Prostituierte sitzt nach Fenstersturz in der Nordstadt im Rollstuhl

Die Kriminaltechniker untersuchten am 17. August 2011 das Fenster, aus dem ein Freier eine Prostuierte geworfen haben soll.
Die Kriminaltechniker untersuchten am 17. August 2011 das Fenster, aus dem ein Freier eine Prostuierte geworfen haben soll.
Wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung muss sich ein 25-Jähriger ab dem 10. Februar vor Dortmunds Schwurgericht verantworten. Laut Anklage warf er eine Prostituierte (25) in der Nordstadt aus dem Fenster. Die Frau sitzt seitdem im Rollstuhl.

Dortmund.. Es begann mit einem Streit um Sex für 20 Euro. Seitdem sitzt eine 25-jährige Prostituierte im Rollstuhl: Ein Freier warf sie am 17. August 2011 in Dortmunds Nordstraße kopfüber aus dem Fenster – so sieht es die Anklage. Ab dem 10. Februar, muss sich der Freier (25) wegen versuchten Totschlags vor dem Schwurgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Christopher P. jedoch noch mehr vor: Schwere Körperverletzung, im Gegensatz zur gefährlichen Körperverletzung ein seltener Strafbestand. „Es muss eine dauerhafte Schädigung vorliegen, etwa Verlust der Gliedmaßen“, erklärt Rechtsanwalt Christian Simonis, der die Interessen des Opfers vertritt. Bei seiner Mandantin musste ein Großteil des Darms entfernt werden, die Frau sitzt zudem nach einem Beckenbruch im Rollstuhl.

Laut Anklage erst Messer in Bauch gerammt

Es war laut Anklage um fünf Uhr morgens, als der Streit in der Wohnung eskalierte. Laut Staatsanwaltschaft rammte der Freier der Prostituierten erst mit großer Wucht ein Messer in den Bauch.

Frau lebt im Pflegeheim

Dann prügelte er auf die schwer verletzte Frau ein und stieß sie schließlich kopfüber aus dem Fenster der im ersten Stock gelegenen Wohnung.

Die aus Plovdiv stammende 25-Jährige schwebte in akuter Lebensgefahr. Nach zwei Notoperationen folgten noch diverse Eingriffe im Klinikum Nord. Die Ärzte taten, was sie tun konnten – doch für die junge Frau ist seitdem nichts mehr so, wie es war: Eine dauerhafte Beckenfehlstellung ist die Folge eines Beckenbruches. Zudem musste ein Großteils des Darms entfernt werden. Seit einem Monat lebt die 25-Jährige in einem Pflegeheim: „Sie kann sich nicht allein waschen, nicht ohne fremde Hilfe duschen“, sagt ihr Anwalt Christian Simonis. Dazu komme eine schwere Traumatisierung: „Sie versteht bis heute nicht, dass ein Mensch ihr das antun konnte.“

Weitere Prostituierte wurde vier Wochen später verletzt

Der Vorfall geschah drei Monate nach Schließung des Straßenstrichs. Vier Wochen später, am 22. September 2011, wurde eine weitere Prostituierte vor dem Cafe Europa an der Mallinckrodtstraße mit einem Messerstich lebensgefährlich verletzt.

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