Regisseur Adolf Winkelmann ist gegen Werbung oben am U-Turm in Dortmund

Der Dortmunder Filmemacher und Regisseur Adolf Winkelmann ist gegen Werbung auf den LED-Flächen oben am Dortmunder U.
Der Dortmunder Filmemacher und Regisseur Adolf Winkelmann ist gegen Werbung auf den LED-Flächen oben am Dortmunder U.
Foto: Ralf Rottmann
Der U-Turm kostet Dortmund sehr viel Geld. Also könnte man doch zur Refinanzierung oben an der Bilderuhr Werbung auf den LED-Videoflächen abspielen!? Regisseur Adolf Winkelmann ist dagegen und lässt prüfen, wie es um das Urheberrecht für seine Fliegenden Bilder steht.

Dortmund. Tausende von Blicken gehen jeden Morgen in dieselbe Richtung – um zu sehen, welche Bilder heute am U-Turm über der Stadt leuchten. Eine prominente Position, die manchen als ideale Werbefläche zur Kostenreduktion des teuren Prestigeobjekts scheint. Adolf Winkelmann, der kreative Kopf dahinter, lässt allerdings gerade prüfen, wie weit sein Urheberrecht an den „Fliegenden Bildern“ geht.

Urheberrecht

„Wenn mir dieser unsittliche Antrag gemacht würde, würde ich mich mit Händen und Füßen dagegen wehren“ – so kommentiert Adolf Winkelmann die Idee, Werbung unter dem goldenen U leuchten zu lassen. Unter den jetzigen Bedingungen sei aber ohnehin nicht möglich, dass die Stadt die LED’s als Werbeflächen nutzt – und so will es Winkelmann auch für die Zukunft haben. Für ihn ist die Bilderuhr ein Gesamtkunstwerk, das sowohl aus den von ihm geschaffenen Filmen besteht, als auch überhaupt aus der Idee, in den Dachfenstern bewegte Bilder zu zeigen. „Ich habe da kein Kino geschaffen, sondern eine Lichtplastik.“ Bei Nam June Paiks Fernseher-Skulpturen käme auch niemand auf die Idee, einfach Werbung darauf zu zeigen.

Bisher vertraglich geregelt sei, dass die Stadt seine Film zwölf Jahre lang zeigen darf. Winkelmann hat nun eine juristische Prüfung der gesamten Urheberrechtsfrage in Auftrag gegeben – mit dem Pro-blem, dass es etwas Vergleichbares noch nie gab. Diese Prüfung geschehe „weitgehend einvernehmlich“ mit der Stadt. Jenseits der Werbefrage geht es Winkelmann auch darum, dass in Dortmund zunehmend findige Grafikbüros die Dachkrone des U-Turms mit ihren eigenen Bildern füllen. „Mein Bestreben ist kein rigides Copyright, Aber wenn man sich vorstellt, dass da plötzlich Porno-Bilder oder eindeutige Werbebotschaften mit verbunden werden, wird das Problem klar.“

Finanzen

Das Einzigartige an den Fliegenden Bildern ist für Winkelmann, „dass sich der Turm einmischen kann.“ Aber die Bilder müssten redaktionell betreut werden. Jede Woche erstellt er mit seinen Mitarbeitern einen Plan, was gezeigt wird – und kann auch auf Aktuelles wie die BVB-Meisterschaft reagieren. 80 verschiedene Programme gebe es, das reiche noch für ein bis zwei Jahre, ohne dass es langweilig würde. Für Winkelmann aber ist es unerlässlich, neue Filme zu schaffen. Mit seinen Studierenden und Kreativen von der Rheinischen Straße mache er jetzt „völlig kostenfrei Bilder für die Stadt“. „Für Technik und Wartung gibt es Geld, aber für die Kreativität nicht. Das ist doch etwas nicht in Ordnung!“ Ein Problem, das auch in der aktuellen Aufstellung der Betriebskosten nicht berücksichtigt werde.

Winkelmann brennt für den U-Turm. Er will die Möglichkeiten der Fliegenden Bilder mit seinen Studierenden der FH austesten und kämpft deshalb weiter für das Institut für Bewegtbildmedien. Obwohl Winkelmann bereits 65 Jahre alt ist, hat er seinen Lehrauftrag um drei Jahre verlängern lassen. Fest stünde: Geld für den Institutsbetrieb gebe es weder von Stadt noch Land – bleibt nur ein privater Geldgeber. Kulturdezernent Jörg Stüdemann hatte bei der Sondersitzung des Kulturausschusses erklärt, dass das Land aber den Ausbau der Etage finanziere und er mit der Fertigstellung 2012 rechne.

Institut

Winkelmann war schon ein Mal in der Wertung für die Leitung des U’s und sagte damals wegen zu viel Bürokratie und zu wenig Befugnissen ab. Diese Einstellung hat er bis heute nicht aufgegeben. „Ich liebäugele nicht mit der Leitung des U’s. Das wäre nur ein Titel, der nichts wert ist“, so der Regisseur, der die schlechte Kommunikation und die Alleingänge im Turm kritisiert. „Bei den Nutzern hat man den Eindruck, dass sie sich schon fragen, warum sie die anderen überhaupt ertragen müssen.“

 
 

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