Protest in Sichtweite der Neonazis

Anti-Nazi-Demo in Dortmund.
Anti-Nazi-Demo in Dortmund.
Foto: Knut Vahlensieck
Erstmals seit langer Zeit soll der Protest gegen einen Nazi-Aufmarsch in Dortmund (Samstag, 31. März) in Ruf- und Sichtweite der Rechtsextremen möglich sein, zumindest für friedliche Demonstranten. Die Polizei verzichtet auf starre Absperrungen.

Dortmund. Erstmals seit langer Zeit soll der Protest gegen einen Nazi-Aufmarsch am heutigen Samstag in Ruf- und Sichtweite der Rechtsextremen möglich sein, zumindest für friedliche Demonstranten. Die Polizei will von dem starren Absperrkonzept, bei dem in den zurückliegenden Jahren komplette Stadtteile abgeriegelt worden waren, abweichen.

Nach Einschätzung der Polizei werde es sowohl bei den Rechtxextremen als auch im Lager der Linken durchaus gewaltbereite Personen geben. Deswegen sei das oberste Ziel, erklärte Einsatzleiter Dieter Keil, „ein unkontrolliertes Aufeinandertreffen beider Gruppierungen zu verhinden“.

Verständnis für die massiven Beschwerden der Bevölkerung

Man werde testen, ob das neue/alte Konzept erfolgreich ist. „Ich bin zwar nicht euphorisch“, so Keil. Doch habe er die Hoffnung, dass eine Umkehr der Demonstrationskultur wieder hin zu einer friedlichen möglich ist. Das sei mit der Dortmunder Linie bis 2005/2006 der Fall gewesen.

Er habe Verständnis für die massiven Beschwerden der Bevölkerung über die bisherigen Sperrkonzepte. „Wir werden uns bemühen, das öffentliche Leben so lange wie möglich und so lange es vertretbar ist, aufrecht zu erhalten“, so Keil. Die Polizei werde jedoch gegen Fremdenhass und Gewalt konsequent einschreiten.

„Das bedeutet auch Verantwortung für die Demonstranten, die sich dem demokratischen Protest anschließen, sich aber von Gewaltbereiten distanzieren sollen“, sagte Polizeipräsident Norbert Wesseler. Von vielen demokratischen Gruppierungen sei der Wunsch an die Polizei herangetragen worden „in Sichtweite der Nazis friedlich zu protestieren“. Dem komme man mit dem Konzept nach.

"Die Auflagen werden wir stark überwachen"

Die Polizei habe in jeder Phase überprüft, ob sie den Aufzug verbieten könne. Auch die Durchsuchungen am vergangenen Mittwoch im Zentrum der Rechtsextremen an der Rheinischen Straße 135 sowie in drei Privatwohnungen hätten keine Erkenntnisse gebracht, die ein Verbot ermöglicht hätten.

So habe man den rechten Aufzug unter Auflagen genehmigen müssen. „Die Auflagen werden wir stark überwachen“, so der Behördenleiter, der an alle Demonstranten appelliert, friedlich zu demonstrieren: „Der Kampf gegen Rechts wird letztlich nicht auf der Straße entschieden, sondern in den Köpfen“, so Wesseler. Er betonte: „Wir schützen das Versammlungsrecht, nicht die Rechten.“ Er hofft, dass man der Welt angesicht der Tischtennis-Weltmeisterschaft in den Westfalenhallen Bilder von einem friedlichen Protest gegen die Nazis zeigen könne und nicht Bilder von Gewalt.

300 bis 350 Rechtsextreme erwartet

Die Polizei rechnet mit 300 bis 350 Rechtsextremen, die sich ab 14.30 Uhr auf der Bahnhofstraße versammeln. Nach Musik von zwei Rechtsrockbands geht es gegen 18 Uhr in die westliche Innenstadt, u.a. Rheinische Str. 135

Zu der zentralen Gegendemonstration des Dortmudner Antifa-Bündnisses sollen nach letzten Schätzungen etwa 800 Teilnehmer kommen (11 Uhr, A-Bahn Universität). Sie geht über Dorstfelder Straßen, endet um 18 Uhr auf dem Wilhelmplatz. Auf dem Vinckeplatz rechnet die IG Bau mit 100 bis 200 Personen (10 bis 17 Uhr). Der DGB lädt von 17 bis 18.30 Uhr zur Mahnwache an der Kamp-/Wallstraß ein, die Grünen ab 15.30 Uhr an der Katharinentreppe.

Es kann zu Verkehrsbehinderungen im Bereich zwischen Hauptbahnhof, westlicher Innenstadt und Dorstfeld kommen, so die Polizei.

 
 

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