Rückkehr nach 100 Jahren: wieder Forellen in der Emscher

In der Emscher schwimmen wieder Forellen.
In der Emscher schwimmen wieder Forellen.
Foto: Gunnar Jacobs / Emschergenossenschaft
In der Emscher leben wieder Fische: Die Emschergenossenschaft hat Bachforellen in einem Seitenarm entdeckt. Darunter auch trächtige Forellen.

Dortmund. Einst war die "Köttelbecke" Deutschlands schmutzigster Fluss. Heute leben in der Emscher wieder Fische: Die Emschergenossenschaft hat Bachforellen in einem Seitenarm des Flusses entdeckt. Darunter sind auch Jungtiere und trächtige Forellen.

Die Forellen hat die Emschergenossenschaft in einem Seitenarm der früheren Kloake entdeckt. Der Fund spiegele den Erfolg des Emscher-Umbaus und der Renaturierung wider, heißt es in einer Pressemitteilung: Forellen sind nämlich ein Indiz für sauberes Wasser. Die Emscher ist in Dortmund seit Anfang 2010 bis zur Kläranlage Deusen abwasserfrei und weitestgehend renaturiert.

Fundort der Fische bleibt geheim

Experten gehen davon aus, dass Bachforellen über ein Jahrhundert lang aus der Emscher verschwunden waren. Die jetzt gefangenen Forellen entstammen einer sehr kleinen Population, die auf kurzen Gewässerabschnitten eines Nebenlaufsystems der Emscher in Dortmund vorkommt, so die Emschergenossenschaft. Den genauen Fundort teilt sie nicht mit, um die Fische zu schützen.

Bereits 1997 konnte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) dort Bachforellen nachweisen. Damals wurde ihre Herkunft aber noch einer angrenzenden Fischteichanlage zugeordnet. Doch heute besteht die Forellenzucht nicht mehr. Bei einer umfänglichen Kartierung des Fischbestand im Emschersystem tauchten nun erneut Bachforellen auf. Die Obere Fischereibehörde in Arnsberg stellte weitere Nachforschungen an.

Laichreife Forellen und Jungfische

Dabei konnte sie eine laichreife weibliche Bachforelle und einem halbwüchsigen Fisch in der Emscher nachweisen. Außerdem fanden die Wissenschaftler weitere heranwachsende Bachforellen in dem Nebenlauf-System - unter ihnen befand sich auch ein diesjähriger Jungfisch.

Bei der Kartierung des Fischbestands arbeitet die Emschergenossenschaft mit den Fischereibehörden, Fischereiverbänden und Wissenschaftlern zusammen - mit dem Ziel, das Wiederbesiedlungspotenzial zu ermitteln, den Erfolg der bisherigen Umgestaltung zu überprüfen und aus den Untersuchungsergebnissen gegebenenfalls Schutzmaßnahmen abzuleiten.

Kloake des Ruhrgebiets

Die Emscher entspringt in Holzwickede und mündet bei Dinslaken in den Rhein. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in den Fluss immer mehr Abwasser und Grubenwasser aus den Bergwerken eingeleitet. Doch dann kam es wegen des Steinkohleabbaus häufig zu Bergsenkungen, die Kloake des Ruhrgebiets trat über die Ufer und sorgte für stinkende Überschwemmungen.

Daraufhin wurde die Emscher tiefergelegt und befestigt. Im Zuge des Emscher-Umbaus werden unterirdische Kanäle für das Abwasser gelegt - und der Fluss renaturiert. Baubeginn des Abwasserkanals war 2009. Das Projekt kostet rund 4,5 Milliarden Euro udn wird voraussichtlich noch bis 2020 dauern.

Die Emschergenossenschaft wurde 1899 in Bochum als Deutschlands erster Wasserwirtschaftsverband gegründet und hat ihren Sitz seit 1910 in Essen. Ihre Aufgaben sind seitdem unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz.