Rechte melden Hooligan-Demo im Namen von BVB-Fanbetreuer an

Stefan Reinke
Fans von Borussia Dortmund zeigen ihre Solidarität mit Opfern rechter Gewalt.
Fans von Borussia Dortmund zeigen ihre Solidarität mit Opfern rechter Gewalt.
Foto: WNM
Offenbar haben sich Neonazis einen üblen Scherz mit BVB-Fanbetreuer Jens Volke erlaubt. Auf den Namen des in der Arbeit gegen Rechts engagierten Volke wurde eine Demonstration des Hooligan-Netzwerks "HoGeSa" angemeldet. Eine gefälschte Mail-Adresse weist in Richtung der Dortmunder Nazi-Szene.

Dortmund. Ein Fanbeauftragter des Bundesligisten Borussia Dortmund soll eine Demonstration des Hooligan-Netzwerks "HoGeSa" (Hooligans gegen Salafisten) angemeldet haben. Eben jener Hooligan-Gruppierung, deren bislang letzte Demo in Köln in Randale ausartete und die Verbindung von Rechtsradikalen und Hooligans offenbarte. In Köln marschierten und randalierten Rechtsradikale - laut Augenzeugen auch aus Dortmund - Seite an Seite mit Hooligans aus ganz Deutschland.

Und für dieses gefährliche Netzwerk sollte ausgerechnet der BVB-Fanbeauftragte Jens Volke eine Demo angemeldet haben. Da wurde auch die Polizei stutzig, erklärt Polizeisprecher Oliver Peiler. Die Anmeldung für die Demo am 9. November - dem Jahrestag der Reichsprogromnacht - habe die Polizei per E-Mail erreicht. "In der Mail wurden mehrere Namen genannt, die man nicht mit HoGeSa in Verbindung bringt", so Peiler. Daher habe sich die Sache relativ schnell als Fake entpuppt.

Hinweise auf Urheber aus der rechten Szene

Die Mailadresse, von der die falsche Anmeldung verschickt wurde, lautet auf jjvolke — ein Indiz für die rechtsradikale Urheberschaft der Mail. Denn von Neonazis wird Volke schon seit ungefähr zehn Jahren auf Grund seines Engagements gegen Rechtsradikale in der Fanszene Volke gerne "Juden-Jens" oder schlicht "JJ" gerufen.

Volke erfuhr am Dienstagmorgen von der gefälschten Demo-Anmeldung. Die Polizei rief an und fragte: "Ich gehe recht in der Annahme, dass Sie nicht der Anmelder sind?". Entsprechend schnell war die Sache ausgeräumt. Volke erstattete Anzeige.

"Lasse mich nicht einschüchtern"

Es ist nicht der erste Versuch von Rechten, Volke einzuschüchtern. Beim Auswärtsspiel des BVB in Donezk wurde Volke im Februar 2013 von Neonazis sogar tätlich angegriffen. Damals antwortete die Fanszene mit zahlreichen Solidaritätsbekundungen. Der Fanbeauftragte reagiert auf die neuerliche Provokation trotzig: "Ich lasse mich nicht einschüchtern — im Gegenteil. Das hat mich nur noch mehr angespornt", so Volke, der hofft, dass auch diese Aktion eine entsprechende und vor allem dauerhafte Reaktion der BVB-Fans auslösen wird: "Es müssen sich mehr Leute engagieren, dann macht man es den Rechten schwerer, einzelne rauszupicken."