Prozess um verbotene Fotos im „Geisterhaus“

Kathrin Melliwa
Foto: WAZ

Kirchhörde. Das alte, seit nunmehr sechs Jahren stillgelegte Marienhospital (hier gibt's viele Fotos aus dem Innern!) an der Klöcknerstraße in Kirchhörde scheint kreative Köpfe zu reizen. Vor allem Graffiti-Sprayer toben sich in den ehemaligen Behandlungsräumen des „Geisterhauses“, wie es Anhänger im Internet nennen, gern aus. Und auch Hobbyfotografen juckt es in den Fingern - was fünf Freunde gestern auf die Anklagebank des Amtsgerichtes brachte.

Hausfriedensbruch warf die Vertreterin der Staatsanwaltschaft der Clique vor. Denn auch, wenn das Gebäude seit dem Umzug der Psychiatrie nach Hombruch leer steht: Dass man dort einfach herumspaziert, ist nicht erlaubt. Was das Quintett, das da eng zusammengerückt auf der Anklagebank saß, auch ohne Einschränkungen einsah: fünf Freunde im Alter zwischen 25 und 33 Jahren – eine Bestatterin, eine Hausfrau und Mutter zweier Kinder sowie drei Arbeitslose – die am 25. Juni 2009 die Neugierde gepackt hatte. Dass sie noch nie etwas mit dem Gericht zu tun hatten, war ihnen anzumerken.Und auch, dass ihnen die ganze Situation ein bisschen peinlich war.

„Wir wollten da für private Zwecke Fotos machen. Der Ort ist so verwunschen, das schien uns reizvoll“, erzählte eine Frau aus der Clique. „Wir hatten uns das wirklich überhaupt nicht überlegt.“ Und dann standen sie an jenem Sommertag auf dem zugewucherten Weg vor dem Haus – und einer von ihnen entdeckte ein eingeschlagenes Fenster. „Wir sind da rein, haben zwei Fotos gemacht, da kam schon der Sicherheitsdienst.“

Franziskaner fragen

Im Gegensatz zu anderen ungebetenen Besuchern, die das „Geisterhaus“ in die Schlagzeilen brachten, schoss die Clique tatsächlich nur Fotos. „Wir haben nichts kaputt gemacht oder so“, betonte die zweifache Mutter aus der Riege. Auch habe man die Fotos sofort vernichtet. Da die fünf bisher eine weiße Weste haben, stellte Amtsrichterin Dr. Dorothea Bertling das Verfahren ohne Auflagen ein. „Wenn Sie wieder einmal eine Location für Fotos suchen, dann fragen Sie vorher besser den Eigentümer.“ In diesem Fall den Franziskanerorden „Kloster Helgoland“ in der Eifel, in dessen Besitz die Immobilie noch immer ist.