Radio Emil sendet aus Dortmund in die Welt

Hansgeorg Schmidt von Radio Emil. Von seiner Wohnung sendet der Dortmunder Moderator verschiedene Musiksendungen. Foto: Rottmann
Hansgeorg Schmidt von Radio Emil. Von seiner Wohnung sendet der Dortmunder Moderator verschiedene Musiksendungen. Foto: Rottmann
Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.. Chaos, Engagement und eine große Portion Dortmund – Hansgeorg Schmidt ist der heimliche Late-Night-Star der Internetradios. In seiner Wohnung moderiert der Hobby-DJ nur mit Computer und Headset für Radio Emil.

Hansgeorg Schmidt hat eine richtige Märchenerzählerstimme. Oder Radiostimme, wenn man so will. Ruhig und dunkel, leicht verraucht, aber nicht kratzig erzählt er von seinem liebsten Hobby: dem Radio. Der Dortmunder arbeitet in seiner Freizeit bei Radio Emil, einem kleinen Internetsender – offen für alle, ohne Werbung und streng demokratisch.

Radio Emil ist 2003 im Rahmen einer Online-Community entstanden. „Das war am Anfang äußerst holprig, aber auch sehr spaßig. Mittlerweile klingt es wie ein richtiges Radio“, sagt Hansgeorg – „Hage“ – Schmidt stolz. 14 Moderatoren aus ganz Deutschland nutzen den Sender als Plattform. Schmidt ist seit 2007 dabei. Der 52-Jährige ist einer von zwei Moderatoren in Dortmund. Dabei ist Radio Emil offen für alle: Mitmachen kann jeder, der sich per E-Mail oder über das Formular auf der Internetseite des Senders bewirbt. Einzige Hürde ist die offizielle Probesendung, nach der die Hörer entscheiden, ob ein Moderator bleiben darf. „Wir wollen ja nicht nur Musik runterdudeln, sondern die Leute auch unterhalten“, sagt Schmidt, der – mit Pferdeschwanz und ganz in schwarz – selbst mehr mit einem Altrocker gemein hat als mit einem Entertainer.

„Die chaotischen Sendungen sind meist die besten.“

Der Sender schickt Klassik, Soul, Oldies, Chill- und Club-Musik über das Internet in die weite Welt. „Es bleibt jedem selbst überlassen, was er spielen will“, so das Credo. Auch die durchschnittlich 50 Hörer dürfen sich über einen Internet-Chat in die Sendungen einbringen und Musikwünsche äußern. „Manchmal ist es völlig chaotisch, aber genau das macht es aus. Die chaotischen Sendungen sind meist die besten“, findet Schmidt.

Seine persönliche Spezialität ist die Late-Night-Show, für die der Mediendesigner in mühsamer Kleinarbeit redaktionelle Beiträge zusammenstellt: ein Mix aus alternativem Nachrichtenrückblick, Comedy, Kultur und Telefoninterviews via Skype. Natürlich steckt in der Sendung auch eine große Portion Dortmund: Mit Geschichten aus den Biergärten im Kreuzviertel und Fußball-Lokalpatriotismus unterhält Schmidt seine Hörer. Mit einem kleinen Diktiergerät ist er sogar manchmal als rasender Reporter in seiner Heimatstadt unterwegs.

„Radio ist wie eine Droge.“

Schmidt schöpft dabei aus einem fundierten Erfahrungsschatz. Nach seiner Ausbildung zum Rundfunkjournalisten hat der 52-Jährige eine Weile beim WDR und bei Antenne Unna gearbeitet. „Als ich schon längst ins Mediendesign gewechselt hatte, habe ich mal bei Radio Emil reingehört und gedacht: Ach Gott, das kannst du auch. Dann bin ich hängengeblieben“, gesteht der Hobby-DJ. „Das ist wie eine Droge: Es macht wirklich Spaß und man kommt einfach nicht davon weg.“

Server, Software und Musik finanzieren die Radio-DJs selbst, denn der Sender ist völlig werbefrei. Im Monat belaufen sich die Kosten auf rund 80 Euro. Auf teure Studios verzichten die Macher. Schmidt sitzt in seinem Schlafzimmer an einem schlichten Holzschreibtisch, regelt Musik und Beiträge nur auf dem kleinen Flachbildschirm seines Computers. Manchmal benutzt er ein Headset oder testet den Einsatz einer Webcam. So ganz allein, ohne großes Team und Sendestudio, könne man die richtige Atmosphäre erzeugen – eine „intime Geschichte“, sagt Schmidt.

 
 

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