Rumor bei den Roten

MdB Marco Bülow,links, und Franz-Josef Drabig.  Bild: Helmuth Voßgraff/WAZ-Fotopool
MdB Marco Bülow,links, und Franz-Josef Drabig. Bild: Helmuth Voßgraff/WAZ-Fotopool
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Dortmund. Es tut sich etwas in der SPD. Und das ist auch gut so. Sind die Genossen doch nicht nur im Bund, sondern auch in ihrer Hochburg Dortmund in einer Situation, die sich in naher Zukunft einmal zu einem ernsthaften Relevanzproblem auswachsen könnte.

Zwar fühlt sich die SPD an der Ruhr und eben in ihrer Herzkammer Dortmund fest im Sattel der Macht und scheint von einer Umkehrung der Mehrheitsverhältnisse wie jetzt in Baden-Württemberg rein rechnerisch noch weit entfernt zu sein. Doch dass der Siegeszug der Grünen, denen ja ausgerechnet in den Großstädten die Wählerstimmen in den Schoß zu fallen scheinen, nur eine vorübergehende Erscheinung ist, daran glauben selbst Sozialdemokraten immer weniger.

Eine Antwort auf den grünen Durchmarsch zu finden, fällt der guten alten SPD schwer. So schnell lässt sich das Ruder eines so großen und traditionsreichen Tankers nicht herumreißen. Besonders dort, wo - wie in Dortmund - die Genossen seit Jahrzehnten das Sagen haben, nimmt sich der notwendige Erneuerungsprozess bescheiden aus. Wer die Macht als Dauerzustand erlebt, wird schnell unbeweglich und behäbig.

Nicht von ungefähr wirkt ausgerechnet die SPD gelegentlich so, als wäre sie die konservativste aller ernstzunehmenden politischen Kräfte in dieser Stadt. Dass - außer den Grünen - keine andere Partei daraus bislang Kapital zu schlagen in der Lage war, spricht keineswegs für die Genossen - sondern eher gegen deren Widersacher.

Vor diesem Hintergrund muss man den angekündigten Rückzug von „Urgestein“ Ulla Burchardt aus dem politischen Geschäft gar nicht erst zum Auftakt des beginnenden Generationswechsel im größten deutschen Unterbezirk hochstilisieren. Hinter den Kulissen rumort es ohnehin schon viel, viel länger. Bei der Neuwahl des Unterbezirksvorstandes vor der letzten Landtagswahl schien eine Palastrevolution der jungen Garde gegen das Partei-Establishment zum Greifen nah. Doch nicht nur in diesem Zusammenhang offenbarte sich das Kernproblem der Dortmunder Genossen: Die jungen Wilden verfügen nur über eine begrenzte Mannschafts- und Leistungsstärke.

Insofern kann Marco Bülow die jetzt aufflackernde Diskussion über einen Gegenkandidaten in seinem Wahlkreis nicht wirklich beunruhigen. Auf einen wie ihn kann die Dortmunder SPD gar nicht verzichten. Und was würde es auch für ein Licht auf eine Partei mit dem großen S im Namen werfen, wenn sie ausgerechnet einem Genossen, der mit dem Tod seines neugeborenen (Zwilling-)Kindes privat gerade einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen musste, derart in die Parade fahren würde.

Gut möglich aber, dass der junge Familienvater seinen Lieben gerade deshalb mehr Zeit widmen will, als das nervenzerrende Dauerpendeln zwischen Berlin und der Heimat zulässt. Dass er sich vorstellen könne, den Schwerpunkt seiner politischen Arbeit nach Dortmund zu verlagern, hat der 40-Jährige dieser Zeitung jüngst bereits verraten.

Selbst für den Posten des Unterbezirkschefs wäre Marco Bülow ein respektabler Kandidat. In dem Fall müsste nur noch ein Brotjob her für den Politiker, der als Beruf freier Journalist angibt und seit 2002 für Dortmund im Bundestag sitzt. Dass ein SPD-Chef von der Stütze hätte leben müssen, hat es in Dortmund freilich noch nicht gegeben.