Raubmord an Weihnachten - Angeklagter schweigsam vor Gericht

Der Angeklagte soll einen 43-Jährigen in seiner Wohnung in Dortmund-Hörde getötet haben.
Der Angeklagte soll einen 43-Jährigen in seiner Wohnung in Dortmund-Hörde getötet haben.
Foto: Stefan Wette
Ein junger Mann soll Dirk W. an Weihnachten in seiner Dortmunder Wohnung getötet haben. Vor Gericht gab sich der Angeklagte am Dienstag schweigsam.

Dortmund.. Klar ist, dass Dirk W. tot ist. Angehörige fanden den 43-Jährigen am ersten Weihnachtstag erwürgt in seiner Wohnung in Dortmund-Hörde. Aber ob der wegen Raubmordes angeklagte Zakzok B. wirklich der Täter ist, ob er algerischer oder marokkanischer Staatsbürger ist, all das ist unklar. Exakt weiß die Dortmunder Justiz nicht einmal, wie alt der Asylbewerber aus Höxter ist.

Seit fast sechs Monaten sitzt Zakzok B. in der Untersuchungshaft. Im Gerichtssaal hält er sich einen Karton vors Gesicht. Eigentlich unnötig, weil die Polizei nach der Festnahme mit seinem Foto nach Zeugen suchte, die ihn und den Getöteten in der Weihnachtsnacht gesehen hatten.

Nach Feier in “Antons Bierkönig” nahm er den Angeklagten mit nach Hause

Dirk W., das Opfer, hatte den Heiligabend 2014 mit Freunden in “Antons Bierkönig” verbracht. Laut Anklage ist er mit Zakzok B., den er später getroffen hatte, gegen zwei Uhr nachts in seiner Wohnung in Hörde aufgetaucht. Sex hätten sie haben wollen, liest Staatsanwältin Sandra Lücke vor. Doch bevor es dazu gekommen sei, soll der junge Angeklagte den 43-jährigen Dirk W. heftig gewürgt oder gedrosselt haben. Nachdem das Opfer erstickt war, soll der Täter Bargeld, Halskette und zwei Jacken geraubt haben.

Spuren am Tatort führten die Polizei nach Höxter, wo Zakzok B. in einem Asylbewerberheim gemeldet war. Die Beamten nahmen ihn fest, als er gerade eine Behörde aufsuchte. Seitdem schweigt er wohl. Dabei will er auch im Prozess bleiben. Angeklagt hat die Staatsanwalt ihn auch wegen Trickdiebstählen, einer Körperverletzung und eines räuberischen Diebstahls.

Angeklagter schweigsam vor Gericht

Auskunft gibt der sonst schweigsame Mann zu seiner Person. “Geboren in Algerien?”, fragt Ulf Pennich, Vorsitzender der Dortmunder Jugendstrafkammer. “Nein”, antwortet der Angeklagte und nennt einen Ort in Marokko als Geburtsort. Er habe zeitweise in Algerien gelebt, erklärt er, sei aber marokkanischer Staatsbürger.

Die Polizei hatte ihn nach der Festnahme als 18 Jahre alten Algerier bezeichnet. Angaben, die offenbar aus seinem Asylantrag stammen. Aber nicht nur die Staatsangehörigkeit ist unklar, auch das Alter gibt den Behörden Anlass zu Zweifeln. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, um das genaue Alter zu bestimmen. Das vorläufige Ergebnis fiel für Zakzok B. negativ aus. Denn danach soll er zur Tatzeit 21 Jahre und sechs Monate alt gewesen sein. Konsequenz: Als Erwachsener hätte er vors Schwurgericht gemusst, eine lebenslange Haftstrafe droht. Als Heranwachsender hätte er dagegen gute Chancen, nach dem Jugendstrafrecht verurteilt zu werden. Da gibt es auch für einen Mord nicht mehr als zehn Jahre im Gefängnis.

Das Schwurgericht, bei dem die Staatsanwaltschaft schließlich Anklage erhob, setzte sich über den Wunsch der Ankläger hinweg. Die Kammer reichte den Fall ans Jugendgericht weiter. Falls Zakzok B. tatsächlich der Mörder ist, wäre das drohende Strafmaß damit immer noch offen. Denn nachdem die Jugendkammer die Gutachterin gehört haben wird, ist das Gericht frei, ihn auch nach Erwachsenenstrafrecht zu einer lebenslangen Haft zu verurteilen.

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