Projekt "Music Mall" sang- und klanglos begraben

Silke Hoock
Foto: WR

Von einer Popakademie nach Mannheimer Vorbild will niemand mehr 'was wissen. Davon sei nie die Rede gewesen, sagt Kulturdezernent Jörg Stüdemann, „vielleicht von einer ähnlichen, kleineren Version”. Alles andere als klein hingegen waren die Pläne für eine Music Mall, die Stüdemann in Dortmund etablieren wollte.

Auch darüber spricht niemand mehr. Stattdessen fokussiert man nun die Popschool - als kleinen Wurf.

Zur Erinnerung: Erst im vergangenen Jahr hatte Stüdemann dem Kulturausschuss die Pläne für eine Music Mall samt Konzerthalle vorgestellt. Die Music Mall sollte Einzel- und Fachhandel für Musik- und Merchandisingprodukte bündeln und einen Bereich zur Förderung junger Unternehmer sowie Cafe und Club bieten. Ob auch eine Akademie zur musikalischen Ausbildung dazugehören würde, ließ Stüdemann im Februar 2007 zunächst offen. Den Flächenbedarf gab er mit 5000 bis 6000 bzw. mit 8000 bis 10 000 Quadratmeter an.

Eine dann vorgestellte Studie zur Musikwirtschaft in Dortmund bestärkte die Pläne. Denn mit erfassten 228 Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von 213 Mio. Euro pro Jahr und fast 4000 Beschäftigten war auch dem letzten Zweifler klar: Popmusik ist ein ernstzunehmender Wirtschaftszweig. „Die Weichen für eine Musikstadt, für eine Music Mall sind gestellt. Es nimmt Konturen an”, versicherte ein euphorischer Kulturdezernent. Und erhielt prominente Unterstützung: „Diese Region ist auf dem Weg zur Metropole. Wenn sie den Wandel durch Kultur schaffen will, kriegt sie von uns jede Unterstützung”, sagte Prof. Dieter Gorny, Ex-Viva-Chef und Kreativdirektor der Ruhr 2010. Das Zauberwort hieß „creative industries” - EU und Land verhießen Fördermittel.

Das alles ist anderthalb Jahre her - und von der Music Mall spricht niemand mehr. Denn niemand - außer Musikalienhändler Wolfgang Jellinghaus - zeigte so richtig Interesse daran, sich zu engagieren. Das in der Studie erfasste Potential (über 228 Unternehmer) rührte sich nicht. Zudem gab's Probleme mit dem Besitzer der potentiellen Immobilie Westfalen–Forum. Seitens der Politik tat sich auch nichts. „Keine Ahnung, woran das gelegen hat”, erklärt Michael Batt, städtischer Kulturreferent.

Popschool: Der

Anfang ist gemacht

Das Ziel, Tausende Arbeitsplätze zu schaffen, mit Blick auf die Kulturhauptstadt 2010 sollte die Branche systematisch von Wirtschaft und Politik unterstützt werden, ist nicht mehr realistisch. Realistisch hingegen sind die konkreten Pläne für das „U”. In dessen Umbau fließen rund 40 Millionen Euro Fördermittel. Was aus dem Kreativzentrum wird, das am Fuße des „U” Mode, Design und Musik vereinen soll? „Es läuft ein Investorenwettbewerb”, sagt Michael Batt. Konkreter wird er nicht.

Zurück ins Hier und Heute. Im ersten Quartal 2009 wird die Popschool im Fritz-Henßler-Haus starten. Hier werden junge Musiker ausgebildet. Dazu werden Dozenten mit Bühnen-Kompetenz engagiert. Dozenten der Musikschule oder externe „Bekannte” wie Cosmo Klein sind am Start. „Wir fangen klein an”, sagt Batt. Aber der Anfang sei gemacht. Außerdem habe man das FZW im Schatten des „U” auf den Weg gebracht.