Problemhäuser bleiben ein Problem

Christina Römer
Das Haus an der Mallinckrodtstraße 317 sollte saniert werden – von Handwerkern keine Spur.
Das Haus an der Mallinckrodtstraße 317 sollte saniert werden – von Handwerkern keine Spur.
Foto: unbekannt
Es gibt weder fließendes Wasser, noch Strom – trotzdem wohnen Menschen in dem Haus. Beobachtet haben das Vertreter des Planerladens. In ihren Augen ist dies ein „Problemhaus“ wie noch mindestens 50 andere in der Nordstadt.

Dortmund. Es gibt weder fließendes Wasser, noch Strom – trotzdem wohnen Menschen in dem Haus an der Missundestraße. Beobachtet haben das Vertreter des Planerladens. In ihren Augen ist dies ein „Problemhaus“ wie noch mindestens 50 andere in der Nordstadt, die bereits seit vielen Jahren in einem schlechten Zustand sind. Planerladen und Mieterverein fordern deshalb gemeinsam, dass die Stadt mehr dagegen tut, dass sich solche Häuser problematisch auf ein ganzes Wohngebiet auswirken.

Der Planerladen hat aktuell untersucht, was aus den Gebäuden geworden ist, die dem Verein zur Förderung demokratischer Stadtplanung 2009/2010 als Problemfälle bekannt waren, als er selbst noch im Rahmen des Quartiersmanagements von der Stadt beauftragt war, ein Auge auf solche Immobilien zu haben.

60 Häuser unter die Lupe genommen

60 Häuser haben die Mitarbeiter unter die Lupe genommen. „Nur bei zehn Häusern konnten wir eine massive Verbesserung feststellen, die anderen 50 können immer noch als Problemhäuser bezeichnet werden“, sagt Dennis Zilske vom Planerladen. Bei 28 dieser Häuser habe es überhaupt keine Veränderung geben, beziehungsweise sei der Zustand sogar schlechter geworden.

Darunter sind Häuser, die leer stehen und verschiedene Stadien von baulichem Verfall aufweisen, oder auch welche, in denen Menschen unter keinen guten Voraussetzungen leben.

Das Haus an der Gneisenaustraße zum Beispiel steht leer. „Der bauliche Zustand ist sehr besorgniserregend“, sagt Prof. Reiner Staubach, Vorstandsmitglied des Planerladens. Dort hatte eine Zeit lang ein Bauzaun vorbeigehende Passanten vor der bröckeligen Fassade geschützt.

„Es gibt aber auch Häuser, bei denen sich nichts geändert hat, außer, dass jetzt sogar wieder Menschen darin wohnen“, sagt Tülin Kabis-Staubach und ist überzeugt, dass solche heruntergekommenen Gebäude Menschen in Not anziehen, die ansonsten Probleme haben, ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Und hierbei läge auch das Problem der stadtweiten Diskussion über die Problemhäuser.

Eigentümer mehr in die Verpflichtung nehmen

„Es wurden die Ekelhäuser in den Blick genommen und es schien, als seien die Bewohner, beziehungsweise die Besetzer schuld an dem Zustand des Hauses“, ärgert sich Kabis-Staubach, die ebenfalls im Planerladen-Vorstand ist. Schuld an dem Zustand seien einzig die Eigentümer – oft verschiedene in einem Haus. Sie müssten von der Stadt viel mehr in die Verpflichtung genommen werden, fordert auch Rainer Stücker vom Mieterverein. Nicht nur, wenn die hygienischen Verhältnisse eine Zwangsräumung erforderten, müsse die Stadt handeln, wie sie es im vergangenen Jahr zwei Mal tat.

„Die Stadt müsste dazu allerdings finanzielle Ressourcen bereitstellen“, so Stücker. Das heißt, wenn sich ein Eigentümer querstelle, sollte die Stadt die Immobilie erwerben. „In der Nordstadt ist das besonders wichtig, da es dort viele soziale Probleme gibt“, meint Reiner Staubach. Viel Geld sei bereits für soziale Projekte geflossen, bei den Immobilien nicht durchzugreifen, konterkariere diese Bemühungen. „Da kann man noch so viele schöne Stadtteilfeste veranstalten“, meint Kabis-Staubach.

Info:

Positive Beispiele einer gelungenen Sanierung seien die Häuser an der Brunnenstraße 25, Gronaustraße 64 oder Stahlwerkstraße 35. „Hieran zeigt sich, dass es sich lohnt zu investieren“, ist Tülin Kabis-Staubach überzeugt.

Besonderes Negativbeispiel sei die Mallinckrodtstraße 317, wo sich nach einer öffentlichkeitswirksamen Räumung im März 2011 nichts getan habe. Nach einem Wasserschaden mussten sogar die letzten Mieter das Haus verlassen.