Quartiersmanagement Nordstadt will Akzente setzen

Christina Römer
Quartiersmanagement in der Dortmunder Nordstadt will seine Marken schärfen und Akzente setzen.
Quartiersmanagement in der Dortmunder Nordstadt will seine Marken schärfen und Akzente setzen.
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. „Es ist unser Job, zu wissen, wo sich Probleme entwickeln“, so fasst es David Grade zusammen. Er ist neu im Team der Quartiersmanager. Alle anderen haben schon in dem Projekt gearbeitet. Doch mit dem Neustart im Frühjahr hat sich trotzdem einiges geändert.

Träger ist nun Steno, ein Zusammenschluss aus der Stadtteil-Schule und dem Sozialen Zentrum. Und für jedes der drei Quartiere – Hafen, Nordmarkt, Borsigplatz – ist nur noch ein Manager zuständig. „Aber wir verstehen uns als Team und werden bestimmte Probleme auch weiterhin zusammen angehen“, versichert Martin Gansau, der das Projekt leitet.

Nachdem die EU-Förderung ausgelaufen war, hatte die Stadt die Finanzierung übernommen. Und da diese sparen sein muss, verändert sich auch die Arbeit des Projektes. „Wir müssen für alle Feste und Veranstaltungen zusätzliche Mittel akquirieren“, erklärt Gansau. „Wünschenswert wäre es, Partner zu finden, die sich zu einer Veranstaltergemeinschaft entwickeln“, hofft der Diplom Pädagoge, der schon beim Start des Projektes vor rund acht Jahren dabei war. Sein Ziel ist es, Projekte anzustoßen und sie dann in andere Hände zu geben. „Wir wollen viele Elemente weiterführen aber auch neue Akzente setzen“, erklärt Gansau. Altbekanntes wie die Nachbarschaftsforen in allen Quartieren zum Beispiel.

Das Quartiersmanagement versteht sich auch weiterhin als zentrale Anlaufstelle. „Unsere Rolle ist es zu moderieren“, erklärt Gansau. Und zu vermitteln. „Es gibt immer viele Gerüchte im Stadtteil, wir müssen gucken, was stimmt und was nicht“, meint David Grade.

Martin Gansau hat viele Ideen für die Nordstadt. Zum Beispiel: Marken für Wohnquartiere zu entwickeln, „wie das Rosenquartier für Gewerbetreibende“, überlegt er.

Intensivieren möchte Gansau die Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen und mit Jugendzentren. Je enger alle Akteure vernetzt sind, desto besser können Projekte entwickelt werden. „Die Menschen, die aktiv sein wollen, die müssen wir unterstützen und stärken“, meint Gansau.

Quartier Hafen: Junge, lebendige Szene im Hafen

„Viel Potenzial“ erkennt Quartiersmanagerin Heike Schulz in ihrem neuen Bereich, dem Hafen. „Da gibt es eine lebendige junge Szene und auch im Bereich der Gastronomie tut sich etwas“, meint Schulz. Ein Hafenfest, eventuell im September, soll diese Stimmung wiedergeben und „die kulturelle Vielfalt des Stadtteils widerspiegeln“, so Schulz. Das heißt: Es gibt internationale Musik und internationale Küche.

Heike Schulz hat in den vergangenen fünf Jahren als Quartiersmanagerin für den Bereich Nordmarkt gearbeitet. Jetzt gilt es für die Raumplanerin den Hafen zu erschließen. In diesem Quartier macht’s die Mischung. „Ein enges Nebeneinander von Großindustrie und Wohnbebauung, von studentischer und migrantischer Kultur, Künstlern und Schrebergärtnern“, beschreibt Heike Schulz.

Die Menschen treffen sich auf dem Grünstreifen, der sich von der Treibstraße bis zum Fredenbaumpark zieht. „Dort gibt es Konflikte wie überall, und wir müssen Wege finden, wie eine gemeinsame Nutzung gut gelingen kann“, sagt Schulz.

Geplant ist bereits das erste Nachbarschaftsforum für den 27. Juni, auf dem solche Konflikte zum Thema gemacht werden können. Ebenfalls im Anstich ist ein Projekt, das bereits im Quartier Nordmarkt, im Brunnenstraßenviertel, erfolgreich war: die kleinräumige Eigentümeraktivierung, unter Federführung des Wohnungsamtes. Hier sollen Hauseigentümer aus dem Bereich Hafen Süd zusammen gebracht werden, damit sie gemeinsam etwas entwickeln.

Das neue Büro an der Mallinckrodtstraße 235 wird bald bezogen, im Juli soll Eröffnung sein. Doch schon jetzt ist Heike Schulz über die Rufnummer ( 2 22 73 73) zu erreichen.

Quartier Nordmarkt: „Menschen müssen Angst voneinander verlieren“

Wenn David Grade von seinem neuen Quartier, dem Nordmarkt spricht, wirkt er richtig begeistert: „Man kann dort so viel auf einen Blick sehen“, schwärmt er. So viele Kulturen lebten dort eng zusammen. „Was ich gerne erreichen würde, ist eine andere Stimmung zu schaffen. Die Menschen müssen die Angst voreinander verlieren“, sagt Grade. Er ist neu im Team der Quartiermanager. Der Diplom Pädagoge hat den Nordmarkt übernommen, weil er sich bereits viel mit interkulturellen Konflikten beschäftigt hat.

Und die finden genau hier statt: In dem Quartier, wo wie nirgendwo sonst Vielfalt vorherrscht. Zum Beispiel die Vielfalt der Akteure. David Grade schätzt, dass 95 Prozent der Nordmarkt-Häuser in Privatbesitz sind. Deshalb fanden und finden sich dort viele der sogenannten Problemhäuser. Das Eigentümerforum, das bislang in allen Quartieren stattgefunden hatte, soll nun am Nordmarkt gebündelt zusammenkommen, stellt Grade die Pläne vor. „Auf diesem Weg wurde auch bereits ein Eigentümer von mehreren problematischen Immobilien zum Umdenken bewegt“, erzählt der gebürtige Körner. Im September soll das nächste Treffen stattfinden.

Doch mehr noch soll fortgesetzt werden. Dazu zählen die Reihe der Sonntagskonzerte auf dem Nordmarkt, der Boule Cup, Bepflanzungsaktionen, wie die Baumscheibenpaten oder die Brunnenstraßenviertelzeitschrift.

Bestärkt, den Weg der kulturellen Zusammenführung zu gehen, wurde Grade kürzlich durch einen Anruf einer Anwohnerin in seinem Büro, Kleine Burgholzstraße 18. Diese war beeindruckt davon, dass eine Gruppe von Bulgaren, die einen bezahlten Job suchten, kurzerhand unentgeltlich im Brunnenstraßenviertel sauber machten.

Quartier Borsigplatz: Gute Nachbarschaft, viele Initiativen - und Fußball

Viele Initiativen, eine gute Nachbarschaft, viele langjährige Bewohner – und natürlich Fußball: So beschreibt Lydia Albers ihr Quartier, den Borsigplatz. „Natürlich ist der BVB das Thema“, sagt sie grinsend. Seit einem Jahr ist die Raumplanerin Quartiersmanagerin am Borsigplatz – mit der Unterbrechung, die das Projekt zu Beginn des Jahres genommen hatte.

Albers sitzt mittendrin: im Aktionsbüro am Borsigplatz 1. Dort sind auch Mitarbeiter des Jobcenters und der Stadt ansässig – eine Anlaufstelle direkt am berühmten Kreisverkehr. „Und deshalb bekomme ich auch viel mit“, so Albers.

Sie weiß wie sehr die Menschen ihren Fußballverein lieben und wie wichtig es deshalb ist, dass der sich regelmäßig engagiert. Das tut er: Der BVB unterstützt den Weihnachtsmarkt und den Martinsumzug. Beide sind auch in diesem Jahr geplant. Der Weihnachtsmarkt wird sich allerdings umbenennen, in „Winterfest“ – und sich so kulturell öffnen.

Weitere Termine sind bereits gesetzt: am 1. Juli ist im Aktionsbüro Tag der Integration, am 13. Aktionstag für Jugendliche. Auch die Nachbarschaftskreise werden weiter fortgeführt.

„Den Anwohnern ist aufgefallen, dass der Drogenhandel zugenommen hat“, meint Albers. Aufgabe des Quartiersmanagements sei es nun, Aufklärungsarbeit zu betreiben, zum Beispiel einen Infoabend mit der Polizei auszurichten.

Ein weiteres Ziel, das sich Albers gesetzt hat, ist, leerstehenden Ladenflächen mit Leben zu füllen. „Da können wir Kontakte herstellen.“ Ein positives Beispiel komme aus der Kulturszene, die sich im Borsigplatzquartier verstärkt angesiedelt hat: An der Oesterholzstraße hat sich ein leer stehendes Haus in ein Atelier verwandelt. Zukunftsweisend, findet Albers.