Prostituierte Dany K. klagt gegen Dortmunder Sperrbezirk

Michael Kohlstadt
Damals ein überregionaler Anziehungspunkt für Freier: der Dortmunder Straßenstrich auf der Ravensberger Straße vor der Schließung im Frühjahr 2011.
Damals ein überregionaler Anziehungspunkt für Freier: der Dortmunder Straßenstrich auf der Ravensberger Straße vor der Schließung im Frühjahr 2011.
Foto: WR-Ralf Rottmann
Die umstrittene Schließung des Dortmunder Straßenstrichs im Frühjahr 2011 wird vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen verhandelt. Eine Dortmunder Prostituierte klagt gegen das Land NRW und die Stadt Dortmund, weil sie sich zu Unrecht kriminalisiert und in die Illegalität abgedrängt sieht.

Dortmund. Die umstrittene Schließung des Dortmunder Straßenstrichs im Frühjahr 2011 beschäftigt ab Donnerstag die Justiz. Weil sie sich zu Unrecht kriminalisiert und in die Illegalität abgedrängt sieht, klagt eine Dortmunder Prostituierte gegen das Land NRW und die Stadt Dortmund.

Der Prozess vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen könnte zum Präzedenzfall werden. Darf eine Großstadt vom Schlage Dortmunds ihr gesamtes Stadtgebiet zum Sperrbezirk erklären und damit die Straßenprostitution flächendeckend verbieten? Klägerin Dany K. jedenfalls glaubt das nicht und pocht auf ihr Recht, Sexarbeit in einer geschützten Zone auszuüben. Einen Eilantrag der Dortmunderin hatte das Oberverwaltungsgericht Münster vor einem Jahr allerdings abgelehnt.

Mehr als 700 Frauen auf dem Straßenstrich

Der Ausgang der Verhandlung wird in Dortmund mit Spannung erwartet. Galt doch der Schlag gegen die Szene auf der Ravensberger Straße vor allem als Notbremse, um den Absturz eines ganzen Stadtviertels in Elend und Verwahrlosung zu stoppen. Ursprünglich als Modellprojekt gelobt, hatte sich der erst im Jahr 2000 eingerichtete Strich auf der Ravensberger Straße nämlich zum Anziehungspunkt hunderter Prostituierter vornehmlich aus Bulgarien entwickelt.

Zum Schluss sollen mehr als 700 Frauen auf dem mit so genannten Verrichtungsboxen bestückten Straßenstück unweit einer dichtbesiedelten Wohngegend anschaffen gegangen sein, angeworben und kontrolliert von dubiosen Hintermännern. Das Landeskriminalamt sprach von organisiertem Menschenhandel und forderte die Dortmunder Polizei und die Stadt zum Handeln auf.

Verein Kober klagt über illegale Wohnungsprostitution

In Dortmund selbst war die letztlich von der Bezirksregierung Arnsberg erlassene neue Sperrbezirksverordnung monatelang Tagesthema. Polizei, Ordnungsbehörden und Bewohner der Nordstadt forderten eine harte Gangart. Hilfsverbände fürchteten dagegen die Verdrängung der Prostitution in die Illegalität.

Erst kürzlich klagte der Verein Kober, der sich um die Frauen auf dem Straßenstrich gekümmert hatte, über illegale Wohnungsprostitution im Dortmunder Norden. Die Stadt hingegen bezeichnet die Maßnahme nach wie vor als alternativlos. Kürzlich zog Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) Bilanz: „Ich möchte mir nicht ausmalen, wie die Situation heute aussähe, wenn wir nicht gegengesteuert hätten.“