Polizist nach Razzia wegen Körperverletzung verurteilt

Foto: WR/Franz Luthe
Wegen Beleidigung und Körperverletzung im Amt muss ein Polizist 1500 Euro Geldstrafe zahlen. So lautete ein Urteil im Amtsgericht. Der Beamte hatte bei einer Razzia in der Nordstadt eine Kioskbesitzerin als „Nutte“ bezeichnet und den Sohn der Frau ins Gesicht geschlagen.

Dortmund.. Es war die erste große Razzia nach Schließung des Straßenstrichs. Fünf Beamte trieben am 11. Juli 2011 auf der Mallinckrodtstraße „die Leute zusammen“, wie es Oberstaatsanwältin Susanne Bastians plastisch nannte. Das Ziel: Prostituierte ausfindig zu machen.

Dabei gingen einem Polizisten im Eifer des Gefechts die Pferde durch: Wegen Körperverletzung im Amt und Beleidigung verurteilte Amtsrichter Mario Pawlowski den bisher unbescholtenen 27-Jährigen zu einer Geldstrafe von 1500 Euro. Eine Kioskbesitzerin, die nicht mit zur Sammelstelle am Nordmarkt gehen wollte und vorschlug, stattdessen ihren Gewerbeschein zu zeigen, kanzelte er mit den Worten ab: „Wofür? Nuttengewerbe?“

Der Sohn (17) bekam einen Schlag auf die Nase

Als sich der Sohn (17) darüber aufregte, bekam er einen Schlag auf die Nase. „Mein Sohn blutete, da bin ich sauer geworden, ich bin schließlich eine Mutter“, erinnert sich die Frau. Der Ausraster scheint so gar nicht zu dem Polizisten zu passen, der vor Gericht einen besonnenen Eindruck machte. „Ich wollte niemanden beleidigen oder weh tun. Das tut mir wirklich leid, wenn da Missverständnisse aufgetreten sind.“

„Nutte“ oder „Prosti“ – das macht keinen Unterschied

Ob der Beamte die Frau nun als „Nutte“ oder „Prosti“ bezeichnet habe – letzteres hatte er zu Prozessbeginn erklärt – spiele keine Rolle, sagte Oberstaatsanwältin Susanne Bastians: „Das macht keinen Unterschied, was die Missachtung betrifft.“

Verteidiger Martin Habig hatte in allen Punkten Freispruch gefordert. Die Bezeichnung Prostituierte sei zwar „unglücklich“ gewesen, es gäbe aber „in diesem Zusammenhang keinen beleidigenden Hintergrund“. Und was den Schlag ins Gesicht des Schülers betreffe: Da gäbe es ein „Sammelsurium von Darstellungen“, doch würden von der Staatsanwaltschaft „nur Belastungszeugen gehätschelt und getätschelt“.

Wird das Urteil rechtskräftig, drohen dienstliche Konsequenzen

Wird das Urteil rechtskräftig, muss der Polizist dienstlich mit disziplinarischen Konsequenzen rechnen. In seiner Entscheidung ging das Gericht von einem „minderschweren Fall“ aus, daher kam der Beamte mit einer Geldstrafe davon. Im Regelfall betriägt das Strafmaß für den Vorwurf der Körperverletzung im Amt drei Monate bis fünf Jahre Freiheitsstrafe.

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