Ruhrpott-Karneval Geierabend packt in Dortmund jedes heiße Eisen an

Die AWO-Opas bei der Premiere des Geierabends 2011 in der Zeche Zollern in Bövinghausen. Fotos: F. Luthe
Die AWO-Opas bei der Premiere des Geierabends 2011 in der Zeche Zollern in Bövinghausen. Fotos: F. Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke, Stuttgart21 und die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 – auch 2011 kein heißes Eisen, das die „Panneköppe“ des Geierabends auf Zeche Zollern nicht anfassen. Das ist Ruhrpott-Karneval made in Dortmund.

Nicht immer wird es geschmiedet, solange das Eisen noch heiß ist, doch die 20. Geierabend-Ausgabe des Ruhrpott-Karnevals in Dortmunds Zeche Zollern machen besonders die starken Auftritte der Damen - Sandra Schmitz, Miriam Rixen und einmal mehr allen voran Franziska Mense-Moritz – sowie die pointierten Kommentare des Steigers Martin Kaysh sehenswert.

Zu Letzteren gehören auch Hinweise in eigener Sache: „Im Sommer haben wir ja 17.000 Liter Wasser in den Phoenix-See gekippt, für jeden Besucher in 2010 einen. Zwar war davon gleich nichts mehr zu sehen, aber das Symbol war toll. Das nächste Mal fragen wir BP, die schaffen den ganzen See in drei Monaten.“ Geärgert habe er sich über die Beschwerden, man würde ja gar nicht an die armen Kinder in Afrika denken: „Gut, also schicken wir dieses Jahr jeden Abend einen Liter Wasser nach Afrika. Adressieren wir mal an Herrn Kuntekinte jr.. Ich kenn´ da zwar keinen, aber die kennen sich sicher alle untereinander – also irgendwie kommt das schon an.“

Wie immer ist „Pott to go“ die bewährte Mischung aus Sketchen und Songs zwischen Comedy und Kabarett mit gelegentlichen satirischen Zügen. Vertont mit Unterstützung des „Jallermann Klangtetts“, bleibt vor allem das „Deutschlandlied“ mit Text nach Sarrazin im Ohr, während „Watt mutt, dat mutt“ von den Hossa Boys (Roman Henri-Marczewski und Martin F. Risse) ein richtiger Karnevals-Schunkler ist.

Kooperation mit Boris Gott

Erstmals hat das Ensemble auch einen Songwriter von außen herangezogen: Der Song des Dortmunder „Nordstadtbarden“ Boris Gott bringt die Kritik an Ruhr.2010 auf den Punkt. Besser hätte man es wohl nicht machen können, also hat es Hans Martin Eickmann gar nicht versucht und singt das Lied zum Abschluss des Sketches, in dem er einen Vertreter der Kreativwirtschaft (Maik Giesbert) als Taxifahrer durch Dortmund kutschiert: „Ich bin Eventmanager“, stellt sich dieser vor. „Aha, also eine Art Leuchtturmwärter“, erwidert Eickmann.

Von Ruhr.2010 hat Geierabend die Idee der „Partnerstadt“ übernommen. In diesem Jahr ist das Witten, Miss Annen (Sandra Schmitz) kennen Stammgäste aber schon länger: Das Zeug zum Star hat sie, finden sie, das Publikum und auch Stefan Raab, bis dieser ihre Cousine Lena kennen lernte. Menschlich enttäuscht von dem Moderator und Musikproduzenten, weil er Lena Meyer-Landrut vorzog, lässt sie sich auf ihrem Weg zum Pop-Olymp dennoch nicht aufhalten mit ersten Erfolgen: „Tja, Lena, wer wurde denn nach Bövinghausen eingeladen?“

Und auch Joachim Schlendersack (Martin F. Risse) folgen die Zuschauer gern einmal mehr nach Schnöttentropp zur „Google-Streetview-Aufnahme“, die man sich dank seiner Schilderung bildlich vorstellen kann.

Zum glorreichen Schluss hat Immi (Hans Martin Eickmann) dann noch eine Frage an anwesende Schalker: „Wie ist Euer Dachschaden eigentlich unter unsere Fahne gekommen?“ Mit Lollo (Franziska Mense-Moritz) werden dann die Meisterschaftsaussichten des BVB diskutiert, wobei in einem Punkt bei den Zweien „vonne Südttribüne“ wie immer Einigkeit herrscht, diesmal auch mit Hildegard von Bingen: „Ein Tach ohne Bier ist ein Gesundheitsrisiko.“

Vorstellungen bis Veilchendienstag

Nach der Premiere am 13. Januar gibt es 37 weitere Vorstellungen bis zum 8. März (Veilchendienstag). Karten gibt es bei der Westfälischen Rundschau/WAZ, Ostenhellweg 42-48; im KulturInfoShop in der Sparkasse Dortmund, Katharinenstraße 1; bei Tante Amanda, Mosselde 149, Westerfilde; bei der Ticket-Hotline: 0231-5027710. Weitere Infos unter www.geierabend.de.

 
 

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