Schäfer klagen über freigelassene Hunde

Christina Römer
Ute Rudack mit einem Ihrer Hütehunde vor der Schafsherde in Dortmund. WR-Bild: Ralf Rottmann
Ute Rudack mit einem Ihrer Hütehunde vor der Schafsherde in Dortmund. WR-Bild: Ralf Rottmann
Foto: Ralf Rottmann

Dortmund. Immer mehr Schäfer beschweren sich über Hundehalter, die ihre Vierbeiner von der Leine lassen: Die Hunde würden auf der Wiese den Schafen Angst machen. Ein Hund soll ein Lamm totgebissen haben.

„Es wird immer schwieriger diesen Beruf auszuüben“, sagt Ute Rudack. Sie und ihr Mann Martin betreiben eine Wanderschaferei – das heißt, sie ziehen mit ihren Schafen von Wiese zu Wiese. An Straßen entlang, vorbei an Wohnsiedlungen. Im Frühling und Herbst im Dortmunder Osten, im Sommer und Winter in Hamm und Ahlen. Die etwa 700 Tiere dabei zusammen zu halten, erfordert nicht nur viel Arbeit und den Einsatz der Hütehunde – die Schäfer sind auch auf das Verständnis der Anwohner angewiesen. Und genau da liegt das Problem.

„Die Hundehalter nehmen immer weniger Rücksicht auf unsere Tiere“, musste die Dortmunderin feststellen. Oft liefen die Hunde frei herum und störten die Herde. „Wenn den Schafen ein fremder Hund zu Nahe kommt, bekommen sie Panik“, erklärt Ute Rudack. Und dann passiert es, dass sie den Elektrozaun durchbrechen und verletzt werden.

Ein Hund hat ein Lamm totgebissen

Vor wenigen Wochen erst habe ein Hund sich ein neugeborenes Lamm geschnappt und totgebissen. Ein mittelgroßer Mischling, sei das gewesen. „Die Leute unterschätzen ihre Tiere“, findet die Schäferin. Schließlich schlummere in jedem Hund, egal welcher Rasse, ein Jagdinstinkt. „Das hat er aber noch nie getan“ – ein Satz den die Rudacks ganz oft hören.

Oder die Hundehalter wollen ihre Vierbeiner „einfach nur spielen“ lassen. Mit den Schäferhunden. „Aber die sollen nicht spielen, die müssen arbeiten“, betont Rudack.

In den letzten Jahren hätten die Probleme mit uneinsichtigen Hundehaltern mehr und mehr zugenommen. „Das Verhältnis der Halter zu ihren Tieren hat sich verändert.“ Die Hunde würden vermenschlicht, seien Familienmitglieder, die ihren Willen statt Grenzen gesetzt bekämen. „Und die Menschen achten weniger auf ihre Umwelt“, stellt die Schäferin weiter fest. „Mein Hund, mein Feldweg, mein Recht“, hieße es. „Holen Sie doch die Polizei“, hörte die Schäferin schon.

Herdenschutzhunde leben mit den Schafen

Christof May, der mit seinen Schafen die Flächen für das Umweltamt der Stadt beweidet, kennt das Problem. „Mit Hundehaltern, aber auch generell mit Zweibeinern“, sagt er. Vor einem Jahr haben Täter mit einer Eisenstange sogar ein Tier erschlagen, der Rest der Herde flüchtete in alle Himmelsrichtungen. „Danach habe ich mir einen Herdenschutzhund angeschafft“, erzählt May. Der lebe zusammen mit den Schafen und verteidige die Tiere „bis auf sein Leben“. Seitdem sei kein Zaun mehr kaputt gemacht worden und er könne wieder ruhig schlafen. „Früher bin ich oft mehrmals hintereinander nachts zu den Tieren rausgefahren, weil wieder etwas passiert ist“, erzählt er.

Für Ute und Martin Rudack keine ideale Lösung. Ihre Wiesen lägen in der Nähe von Wohngebieten. „Nicht auszudenken, wenn ein Kind durch den Zaun durchschlüpft und der Hund darauf losgeht.“