Rätselhafte Aufnahme beim Hammermord-Prozess in Dortmund

Martin von Braunschweig
Zbigniew W. beim Prozess-Auftakt vor dem Schwurgericht. Nun wurde eine rätselhafte Tonband-Aufnahme von ihm abgespielt.
Zbigniew W. beim Prozess-Auftakt vor dem Schwurgericht. Nun wurde eine rätselhafte Tonband-Aufnahme von ihm abgespielt.
Foto: Archivfoto: Dieter Menne
Beim Prozess gegen den mutmaßlichen Hammermörder Zbigniew W. ist eine rätselhafte Tonbandaufnahme aufgetaucht. Darauf spricht der Angeklagte nicht nur seine Gefühle gegenüber seiner Ex-Freundin aus, sondern erwähnt auch einen weiteren Mann. Stand dieser vielleicht auch auf einer Art Todesliste?

Dortmund. "Ich werde andere Dinge tun müssen. Dinge, die ich nicht tun will" - im Prozess gegen den mutmaßlichen Hammermörder Zbigniew W. ist am Mittwoch eine Kassette abgespielt worden, auf der W. möglicherweise die Suche nach seiner Ex-Freundin dokumentiert hat. Es ist eine Aufnahme voller Rätsel.

Die Passage, um die es den Richtern des Schwurgerichts besonders geht, beginnt geheimnisvoll: "Dienstag, 9. April. Ich bin in Brackel", beginnt Zbigniew W. (53) die Aufnahme. Dann berichtet er, dass er sich vorgenommen habe, eine bestimmte Person zu suchen. Er habe zwei Schlesier getroffen, die den Mann kennen wollen. Der 53-Jährige schließt mit dem Satz: "Im Moment warte ich."

Tatsache ist: Der 9. April fiel in diesem Jahr auf einen Dienstag. Frühere Behauptungen von Zbigniew W., die Aufnahme sei schon mehrere Jahre alt, könnten damit widerlegt sein. Fakt ist auch: Der 9. April fällt genau in die Zeit der angeklagten Taten. Am 12. April soll W. mit einem Hammer auf seine Ex-Freundin eingeschlagen haben. Schon zuvor hatte er laut Anklage drei Bekannte der Frau getötet.

Gab es eine Todesliste?

Die Richter fragen sich jetzt: Warum suchte der 53-Jährige in dieser Zeit noch einen anderen Mann? Stand dieser etwa auch auf einer Art Todesliste? Antworten kann nur der Gesuchte selbst liefern. Er soll jetzt als Zeuge geladen werden.

Auch die weiteren Sequenzen auf der Kassette sind nicht uninteressant. In einem langen Monolog wendet sich W. an seine Ex-Freundin und macht ihr Vorhaltungen. "Ich habe das nicht verdient, was Du mit mir machst", sagt er. Und: "Ich werde andere Dinge tun müssen. Dinge, die ich nicht tun will." Außerdem fällt folgender Satz: "Wenn ich Dich wirklich finden wollte, hätte ich Dich schon früher gefunden."

Bislang behauptet der Angeklagte weiter, dass diese Aufnahme mindestens vier Jahre alt ist. Das soll nun von Spezialisten beim Landeskriminalamt überprüft werden.