Reiche sollen in Dortmund mehr für Theaterkarten zahlen - Hoffmann will flexibleres Preissystem

Nadine Albach
Dr. Michael Hoffmann, Vorsitzender der Theater- und Konzertfreunde, fordert eine klare Strategie für das gesamte Theater.  Foto: Knut Vahlensieck
Dr. Michael Hoffmann, Vorsitzender der Theater- und Konzertfreunde, fordert eine klare Strategie für das gesamte Theater. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund. Die Theater- und Konzertfreunde sehen das Theater in Gefahr – und laden Politik und Spartenleiter am 6. Juni, 18 Uhr, zur Diskussion im Opernfoyer. Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden Prof. Michael Hoffmann.

Wo sehen Sie die Hauptprobleme am Theater?

Dr. Michael Hoffmann: Bei den Zuschauerzahlen, vor allem im Musiktheater. Außerdem kämpft das Theater mit Stellen- und Budgetkürzungen, 1 Prozent Einsparungen plus Tarifsteigerungen, die aufgefangen werden müssen. Wir möchten rechtzeitig wach sein, damit es nicht plötzlich heißt: Diese Sparte wird ausgedünnt oder eingespart.

Aber diese Diskussion gab es bisher politisch nicht.

Ruhrgebietsweit werden Theaterzusammenlegungen diskutiert. Und wir haben bei allen Sparten eine katastrophale finanzielle Situation: Das Ballett arbeitet personell an der untersten Grenze des Machbaren. Noch weniger Geld würde die Qualität belasten – und schnell zu der Frage führen, warum man die Sparte noch braucht. Bei 50 Prozent Auslastung im Musiktheater kann man schwer erklären, warum man sich ein Theater für 35 Millionen Euro bei nicht einmal 5 Millionen Einnahmen leistet

Knapp 50 Prozent – das hatte Christine Mielitz zum Schluss an der Oper.

Das spiegelt wider, was wir fordern: Zwar hat jede Sparte hat einen in sich schlüssigen Plan. So einen Plan wünschen wir uns für das gesamte Theater. Wo will das Haus hin? Welche Effizienzpotentiale sind noch nutzbar zu machen?

Sie meinen Stellenabbau?

Nein, es geht darum, das vorhandene Personal effizienter zu nutzen. Der Stellenplan des Theaters ist gewaltig. Zwischen 40 und 45 Prozent der Kosten entfallen auf die nicht künstlerischen Bereiche Verwaltung, Werkstätten und Technik. Das ist sehr viel – andere Theater kommen mit geringeren Beträgen aus. Da könnte noch was zu holen sein. Ein anderer Punkt ist, dass Produktionen nicht realisiert werden, weil zu wenig Künstler dafür da sind. Weitere Einsparungen und Stellenstreichungen treffen insbesondere die Philharmoniker. Sie müssen Oper, Operette und Konzerte spielen. Das ist ein Ziehen und Zerren bei den Diensten für Proben Aufführungen. Hier könnten die Abläufe sicher noch optimiert werden, wie das auch ein Unternehmen tun muss

Wäre der Ablauf nicht Aufgabe von Bettina Pesch, geschäftsführende Direktorin?

In ihrem Bereich: Ja. Aber die klare strategische Ausrichtung eines nach Sparten geführten Theaters ist die Aufgabe des Trägers. Wenn man die Philharmoniker unter den Top 10 in Deutschland sehen will, ist zum Beispiel die Frage, ob es reicht, dass Jac van Steen vertraglich nur etwa die Hälfte des Jahres in Dortmund anwesend sein muss – ich bezweifle, dass das der Qualität gut tut, wenn ihm der dazu erforderliche Unterbau fehlt.

Nimmt die Politik das Theater nicht ernst genug?

Zumindest würde ich mir wünschen, dass Politiker sagen: Jetzt ist es genug – sonst sparen wir uns zu Tode. Unter Christine Mielitz haben wir gute Künstler verloren wegen einigen Hundert Euro mehr Lohn. Wenn beim Ballett weitere Tänzer gespart werden, so kann es keine Produktionen mehr auf hohem Niveau abliefern. Kay Voges’ Schauspieler arbeiten am Existenzminimum, und die Lage beim Kinder- und Jugendtheater ist erbärmlich. Es muss für alle Künstler und Mitarbeiter am Theater eine faire Entlohnung geben. Ebenso sollte man die Preise für die Eintrittskarten überdenken. Es gibt Preismodelle, die finanziell besser gestellten Besuchern höhere Preise abverlangen, ohne andere auszuschließen.

Wäre das nicht der Weg zu einem elitären Theater?

Nein, Dresden zum Beispiel nimmt mehr von Touristen und weniger von denen, die kein Geld haben. Also eine größere Preisdifferenzierung mit sozialer Komponente.

Wie stellen Sie sich das vor?

Die Kartenpreise hier sind für das Klientel, das es anspricht, gering. Man kann das nach dem Flugzeugprinzip organisieren: Wenn First Class und Business-Class teurer verkauft werden, kann der Rest viel günstiger sein – zum Beispiel für Studenten oder Sozialpassinhaber. Auch ein Last-Minute-Ticket wäre denkbar, wenn das Haus nur halbvoll ist. Oder man nimmt bei einem Stargast einen Top-Zuschlag. Man ist hier einfach zu starr. Für all das ist aber entscheidend, das Haus attraktiver zu machen, sich noch mehr um Sponsoring zu bemühen und im Umland stärker für unser Theater zu werben.