Sascha Hellen lässt den Steiger Award wiederauferstehen

Rührte das Publikum zu Tränen: Kurt Masur beim "Steiger Award" im Dortmunder U mit seiner Ehefrau Tomoko.
Rührte das Publikum zu Tränen: Kurt Masur beim "Steiger Award" im Dortmunder U mit seiner Ehefrau Tomoko.
Foto: Getty
Totgesagte leben länger: Am Samstag wurden im Dortmunder U die „Steiger Awards“, volkstümlich auch Ruhrpott-Oscars genannt, vor 250 Gästen verliehen. Dem zuletzt wegen hoher Honorare umstrittenen Veranstalter Sascha Hellen gelang es, Prominenz aufzubieten.

Dortmund.. Manchmal gibt es sie, diese Augenblicke bei Preisverleihungen, bei denen du aus Eis sein musst, um dich nicht bei einer Träne im Augenwinkel zu ertappen. Der große Kurt Masur, der nur noch im Sitzen dirigiert, weil er mit der Parkinson-Krankheit ringt, hat sich aus dem Rollstuhl erhoben. Er macht sich langsam mit schweren Schritten auf einen Stock gestützt zur Bühne auf, um über die Kraft der Musik zu sprechen. Und dann stimmt er mit leiser, aber fester Stimme das Lied an „Der Mond ist aufgegangen“ und sagt: „Verzaubern Sie damit abends Ihre Kinder, und vergessen Sie mich.“ Das ist so ein Moment. 250 Menschen erlebten ihn beim „Steiger Award“, Samstagabend im Dortmunder U.

Sascha Hellen überraschte mit einer stimmigen Neuauflage

Masur, mittlerweile 86, überlegt sich gewiss genau, welcher Einladung er noch folgt. Die des Bochumer Veranstalters Sascha Hellen nahm er an. Dabei betonte Werner Hansch als Moderator des Abends im Restaurant des Kulturturms nicht ohne Grund, dass „der Steiger Award lebt“. Nach Hellens Querelen mit den Bochumer Stadtwerken um den Atrium Talk samt Peer Steinbrücks 25.000-Euro-Geplauder schien die Verleihung der Ruhrpott-Oscars für Vorbilder an Geradlinigkeit Geschichte zu sein.

Immerhin wollen die Stadtwerke von Hellen wegen angeblich nicht erbrachter Leistungen 250.000 Eu­ro einklagen, der Promivermittler hat eine Gegenklage angekündigt. In Gesprächen gab er sich zwar gelassen und sagte stets „Natürlich findet der neunte Steiger Award statt, wir kehren nur von Bochum nach Dortmund zurück.“ Doch weil er entgegen sonstiger Gepflogenheiten vorab keinen Preisträger nennen wollte, argwöhnten nicht wenige, der junge Mann sei verzweifelt auf der Suche nach Prominenten, die Samstagabend noch nichts vorhätten.

Das Ergebnis stimmt

Aber danach roch es nicht, selbst wenn es Absagen gegeben haben mag, weshalb wohl Altmusiker Klaus Voormann einräumte, er habe erst am Abend zuvor erfahren, dass er eine Laudatio auf die Scorpions halten solle. Mag ja sein, dass manches mit der Hilfe einer Handvoll Sponsoren erst auf den letzten Drücker klappte, aber ein Blick auf die Angereisten zeigte sofort: Das Ergebnis stimmt.

Die wunderbar aufgekratzte Liselotte Pulver, die den Deutschen nach dem Krieg das Lachen wiedergab und am Abend zuvor ihren 84. Geburtstag gefeiert hatte, freute sich über die Glaskugel so sehr wie Jürgen Prochnow („Das Boot“). Klaus Meine und Rudolf Schenker von den Scorpions wurden geehrt, der französische Synthesizer-Pionier Jean-Michel Jarre („Oxygene“), Rudi Völler, Kurt Biedenkopf, Un­ternehmer Michael Otto sowie der legendäre Publizist Alfred Grosser. Und Albert Watson, ein Weltstar unter den Fotografen, der damit umgehen kann, dass man ihn nicht erkennt: „Als ich im Hotel sagte, ich bekomme einen Preis, sagte der Mann, ,Ach ja, die große Hundeschau ist ja in der Westfalenhalle.’“

Selbst bei den Laudatoren hatte Hellen nicht schlecht gewählt: Reiner Calmund, Horst Wackerbarth („Das rote Sofa“), Jürgen Rüttgers, Alfred Biolek und, nun ja, Bettina Wulff, deren Auftritt Rüttgers ein maliziöses Lächeln und Biedenkopfs Frau Ingrid ein verlängertes Kopfschütteln abrang.

Die sinnfreie Debatte, wie dieser „Steiger Award“ funktioniert, wem so ein Abend mit langen Reden inklusive Flugentenbrust auf Limettenspitzkohl 175 Euro wert ist und ob das Revier so etwas nun braucht oder nicht, darf ab heute weiter geführt werden. Sascha Hellen muss es nicht jucken.

 
 

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