Putzfrau behält Job, obwohl sie Kunstwerk zerschrubbte

Der untere Teil des Kunstwerks “Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“ von Martin Kippenberger (1953-1997) wurde von einer Raumpflegerin geputzt. Foto: Mike Siepmann/dapd
Der untere Teil des Kunstwerks “Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“ von Martin Kippenberger (1953-1997) wurde von einer Raumpflegerin geputzt. Foto: Mike Siepmann/dapd
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Der Fall sorgte am Donnerstag für bundesweite Schlagzeilen: Eine Raumpflegerin hatte beim Putzen versehentlich eine Arbeit des Künstlers Martin Kippenberger im Dortmunder U zerstört. Aber die Frau behält ihren Job. Das bestätigte ihr Chef auf Anfrage von DerWesten.

Dortmund. Die Putzfrau, die im Oktober das Werk „Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“ versehentlich im Dortmunder U zerstört hat, behält ihren Arbeitsplatz. Das bestätigte Frank Schwake, Chef der Dortmunder Reinigungsfirma AWF, auf Anfrage von DerWesten. Schwake nimmt seine Angestellte ausdrücklich in Schutz: „Sie weiß selbst nicht, wie ihr das passieren konnte. Die Frau ist fix und fertig.“

Vertrauen in die Mitarbeiterin

Einen Grund, die langjährige Mitarbeiterin zu feuern sieht der Chef nicht. „Sie behält natürlich ihre Stelle, sie hat sich ja nie etwas zu Schulden kommen lassen“, betont er sein Vertrauen in die Raumpflegerin. Auch wenn es in der Vergangenheit bei anderen Unternehmen kleine Anlässe – etwa der Verzehr einer Frikadelle – für Kündigungen gegeben habe, komme eine Entlassung gar nicht Frage.

Die Frau habe in einem „unbedachten Moment“ gehandelt und sei anschließend selbst unter Tränen zu ihrem Chef gekommen, um das Missgeschick zu beichten. „Da ist einfach etwas über sie gekommen“, so Schwake. Das Personal hat die Anweisung, zu Kunstwerken einen Abstand von 20 Zentimetern zu halten – „Das wusste sie natürlich, darum ist sie ja so erschüttert.“

Putzfrau schämt sich

Eine Bestrafung durch den Arbeitgeber schließt der Chef denn auch aus: „Wir schätzen die Mitarbeiterin sehr. Sie ist genug gestraft, weil sie sich unendlich schämt.“

Der Versicherungswert von „Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“ beträgt rund 800.000 Euro. Das Werk besteht aus einem Aufbau aus Holzlatten. Auf dem Boden steht ein Auffangbehälter, der von dem Künstler mit einer Patina versehen worden war. Diese Beschichtung hat die Putzfrau im Übereifer entfernt. Laut Aussage der Museumsrestauratorin ist das Kunstwerk unwiederbringlich zerstört.

 
 

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