Protestaktion der BVB-Fans gegen Eintrittspreise in Hamburg "ein Erfolg"

Stefan Reinke
Bei ihrer Protestaktion gegen zu hohe Eintrittspreise zeigten die Fans von Borussia Dortmund Stehvermögen und Wetterfestigkeit: Rund 1000 Borussen blieben bei nicht endendem Nieselregen vor dem Stadion und hörten Radio.

Hamburg. "Es ist unfassbar nass", beschrieb Marc Quambusch, einer der Sprecher der Fan-Initiative "Kein Zwanni", etwa 45 Minuten vor Anpfiff der Partie des Hamburger SV gegen Borussia Dortmund die Wetterlage. Trotz Nässe und Kälte harrten bereits zu diesem Zeitpunkt rund 400 BVB-Fans vor dem Gästeeingang des HSV-Stadions aus. Allesamt Fans, für die ein Stadionbesuch normalerweise heilige Pflicht ist.

Doch an diesem Sonntag war alles anders. Die BVB-Fans wollten sich zwar die Reise zu einem der interessantesten Auswärtsspiele einer jeden Saison nicht nehmen lassen, doch schweren Herzens verzichteten sie auf den Live-Genuss des Spiels. Der Grund: Horrende Eintrittspreise, die der HSV für das Spiel gegen den Meister verlangte. Bis zu 85 Euro kosteten die Karten wegen des meisterlichen Top-Zuschlags, den die Hamburger erhoben. Selbst ein Stehplatz schlug inklusive Gebühr mit rund 20 Euro zu Buche. Dagegen protestierte die Fan-Organisation "Kein Zwanni".

BVB-Fans verteilten Flugblätter

Schnell war klar, dass das Gastspiel in Hamburg boykottiert werden sollte - am besten direkt vor Ort. Und so setzte sich eine in Fußball-Deutschland bisher einzigartige Karawane in Bewegung. BVB-Fans charterten Busse, bildeten Fahrgemeinschaften und fuhren nach Hamburg, um dort dann tatsächlich nicht ins Stadion zu gehen. Sie trafen sich zu Hunderten vor dem Gästeeingang, verteilten Flugblätter an Kartenbesitzer und hofften, vielleicht den einen oder anderen Fan vom Weg zur Tribüne abbringen zu können.

Doch Quambusch gibt zu: "Das wäre schon ein Riesenakt, wenn jemand, der viel Geld für eine Karte bezahlt hat, spontan beschließt, draußen zu bleiben." Denn der Protest des harten Kerns der Allesfahrer gab natürlich vielen Fans die Chance auf ein Ticket. So war der Stehplatzbereich der Gäste, über dem HSV-Fans ein Solidaritätsbanner gegen zu hohe Eintrittspreise platziert hatten, denn auch nicht so leer wie erhofft, sondern erstrahlte im gewohnten Schwarz-Gelb, wenn auch längst nicht so stimmungsvoll wie üblich.

Dortmunder Anhänger hörten Radio

Denn der harte Stimmungskern stand und bibberte vor den Stadiontoren, wo es als Ersatzprogramm nicht mal Public Viewing gab. Stattdessen hatten die Fans Radios mitgenommen, ganz altmodisch. Untermalt von der Atmosphäre, die aus dem Stadion nach draußen schwappte. "Man hört alles", so "Kein Zwanni"-Mitorganisator Arne Steding, "allerdings lässt sich der Lärm nicht immer genau zuordnen." Anders als beim 1:0 für den BVB nach 15 Minuten. "Das war schon skurril", so Steding. Denn natürlich erfuhren die BVB-Fans draußen zuerst durch den Torjubel im Stadion vom Dortmunder Führungstreffer, ohne tatsächlich zu wissen, was drinnen gerade passierte.

Stedings ergebnisunabhängiges Fazit stand schon vor dem Pausenpfiff fest: 800 wetterfeste Boykotteure, reichlich Radios, Solidaritäts-Kaffee vom HSV-Fanclub "Totale Offensive" und eine gute Stimmung vor den Stadiontoren - "die Aktion ist ein wirklicher Erfolg", so Steding.