Rechtsextremisten nicht links liegen lassen

Demonstrations-Verbote, Gerichtsprozesse, lästige Polizisten und ziviler Protest: Auch anderthalb Jahre nach dem Verbot des Nationalen Widerstands Dortmund (NWDO) hält der Widerstand gegen eine geschwächte Neonazi-Szene an. Bremsen will die Stadt Dortmund die Rechtsextremisten weiter. Verstärkt in Schulen.

Dortmund.. Über "UnRECHTSbewusstsein" informierten sich 160 Teilnehmer einer Fachtagung im Rathaus. Die Lehrer, Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter hörten Vorträge über die verfassungsfeindliche Neonazi-Szene in Dortmund und über Diskriminierung im Alltag. Das war das Spezialgebiet der Professorin Dr. Beate Küpper vonder Fachhochschule Niederrhein.
Fundiert und freundlich konfrontierte die Wissenschaftlerin die Rathaus-Gäste mit Umfrageergebnissen aus der Universität Bielefeld: Studierende der Erziehungswissenschaften sollten zwei gleich gut ausgebildeten Grundschulmädchen eine weiterführende Schule empfehlen. Die Mehrheit der Befragten schlug einen Wechsel aufs Gymnasium vor. Aber nur dem Mädchen mit dem deutschen Vornamen.

Die Menschen pflegen ihre Vorurteile

Ein peinlicher Fehltritt? Mitnichten. Gesellschaften aller Länder pflegen seit Jahrhunderten ihre Vorurteile, um soziale Hierarchien aufzubauen oder zu optimieren und um sich in der Rangordnung über "die anderen" zu stellen. Übertragen auf Dortmund wären das die Rumänen, die Bulgaren, die Marokkaner und andere Nationalitäten, die auch in den Medien und von manch einem Politiker als "Sozialtouristen" oder Kriminelle abgestempelt werden.

Rassismus ist kein Jugendphänomen

Vorurteile und Rassismus seien keine Jugendphänomene, berichtete die Professorin - sie würden sie vor allem im höheren Alter verfestigen. Die Fremdenfeindlchkeit in Deutschland stellte Dr. Beate Küpper als Form eines Eisbergs dar: Fühl- und sichtbar seien die Rechtsextremisten und "Hass-Kriminellen" an der Spitze des Eisberg. Unter der Oberfläche liegen Rechtspopulisten und Medien und noch tiefer die breite Schicht der Bevölkerung.

In der Mitte der Gesellschaft

Dass Rassismus keine Randerscheinung, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft zu finden ist, konnte zuletzt 2013 die Friedrich-Ebert-Stiftung mit einer Studie belegen. An dieser Stelle setzt die Fachtagung mit dem "UnRECHTSbewusstsein"-Thema an: Schulen sollen Rechtsextremismus erkennen und dagegen vorgehen können, zumal Neonazis dort um Nachwuchs werben - und Schulen sollen auch dem Rassismus im Alltag begegnen.

Nazis nicht tief verwurzelt

Das Bielefelder Beispiel mit den unterschiedlich bewerteten Grundschul-Mädchen sollte die Teilnehmer wach rütteln: Grenzen wirklich nur die Neonazis aus? Prof. Dr. Beate Küpper erkennt in Dortmund die Chance, dass die Partei "Die Rechte", die aus dem 2012 verbotenen Nationalen Widerstand Dortmund (NWDO) hervor gegangen ist, den Einzug in der Rat der Stadt bei den Kommunalwahlen im Mai 2014 verpasst, weil sie nicht tief genug in der Dortmunder Wählerschaft verwurzelt ist.

Eine Daueraufgabe

Doch der Einsatz gegen die Diskriminierung im Alltag gehe über den Kommunalwahl-Termin hinaus. Beate Küpper: "Das ist eine Daueraufgabe." Was auch Hartmut Anders-Hoepgen von der Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie so sieht: Der Einsatz gegen die Nazis in der Stadt dürfe nicht nachlassen. Auch dann nicht, wenn die Szene durch Verbote und Druck durch die Polizei bereits geschwächt sei.

Geld für Demokratie-Arbeit

Zeit für intensive Projektarbeit in Schulen ist knapp - fehlt auch das Geld? Die Koordinierungsstelle im Rathaus will Schulen und andere Jugendinititaiven fachlich und finanziell unterstützen. Dafür stehen in Dortmund rund 200 000 Euro bereit. Der Betrag ist jüngst verdoppelt worden. Kontakt für Schulen zur Koordinierungsstelle: Tel. 0231 50 2 61 56.

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