Rückzug von Air Berlin trifft Flughafen Dortmund hart

Gregor Beushausen
Der Rückzug von Air Berlin ist die nächste Hiobsbotschaft für Dortmunds Flughafen.
Der Rückzug von Air Berlin ist die nächste Hiobsbotschaft für Dortmunds Flughafen.
Foto: WAZ FotoPool
Laut Pressesprecherin will sich Air Berlin nahezu komplett vom Dortmunder Flughafen verabschieden. Dem Airport entgehen Einnahmen, die Passagierzahlen werden sinken, zudem bricht die Drehkreuz-Verbindung zur beliebten Ferieninsel Mallorca weg. Das Defizit dürfte weiter steigen.

Dortmund. Insider haben längst damit gerechnet: Die mächtig ins Trudeln geratene Air Berlin zieht sich komplett aus Dortmund zurück und wird ihre „Station“ in Dortmund ab November 2012 schließen. Damit muss der Airport nach dem Streichkonzert von Easyjet und Germanwings 2008 einen weiteren, herben Rückschlag hinnehmen.

Als Grund führt Air Berlin die Luftverkehrssteuer an, die sich negativ auf die Passagierzahlen niederschlage. Tatsächlich steckt Deutschlands zweitgrößte Airline in finanziellen Nöten, die zu einer Verkleinerung der Flotte und zu einem Rückzug von diversen Flughäfen führt. Auch in Dortmund sind ihre Passagierzahlen gesunken und werden sich am Jahresende auf gerade noch knapp 200.000 einpendeln.

Flughafen-Chef Markus Bunk ist naturgemäß wenig amüsiert über die Entwicklung („Das ist bedauerlich.“), hofft aber, Air Berlin werde zumindest im Rahmen des Charter- und Veranstalterverkehrs in den nächsten Jahren in Wickede abheben.

Allzu viel dürfte aber nicht mehr zu erwarten sein. Im Charter- und Veranstalterverkehr werde es „nur noch in Einzelfällen“ zu einem Einsatz von Air Berlin kommen, sagt Pressesprecherin Silke Manitz. „Ansonsten ziehen wir uns aus Dortmund komplett zurück.“

Vieles geht zu Bruch

Damit geht einiges zu Bruch. Nicht allein, dass dem Flughafen Einnahmen entgehen, weil Air Berlin seine über Nacht stationierte Boeing 737/800 ab dem Winterflugplan 2012/2013 abziehen wird. Durch den Rückzug fallen Verbindungen weg: Allein die Ferieninsel Mallorca (die allerdings auch Easyjet, Germanwings und Germania ansteuern) wird von Air Berlin im Sommer täglich und im Winter vier Mal pro Wochen angeflogen. Hinzu kommen Nürnberg (zweimal wöchentlich im Winter) sowie Fuerteventura und Las Palmas.

Besonders ärgerlich: Die Drehkreuz-Verbindung nach Mallorca ist weg. Passagiere, die über Mallorca hinaus fliegen möchten (etwa nach Alicante), müssen künftig nicht nur umsteigen, sondern komplett ein- und auschecken.

Wartungsstation auf der Kippe

Die 43 Beschäftigten von Air Berlin in Dortmund sollen auf andere Standorte verteilt werden. Ob die krisengeschüttelte Airline in Wickede auch ihre Wartungsstation schließt , ließ Sprecherin Manitz am Mittwoch offen. „Dazu laufen noch Gespräche.“

Mit dem Abflug von Air Berlin könnten selbst die eher moderaten Passagierprognosen der Airport-Manager ins Wanken kommen: Bis 2016 solle das Passagieraufkommen von derzeit 1,81 Millionen auf 2,1 Mio. steigen.

Steigendes Defizit oder Auffanglösung?

Nach Ansicht von Grünen-Fraktionschef und Ausbaugegner Mario Krüger werde eher das jährliche Defizit steigen, das schon jetzt rund 20 Millionen Euro betrage. „Das Desaster ist nicht aufzuhalten“, prophezeit Krüger. Nach wie vor bestehe die Gefahr, dass der Flughafen im Rahmen der EU-Prüfung Finanzhilfen in Millionenhöhe zurückzahlen müsse. „Die Rechnung, Verluste durch immer mehr Wachstum auszugleichen, geht nicht auf.“

Um dem entgegenzuwirken, will der Dortmunder Flughafen nach anderen Linien suchen, die die Strecken von Air Berlin übernehmen könnten. Man werde sich nach geeignetem Ersatz umsehen, sagte Flughafen-Geschäftsführer Markus Bunk dem WDR. Schließlich verschwinde ja die Nachfrage nicht einfach, nur weil Air Berlin nicht mehr fliege.