Homepage

Um aktuell aber etwas Luft aus dem Revierderby zu nehmen, haben die Verantwortlichen der Borussia und von S04 online auf den jeweiligen Vereinsseiten zu einem friedlichen Umgang aufgerufen. Dort ist zu lesen: „In den beiden Derbys auf Schalke im vergangenen Jahr haben sich beide Fanlager bereits weitestgehend dran gehalten, deshalb sei vor dem 137. Pflichtspielduell zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund an die Spielregeln erinnert, auf die sich die Fanvertreter beider Clubs geeinigt haben, damit das Revierderby auch diesmal in vernünftigen und friedlichen Bahnen verläuft. S04 und BVB fordern ihre Fans auf:

  • Übt keine Gewalt aus und droht diese auch nicht an!
  • Klaut und präsentiert keine gegnerischen Fanutensilien!
  • Unterlasst jegliche diskriminierenden und rassistischen Äußerungen und Gesänge!
  • Toleriert kein Fehlverhalten, vor allem nicht in den eigenen Reihen!
  • Verzichtet auf Fanmärsche und konspirative Anreisen!
  • Lasst eure Pyrotechnik und Feuerwerkskörper zu Hause!
  • Vertraut der Kooperation zwischen den Vereinen und der Polizei!

Wenn diese Grundregeln gelten, bleibt das Duell zwischen S04 und BVB das, was es sein soll: das prickelndste und großartigste Derby der Bundesliga!“

Daraus wird deutlich, wie schwierig oder schmal der Grat zwischen Frotzelei und aggressiver Grundhaltung ist. Denn zu kuschelig mag es der gemeine Fußball-Freund auch nicht. Erinnert sei etwa an HSV-Torhüter Frank Rost, der zum Stadtderby gegen St. Pauli im September letzten Jahres krakeelte: „Es hat ja schon vor dem Spiel eine Harmoniestrategie gegeben. Es hat nur noch gefehlt, dass wir in rosa Röckchen aufgelaufen wären.“

Funktionäre äußern sich nicht

Die Schlips- und Kragenträger von Borussia Dortmund und Schalke sehen sich aktuell offensichtlich nicht genötigt, eine besonders friedfertige Stimmung heraufzubeschwören. Außer den Homepage-Appellen kommen von den Funktionären keine Deeskalations-Aufrufe. Die Polizei Dortmund mit ihren mehr als 1000 Einsatzkräften hat keine Provokationen im Vorfeld ausgemacht, kündigte dennoch ein konsequentes Durchgreifen gegen Gewalttäter an.

Relative Ruhe im Vorfeld – das war nicht immer so. Erinnert sei an die problematischen Fanmärsche der Schalker durch Dortmund (speziell 2007) oder an die Hetzparolen mit Gewaltaufrufen von selbsternannten Borussen-Ultras für das Derby am 26. September 2009. „Blau-Weiß aus der Stadt prügeln” und „Blau-Weiß vernichten” stand damals an Ampeln und Laternenmasten, woraufhin Borussia Dortmund Strafanzeige gegen Unbekannt stellte.

Statistik

Zur sachlichen Herangehensweise noch ein bisschen Statistik: Schalke hat in der langen Derby-Geschichte knapp die Nase vorn. In der Bundesliga ist die Bilanz mit jeweils 27 Siegen (bei 23 Unentschieden) ausgeglichen. Von seinen 38 Heimspielen gegen S04 gewann der BVB 17. Elf Mal gab es ein Remis, zehn Mal nahm Schalke die Punkte mit. Die Borussia konnte nur zwei der letzten elf Derbys für sich entscheiden, zuletzt das Hinspiel in Gelsenkirchen mit 3:1.

Möge der Schlechtere verlieren.