Quietschbunt gegen die Intoleranz

Vor der Reinoldikirche feierten Schwule, Lesben und Transsexuelle den 14. Dortmunder Christopher Street Day. Foto: Knut Vahlensieck
Vor der Reinoldikirche feierten Schwule, Lesben und Transsexuelle den 14. Dortmunder Christopher Street Day. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.. Sehr entspannt und gut besucht ist es, dieses Straßenfest. Erst auf den zweiten Blick sieht man sie: Schwule, Lesben und Transsexuelle, die beim 14. Dortmunder Christopher Street Day (CSD) am Samstag ihre Sexualität freizügig und offen zur Schau stellten. Frei nach dem Motto des Schwul-lesbischen Arbeitskreises Dortmund „Queer im Revier“.

„Als ein Bestandteil des Strukturwandels hat sich auch die Schwulen- und Lesbenszene in Dortmund stetig weiterentwickelt und bildet einen neuen Anziehungspunkt unserer Stadt“, sagte Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Als einen Schritt zu mehr Akzeptanz für die schätzungsweise 50 000 Homosexuellen in Dortmund plane die Verwaltung in absehbarer Zeit eine Koordinierungsstelle für Homo- und Transsexuelle.

Und dieser Schritt ist längst überfällig. „Toleranz oder gar Interesse gegenüber Homosexuellen und Transidenten ist aber noch immer nicht selbstverständlich, viele führen ein zermürbendes Doppelleben“, erklärte Rocky Bogdanski vom Jugendtreff Sunrise. Vor allem für Jugendliche im Prozess des „Coming Out“, dem Bekennen zur „etwas anderen“ sexuellen Neigung, sei das ein großes Problem. „In der Regel braucht ein junger Mensch vom ersten Gedanken bis zum erfolgreichen „Coming Out“ drei bis sieben Jahre. Bei jeder neuen Bekanntschaft beginnt der Prozess von Neuem.“ Mit Beratungstreffs und Aktionen wie Kissflashmobs (am Donnerstag, 9. September, findet einer für Lesben auf dem Reinoldikirchplatz statt) hilft Sunrise Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren durch diese schwierige Phase.

Zwischen den zehn Bühnennummern steht die transidente Moderatorin „China Doll“ mit ihren üppigen „Kurven“ auf der Bühne, auch Passanten bleiben interessiert stehen. Während dort politische Fragen geklärt werden wie: „Was ist Transidentität und welches Problem macht die Gesellschaft daraus?“, leisten die Kölner „Mutter Agnetha“ und „Schwester Sine“ anonyme Frontarbeit. Sie sind zwei der auffällig Kostümierten dieses CSD.

Unwissen in
Sachen Aids/HIV

Dieses Auffallen hat ein Konzept: Ihr Präventionsverein „Orden der perpetuellen Indulgenz“ (zu deutsch: ewig Sühne der Schuld) kämpft mit bundesweit sechs Häusern gegen Unwissen in Sachen Aids/HIV. Weiß geschminkte Gesichter und auffällige Trachten gehören dabei genauso zur Ausstattung wie Kondome in der Jackentasche. „Heteros wie Homos sind oft viel zu unbesorgt, was HIV und Aids angeht“, sagt Mutter Agnetha. „Wenn sie uns wegen des komischen Aufzugs anlabern, halten wir ihnen ein Kondom unter die Nase und fragen direkt: Und wie vernünftig bist du? Wir regen die Leute zum Nachdenken an.“

Nicole Ritter ist erst seit sechs Wochen in der homosexuellen Szene unterwegs. Doch die unaufgeregte Ausgelassenheit, mit der dieser CSD immer wieder Neugierige anlockt, hat Ritter schon voll erfasst: „Alle sind so offen, hier ist man einfach nur Mensch.“

 
 

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