Prostituierte aus Dortmund hat Angst vor Sex-Voodoo in der Nordstadt

Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. Razzia in einem Sex-Club in Marten am 17. Juni 2009. An jenem schwül-heißen Sommertag endet die jahrelange und abenteuerliche Odyssee einer heute 28-jährigen Afrikanerin. „Ich musste in eine Zelle, kam aber wieder heraus. Die Polizei sagte dann, ich sollte besser wiederkommen, das wäre meine letzte Chance.“ Die Frau ergriff sie. Und schaffte damit nicht nur nach acht Jahren den Ausstieg aus der Szene, sondern lieferte der Polizei auch zwei Mitglieder eines afrikanischen Menschenhändlerringes – falls die Anklage zutrifft.

So schnell und viel die kleine Frau mit der rosafarbenen Strickmütze im Zeugenstand redet, so zugeknöpft gibt sich die aus Nigeria stammende Angeklagte. Die 30-Jährige streitet ab, junge Frauen in Dortmund in Empfang genommen zu haben. Und ihr Nebenmann auf der Anklagebank? Der sah wohl ein, dass es falsch war, „Marina zu helfen“, wie er das Gericht wissen lässt. Die Staatsanwaltschaft sieht die beiden im Rahmen einer straff organisierten kriminellen Organisation als eine Art „Statthalter“ für Dortmund. Im letzten Jahr schickte das Gericht bereits eine andere Nigerianerin sechs Jahre ins Gefängnis.

In beiden Fällen wurde den Frauen in ihrer Heimat mit Voodoo-Schwüren Angst eingejagt. „In Lagos kam eine Frau zu mir, alle nannten sie Mama. Ich sollte mit anderen nach Europa.“ Bei einem Voodoo-Mann habe man Nüsse gegessen: „Wir mussten schwören, keinem zu sagen, dass wir nach Europa fuhren“, sagte die zierliche Frau an der Seite ihrer Rechtsanwältin Henriette Lyndian.

Fast zwei Jahre lang soll die Reise mit Schiffen und Bussen gedauert haben. Zuhause habe es nur geheißen, sie müsste in Europa die Reisekosten in Höhe von 80 000 Euro abarbeiten – aber nicht, auf welche Weise. „Ich wusste nicht, was das heißt. Und auch nicht, wie viel Geld das ist“, sagte die kleine Frau auf eine entsprechende Frage des Vorsitzenden Richters Thomas Kelm. In Dortmund sei sie dann von Marina – also der Angeklagten – in Empfang genommen worden. Das böse Erwachen: Sie musste in diversen Clubs anschaffen, Marina angeblich pro Woche 700 Euro zahlen. Kam sie in Verzug, sei die Angeklagte zur Tat geschritten. „Sie hat mir in der Wohnung an der Mallinckrodtstraße Fingernägel und Haare abgeschnitten und alles nach Afrika geschickt.“ Rund 70 000 Euro will sie Marina gegeben haben. Jetzt lernt die aufgeweckte Frau mit Feuereifer deutsch – und will bald eine Ausbildung machen.

 
 

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