Protest gegen Dortmunder Messe "Inter-tabac" in Indonesien

Katrin Figge
Die "Inter-tabac" in der Westfalenhalle Dortmund. Ihr "Asia"-Ableger sorgt für Aufregung.
Die "Inter-tabac" in der Westfalenhalle Dortmund. Ihr "Asia"-Ableger sorgt für Aufregung.
Foto: WR
Eine Online-Petition soll die Messe "Inter-tabac Asia" in Indonesien verhindern. Bisher haben die Initiatoren fast 10.000 Unterschriften gegen die Rauchermesse auf Bali gesammelt. Organisiert wird die Messe von der Westfalenhalle Dortmund – die bislang aber kein Statement dazu abgeben wollte.

Dortmund. In Deutschland regt sich Protest gegen den Ableger der Dortmunder Messe "Inter-tabac": Auf dortmundkills.de sammeln die Initiatoren Unterschriften gegen die Rauchermesse. Die Liste soll später an Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau übergeben werden.

Grund für die Aufregung ist nicht allein der Nichtraucherschutz, sondern vor allem der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Gefahren des Rauchens. Denn die Messe findet am 27. und 28. Februar zum dritten Mal in Indonesien statt — einem Land, in dem tausende Kinder zigarettenabhängig sind. Auf der Homepage der Messe ist vom "Wachstumsmarkt Asiens" die Rede.

Schon Kleinkinder stark nikotinabhängig

In den vergangenen Jahren machten immer wieder Berichte über Kleinkinder Schlagzeilen, die stark nikotinabhängig sind. Zuletzt war es die Geschichte eines Zweijährigen, der seine Sucht (40 Kippen pro Tag!) nur in einer Entzugsklinik ablegen konnte.

Und die Sucht bei Kindern und Jugendlichen kommt offenbar nicht von irgendwo: Die indonesische Insel Sumatra gilt als eins der besten Tabak-Anbaugebiet der Welt. Hunderttausende Familien leben von einem Job in der Tabakindustrie. Laut einer Studie der größten Universität des Landes, der "Gadjah Mada", geben arme Familien mehr Geld für Tabak als für Essen und Bildung aus.

Petition gegen Inter-tabac auf dortmundkills.de

Gestartet wurde die Online-Petition von Yosef Rabindanata Nugraha (22) aus Jakarta und Max Vollmer (27) aus Dortmund. Seit dem 1. Dezember sammeln sie Unterschriften, die sie später an Dortmunds OB Sierau übergeben wollen. Schließlich ist die Westfalenhalle als Mit-Organisatorin der Messe ein städtischer Betrieb.

"Ich bin entsetzt, dass sich meine Heimatstadt so unverantwortlich am Tabakgeschäft beteiligt", meint Max Vollmer. Als er vom Asien-Ableger der Intertabak erfuhr, sei er sofort aktiv geworden. Dabei stieß er auf die Organisation Indonesia Bebas Rokok ("Indonesische Nichtraucher") seines Mitstreiters Yosef.

In der Petition fordern die beiden Ullrich Sierau und den Westfalenhallen-Aufsichtsrat Friedhelm Sohn auf: "Stoppen Sie die Inter-tabac ASIA 2014! Weisen Sie die Westfalenhallen Dortmund GmbH an, keine Tabakmessen mehr in Entwicklungs- und Schwellenländern zu organisieren! Distanzieren Sie sich in einem öffentlichen Statement von der Tabakindustrie." Bis Donnerstag waren knapp 10.000 Unterschriften zusammengekommen.

Kein Statement von der Westfalenhallen GmbH

Seitens der Westfalenhalle war leider kein Statement zu bekommen. Und die Stadt Dortmund verweist nur auf die Aussagen zum Dortmunder "Messe-Original" aus September. Schon damals hatten Nichtraucher-Organisationen zum Protest geblasen.

Die Reaktion der Stadt: "Die Stadt Dortmund ist sicher, dass das Unternehmen dabei alle rechtlichen Rahmenbedingungen respektiert und beachtet. [...] Da die Argumente (nur für erwachsene Fachbesucher zugänglich/Händler müssen das Recht haben, Artikel vor dem Kauf zu probieren/Produkte sind weder hier noch da verboten) für beide Messen gleichermaßen gelten, gibt es dem aus der Warte der Stadt Dortmund aktuell nichts hinzuzufügen. Insoweit sieht die Stadt Dortmund auch keine Veranlassung, sich zur Durchführung der Messe erneut zu äußern."