Polizei muss bei Banken in Dortmund und Unna für Fahndungsfotos zahlen

Foto: Andreas Mangen
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Im Westen. Die Polizei soll helfen – aber sie soll auch bezahlen. Für Fahndungsfotos von Überwachungskameras, die in Zeitungen oder im Netz veröffentlicht werden und mit denen zum Beispiel nach EC-Karten-Betrügern gesucht wird, können betroffenen Geldinstitute eine Rechnung an die Polizei schicken.

Von dieser Möglichkeit machen zahlreiche Banken – völlig legal – Gebrauch. Allein in Dortmund werden der Polizei im Laufe eines Jahres rund 300 Aufnahmen für die Öffentlichkeitsfahndung zugestellt, oft genug mit einer Rechnung in der Anlage. Im Kreis Unna gehen ebenfalls Zahlungsaufforderungen von Banken bei der Kreispolizeibehörde ein. Die Rechnungen für die Fotos belaufen sich auf einen zweistelligen Betrag – je nach Bild.

Der Polizei ein Bild zur Verfügung zu stellen, mit dem ein Verbrecher gefasst werden kann – „das ist doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit“, sagt Wolfgang Wieland, Sprecher der Polizei Dortmund. Dass es eben keine Selbstverständlichkeit ist, hat er erst nach einer WR-Anfrage und einer Recherche im eigenen Haus entdeckt: Die Polizei kann für Fahndungsfotos, die von Geldinstituten zur Verfügung gestellt werden, zur Kasse gebeten werden.

Die Geldinstitute begründen das mit hohem Arbeitsaufwand, da jede Menge Filmmaterial gesichtet werden müsse. Andererseits geben manche Institute zu, „dass sie auf die Fahndung durchaus verzichten können“, so die Erfahrung von Ute Hellmann, Sprecherin der Kreispolizeibehörde in Unna.

Hintergrund: Die Versicherungen der Banken würden den Schaden ohnehin ersetzen – ob der Täter nun gefasst werde oder nicht.

Manche Bank verzichtet auf Gebühren

Das sehen allerdings nicht alle Banken so und verzichten auf eine Gebühr. „Uns liegt viel daran, dass Straftaten aufgeklärt werden“, sagt zum Beispiel Andreas Schlüter von der Sparkasse Kamen. Die Sprecher der beiden größten Geldinstitute von Dortmund, die Sparkasse und die Volksbank, reagierten sogar perplex auf die Information, dass Banken Rechnungen ausstellen.

Anders die Sparkasse in Unna: Wenn nicht die Bank selbst, sondern ein Kunde geschädigt wurde, würden in der Regel 17 Euro pro Bild abgerechnet. Begründet wird das mit dem hohen Aufwand: Ein Bankangestellter sei meist eine Stunde damit beschäftigt, die entsprechenden Bilder zu finden und auf eine CD zu brennen. Bei der Commerzbank werde überlegt, eine Gebühr bei „Fremdanträgen“ zu erheben. Das ist dann der Fall, wenn an einem Commerzbank-Automaten mit einer gestohlenen EC-Karte einer anderen Bank Geld abgehoben wurde und die Staatsanwaltschaft anschließend Bildmaterial anfordert.

Zahlung erst nach Erscheinen

Die Gebühr werde bei der Sparkasse allerdings erst fällig, wenn die Bilder auch tatsächlich verwertet werden können. Denn das ist bei vielen Fotos nicht der Fall. Oft genug sieht man nur Hände, einen Rücken oder einen von einer Kaputze bedeckten Kopf. Die Qualität ist zudem häufig miserabel. Bilder sind nicht nur unscharf, sondern haben auch eine derartig geringe Auflösung, dass sie für den Zeitungsdruck kaum verwendet werden können. In manchen Fällen ist die Auflösung sogar selbst für eine Verwendung im Internet zu gering – die Bilder wirken grobkörnig.

Nach dem Justizvollzugsentschädigungsgesetz ist die Polizei zur Zahlung verpflichtet Die Rechnungen werden aus der Landeskasse beglichen.

 
 

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