Rätselraten um die frühere "HSP-Fläche" geht weiter

Das Rätselraten um die frühere "HSP-Fläche" im Unionviertel hält an. Seit Mai hat das vormals von Hoesch Spundwand und Profil (HSP) belegte Industrieareal einen neuen Eigentümer, die Thelen-Gruppe aus Essen. Doch die schweigt erst einmal. Wir erklären die Hintergründe.

Dortmund. Warum hat die Thelen-Gruppe die Fläche von Thyssen-Krupp überhaupt gekauft?

Das 63 Fußballfelder (45 Hektar) große "HSP-Fläche" an der alten Radstraße ist nicht einzige. In Dortmund hat die mittelständische Thelen-Gruppe nördlich der Actien-Brauerei ein weiteres, deutlich kleineres Grundstück von Thyssen-Krupp übernommen, auf dem im Prinzip Gewerbe angesiedelt werden könnte.

Aber selbst diese beiden Grundstücke sind nur kleine Teile eines ganzen Flächenteppichs, den Thelen quer durchs Ruhrgebiet gekauft hat. Thyssen-Krupp hat alle "nicht notwendigen Betriebsteile und Liegenschaften" in einem riesigen Gesamtpaket verkauft: insgesamt 1046 Hektar, darunter ein großes Waldgebiet in Essen.

Was macht ein Flächenentwickler wie Thelen mit Wald?

Das fragen sich viele - und vermutlich fragt sich das Thelen selber. Nicht umsonst wird in Essen betont, dass Thyssen-Krupp sein Paket nur im Ganzen habe verkaufen wollen. Sowohl mit Filetstücken als auch mit Knochen, wie ein Thelen-Sprecher es gern bildlich ausdrückt. Das lässt - in aller Vorsicht - darauf schließen, dass Thelen nur im Ungefähren wusste, welche Flächen sich im Einzelnen in dem Paket verstecken.

So ist zu erklären, dass Thelen auch keine fertigen Konzepte in der Schublade hat. Auch nicht für das so genannte HSP-Gelände, auf dem bis Ende vergangenen Jahres die Salzgitter-Tochter HSP Spundwände produzierte. Thelen selber sagt dazu, man befinde sich in einem "Ideenprozess". Möglicherweise könne man Ende September mehr sagen.

Und nun?

Zunächst einmal müsste die Produktionsanlagen abgebaut werden. Sie gehören der Salzgitter AG, die Verkaufsgespräche mit mehreren Interessenten führt. Der Pachtvertrag für die Anlagen läuft zum Jahresende aus. Allen hartnäckigen Gerüchten zum Trotz gibt Salzgitter an, dass man keine Verhandlungen über eine Wiederaufnahme der Produktion führe.

Was will die Stadt?

Das "HSP-Grundstück" ist eigentlich nicht das, was Entwickler gemeinhin als "Filetgrundstück" bezeichnen. Es ist eine vermutlich stark belastete Industriefläche. Für die weitere Stadtentwicklung aber, und vor allem für die Entwicklung der westlichen Innenstadt mit der Rheinischen Straße, bekommt sie eine hohe Bedeutung.

Daher möchte die Stadt auch gern wissen, welche Zukunft für die Fläche Thelen vorschwebt. Die Verwaltung selber hatte bislang ein grobes Szenario für Wohnen, Gewerbe und Grüngebiete angedacht.

Gab es inzwischen Gespräche zwischen Thelen und der Stadt?

Bei einem ersten Treffen in Essen haben Wirtschaftsförderer Thomas Westphal und Planungsdezernent Ludger Wilde zumindest deutlich gemacht, dass jede Nutzung die Rheinische Straße stärken müsse. Möglicherweise kämen auch Projekte aus dem Nordwärts-Programm für die "HSP-Fläche" infrage.

Ansonsten, so Wilde, "stehen wir ganz am Anfang." Den Eindruck, dass Thelen seine Flächen tatsächlich in Angriff nehmen will, hat Stadtplaner Wilde schon. Thelen, rund 60 Mitarbeiter stark, sei im Begriff, seine Mannschaft um externe Projektentwickler zu verstärken. "Er baut Projektstrukturen auf", sagt Wilde. Natürlich werde es weitere Gespräche geben. Angedacht sei auch eine gemeinsame Begehung des Geländes.

Gregor Beushausen