Ruhrgebiet: Es war der dreckigste Fluss Europas – dann passiert Unglaubliches

Die Emscher verläuft im Ruhrgebiet durch zahlreiche Städte. Diese Aufnahme zeigt die Emscher (linker Fluss) am Gasometer Oberhausen 1955. Heute ist sie an einigen Stellen kaum wiederzuerkennen.
Die Emscher verläuft im Ruhrgebiet durch zahlreiche Städte. Diese Aufnahme zeigt die Emscher (linker Fluss) am Gasometer Oberhausen 1955. Heute ist sie an einigen Stellen kaum wiederzuerkennen.
Foto: Emschergenossenschaft
  • Die Emscher galt als der dreckigste Fluss Deutschlands und Europas
  • Am Tag des Fisches (22. August) wurde nun ein Bewohner ins Rampenlicht gerückt
  • Bis 2021 soll die Renaturierung abgeschlossen sein

Die Emscher war im Ruhrgebiet lange als „Köttelbecke“ und „Kloake des Ruhrgebiets“ bekannt, galt bis in die 90er-Jahre als schmutzigster Fluss Deutschlands, sogar Europas.

Niemand hätte damit gerechnet, dass sich dort wenige Jahre später wieder Vögel, Insekten und Fische heimisch fühlen. Zum Tag des Fisches am 22. August stellte die Emschergenossenschaft jetzt einen weiteren Bewohner vor.

Ruhrgebiet: Bergbau und Abwasser setzten Emscher zu

83 Kilometer lang ist die Emscher, verläuft quer durch das Ruhrgebiet, durch das Stadtgebiet von Dortmund, Herne, Gelsenkirchen, Essen und Duisburg bis nach Dinslaken. Schon früh stellt die Industrie die Leidensfähigkeit des Gewässers auf die Probe.

Ab Mitte der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wird Abwasser und Grubenwasser der Bergwerke entlastet, es kommt zu zahlreichen Überflutungen. Erst mit Ende des Bergbaus und der Gründung der Emschergenossenschaft Lippe beginnt sich die Situation für den Fluss zu verbessern.

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Artenvielfalt enorm gestiegen

Bis 2021 soll die Renaturierung komplett abgeschlossen sein, mehr als fünf Milliarden Euro sollen bis dahin in das Projekt investiert werden. Auf 362 von insgesamt 430 Kilometern im gesamten Emschersystem sind die Arbeiten bereits abgeschlossen. Es umfasst die Emscher und all seine Nebenläufe. Rund 50 Kilometer der Emscher fehlen aber noch.

Das Projekt ist aber schon jetzt ein Erfolg, ist sich Ilias Abawi, Pressesprecher der Emschergenossenschaft, sicher. „Die Artenvielfalt hat sich verdreifacht“, zeigt er den bisherigen Verdienst auf.

Rund ums und im Gewässer stieg die Zahl der Arten von etwa 190 zu Beginn der 1990er Jahre auf heute mehr als 450 Arten an. Darunter auch seltene Tiere wie die Prachtlibelle oder der Eisvogel.

Im Wasser wird Zuwachs erwartet

Und die Zahlen sollen weiter steigen: „Wir gehen davon aus, dass sich die Natur so erholt, dass dort mehr Arten heimisch werden.“

Vor allem im Wasser könnte sich noch einiges tun. Momentan können aufgrund des Höhenunterschieds von 6 Metern lediglich Fische von der Emscher in den Rhein schwimmen – umgekehrt jedoch nicht.

Durch eine Angleichung des Höhenunterschieds können in wenigen Jahren dann auch Fische vom Rhein in die Emscher gelangen. Und treffen dort auf die jetzigen Flussbewohner: Den Dreistachligen Stichling, die Emscher-Groppe und den Neunstachligen Stichling.

Letzterer wurde am Mittwoch auch von der Emschergenossenschaft als Fisch des Jahres vorgestellt. In anderen Teilen des Emschersystems finde man zudem Forellen, Welse und weitere Fischarten.

Wie läuft die Renaturierung ab?

Der Prozess der Renaturierung besteht aus drei Teilschritten. Zuerst wird der ungehinderte Zufluss von Abwasser zur Emscher getrennt. Dann beginnen auf dem Abschnitt Bodenarbeiten, wie beispielsweise die Anpassung der Gewässerbreite oder die Höhe des Uferrands.

Für den letzten Schritt braucht man vor allem Geduld. Das Wasser brauche Zeit, um sich erholen zu können, erklärt Pressesprecher Ilias Abawi.

Die zunehmende Trockenheit der vergangenen Sommer bilde dabei jedoch große Herausforderungen für die Gewässer. „Wir leiden noch immer unter dem Hitze-Sommer 2018“, so Abawi. Auch in diesem Jahr ist die Niederschlagsmenge bisher viel zu gering. (dav)

 
 

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