Rätselhafte Kostenexplosion im Jugendamt

Das Jugendamt steht einmal mehr im Kreuzfeuer der Kritik. Die dort in den vergangenen vier Jahren explodierten Kosten können sich die städtischen Rechnungsprüfer bislang nicht erklären.

Dortmund. Die zuständige Dezernentin Waltraud Bonekamp hatte den finanziellen Nachschlag von insgesamt 39 Millionen Euro zwischen 2008 und 2012 auch mit steigenden Fallzahlen bei der wirtschaftlichen Jugendhilfe begründet. Doch die gibt es so nicht, haben die Rechnungsprüfer jetzt festgestellt.

Keine Hinweise auf Veruntreuung
"Die Steigerungen bei den Aufwendungen für wirtschaftliche Jugendhilfe lassen sich anhand der Entwicklung der Fallzahlen nicht erklären", schreiben die Revisoren in ihrem Bericht für den Rechnungsprüfungsausschuss.
Bei ihrer Untersuchung stießen sie auch auf unterschiedliche Zahlen im Geschäftsbericht des Jugendamtes und den Berichten für den Fachausschuss und die Bezirksregierung. Hinweise auf Veruntreuung oder Bilanz-Manipulation haben die Revisoren bislang aber keine gefunden.
139 Prozent Steigerung
Während die Fallzahlen allgemein zwischen 2008 und 2011 um 2,9 Prozent gestiegen sind, haben sich die Kosten im selben Zeitraum um 60,9 Prozent erhöht. Bei der Gewährung von Sozialhilfe als Teil der Jugendhilfe sind die Fallzahlen um 60 Prozent gesunken, die Kosten aber um 139 Prozent gestiegen.
Noch drastischer sieht das Bild bei den Aufwendungen für die ambulante Eingliederungshilfe aus. Während die Fallzahlen nahezu gleich geblieben sind ( plus 2 Prozent), haben sich die Kosten mehr als verdreifacht (plus 234 Prozent). Auch bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen sind die Fälle zwischen den Jahren 2010 auf 2011 um 20 Prozent gesunken, die Kosten aber um 95 Prozent gestiegen.
Teure Hilfen
Das Jugendamt argumentiert, das Datenmaterial lasse eine Betrachtung der Fälle nach Dauer, Intensität der Hilfe und Anzahl parallel laufender Hilfen nicht zu. Vor allem die Fälle mit kostenintensiven Hilfen seien mehr geworden.

Zum Beispiel bei der ambulanten Eingliederungshilfe gebe es mehr Fälle, bei denen während des Inklusionsprozesses dem behinderten Kind eine Schulbegleitung zur Verfügung gestellt werde. Seit November 2012 versucht das Jugendamt, die Daten aussagekräftiger zu gestalten.

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