Polizei Dortmund kündigt dritten Blitz-Marathon an

Steffen Gerber, Stefan Reinke
Auch am Ostwall blitzte die Polizei Dortmund - und erwischte zwei Fahrer mit doppeltem Pech. Foto: Steffen Gerber
Auch am Ostwall blitzte die Polizei Dortmund - und erwischte zwei Fahrer mit doppeltem Pech. Foto: Steffen Gerber
Nach ersten Einschätzungen der Polizei sind beim zweiten Blitz-Marathon in Dortmund viele Autofahrer langsamer unterwegs. An 90 Stellen kontrollieren Polizei und Ordnungsamt im Stadtgebiet. Zwei Männer, die etwas zu schnell waren, erlebten ganz besonders bittere Momente.

Dortmund. Der zweite Blitz-Marathon läuft und beinhaltet wieder manch spannende Geschichte. Wobei sich schon am Vormittag in Dortmund abzeichnete: Die Leute sind langsamer unterwegs, die öffentlichkeitswirksamen Ankündigungen der Polizei haben viele vernommen. „Die meisten fahren heute sehr vorsichtig. Das ist genau das, was wir erreichen wollen“, sagte Oberkommissar Frank May, Einsatzabschnittsführer in der Innenstadt. Bisher habe es wenige Messungen mit viel zu schnellen Autofahrern gegeben.

Das bestätigt auch die Polizei in ihrem ersten Zwischenfazit von 15 Uhr. In Dortmund und Lünen hat die Polizei demnach an rund 60 Messstellen in Dortmund, Lünen und auf der Autobahn die Geschwindigkeit kontrolliert und Verwarnungen ausgesprochen. Insgesamt wurden demnach 27.014 Fahrzeuge gemessen. Davon waren 707 zu schnell. Außerdem hielt die Polizei 26 Gurtmuffel an, ein Autofahrer musste zur Blutprobe auf die Wache. Er fuhr unter Drogeneinfluss.

Höchste Geschwindigkeit auf der B1 gemessen

Die höchste festgestellte Geschwindigkeitsüberschreitung wurde in Dortmund auf der B1 gemessen. Hier war ein Auto mit 74 statt der erlaubten 50 km/h unterwegs. Nach Abzug der Toleranz bleiben 24 km/h zu viel - ein Punkt in Flensburg und 80 Euro Bußgeld. Auch in einer 30-Zone in Lünen war ein Fahrer 29 km/h zu flott unterwegs.

Dennoch: Die Ankündigungen des Blitz-Marathons haben offenbar gewirkt. "Heute sind fast alle etwas langsamer unterwegs", soder Leitende Polizeidirektor Günther Overbeck

Auch die Stadt Dortmund zieht ein positives Zwischenfazit. Die Frühschicht des Ordnungsamtes war bis 14.30 Uhr an 18 Messstellen aktiv und überprüfte 3.439 Fahrzeuge. Davon waren 249 zu schnell. Laut Angaben der Stadt verhielten sich die Verkehrsteilnehmer "äußerst diszipliniert".

Nach der Kontrolle Hydranten gerammt

Wie ärgerlich so eine konzentrierte Radarkontrolle sein kann, zeigten zwei Beispiele in Dortmund. Etwa um 9.30 Uhr fischen drei Polizeibeamte am Ostwall einen Autofahrer mit 63 bei erlaubten 50 km/h aus dem Verkehr. Einsichtig nimmt der Transportfahrer den Zahlschein über 15 Euro in seiner schwarzen Geländelimousine entgegen. Um dann zu sagen: „Das ist einfach ärgerlich. Heute morgen habe ich auf der Arbeit die Kündigung erhalten, und jetzt das noch...“

Auch die zweite Episode ein paar Minuten später an gleicher Stelle ist nicht ohne. Ein Familienvater will seine Tochter im silbernen Sportwagen zum Kindergarten bringen und ist - nach eigener Aussage - spät dran. Moderate 11 km/h zu schnell. „Es ist das erste Mal in diesem Jahr, dass ich zu schnell bin“, sagt er und will einsichtig zahlen. Doch als die Modalitäten beendet sind, kracht es, und zwar heftig: Beim Zurücksetzen fuhr der Mann gegen einen Hydranten, der wohl im toten Winkel lag. Das Heck rund um das zerstörte Rücklicht ist stark beschädigt. Der Polizist schätzt den Schaden von 4000/5000 Euro. Ein weiterer Streifenwagen wird herbeigerufen, nimmt dies auf, auch Stadt und Feuerwehr müssen verständigt werden.

Da fällt einem nur der Spruch von Fußball-Philosoph Andreas Brehme ein: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“

420 Wutpunkte für Blitz-Marathon gemeldet 

420 sogenannte „Wutpunkte" hatten Bürger aus Dortmund und Lünen bei den Polizeiwachen eingereicht. Gemeinsam mit der Stadt sind am 3. Juli nun mehr als 265 Mitarbeiter und Beamte unterwegs, um auf 90 Straßen vor allem in Dortmunder Schul- und Kindergartennähe sowie in Wohngebieten die Geschwindigkeiten zu kontrollieren. „Das Thema Rasen beschäftigt ganz offensichtlich die Leute", berichtet Frank May von der Polizeiinspektion 1, der sonst auf der Wache in Hörde Dienst schiebt. „Schon vor dem Start der offiziellen Meldeaktion teilten uns Bürger viele Messpunkte mit, tagelang war dies immer wieder Thema in persönlichen Gesprächen und am Telefon."

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Für die Polizei selbst ging es in den meisten Fällen recht unspektakulär um 6 Uhr los. Drei Beamte etwa kontrollierten in der Kuithanstraße im Westen Dortmunds, ob Tempo 30 in Schulnähe eingehalten wurde. Fazit: Keine besonderen Vorkommnisse im Berufsverkehr, nur eine etwas zu flotte Dame („die war wohl am frühen Morgen etwas Gedanken verloren unterwegs"), dafür viele mündliche Verwarnungen, etwa bei einem einsichtigen Taxifahrer. Das zeige laut Polizei, die an der Stelle häufig Radarmessungen vornimmt: „Wir sind nicht darauf aus, Strafen zu verhängen, sondern hoffen auf Einsicht und angepasste Geschwindigkeit."

An 24 Messstellen in Dortmund und Lünen wollten Messpaten den Beamten über die Schulter schauen, wobei manch einer auch nicht zur verabredeten Stelle erschien. Den Messpaten sind die Beamten dankbar für die Hinweise zu „Wutpunkten", die sie mit den eigenen Erfahrungen zu der langen 24-Stunden-Liste zusammenbastelten. Wobei sie diese Messpaten nicht als „Petzen" sehen, sondern sich auch für diese einen Lerneffekt ausrechnen. „Manch einer muss womöglich seinen subjektiven Eindruck korrigieren, dass an einer bestimmten Stelle doch nicht so schnell gefahren wird wie vermutet", meint May.

Kontrollen an Rennstrecke Ostwall

Ohne Bürgerhinweis ist der Polizei bekannt, dass manche Hobby-Rennfahrer den Ostwall zum Rasen nutzen. Doch hier, in der Nähe des städtischen und Käthe-Kollwitz-Gymnasiums, ist die Radarmessung auf drei Spuren mit anschließendem Herauswinken nicht so einfach. In einer Stunde trifft es nur zwei Verkehrssünder, die knapp zehn km/h zu schnell waren. „Wir sind froh, wenn wir so wenige 'rausziehen müssen, viele haben sich anscheinend auf den Blitz-Marathon eingestellt."

Ein Fahrer ärgert sich über seinen Zahlschein: „Ich habe nur kurz aufs Gas gedrückt - und schon war's passiert. Ich bin aber kein Raser und bringe meinen Kindern auf Übungsplätzen gerade Autofahren bei. Ich hatte natürlich mehrfach von der Aktion heute gehört und wohne selber in Schulnähe. Hoffentlich komme ich jetzt ohne weitere Vorkommnisse nach Hause."

Abwechslung und Nachhaltigkeit

Für ein bisschen Abwechslung sorgen am Ostwall zwei Schulgruppen, die auf ihrer Statdtrallye gleich mal die Polizei als Freund und Helfer befragen. Und tatsächlich kann ein Beamter helfen bei der Frage nach einem Sauerländer Bezug in der Innenstadt. Zufrieden gehen die Schüler in Richtung Olpe.

Oberkommissar Frank May macht sich im Rahmen der personalintensiven Durchführung (die genauen Standorte wurden den Polizisten am Montag per Mail mitgeteilt) derweil Gedanken, wie es nach diesem erneut öffentlichkeitswirksamen Blitzmarathon weitergeht. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei zwei solcher Aktionen bleibt. Schön wäre natürlich, wenn wir nachhaltig den Kontrolldruck hochhalten könnten, und wir vielleicht auch so die Leute an angepasste Fahrweisen gewöhnen könnten."

Ruhiger Beginn im Dortmunder Süden 

Morgens, halb acht, in Wichlinghofen. Seit Sechs Uhr stehen hier sieben Beamte der Einsatzhundertschaft, die heute mal in leichter Uniform Geschwindigkeitsmessungen durchführen, statt auf einer Demo oder beim Fußball den Kopf hinzuhalten. Um sechs Uhr hat die Truppe ihren Standort Am Heisterbach bezogen. Ein Bürger hatte die Polizei auf die Stelle aufmerksam gemacht. Hier werde oft gerast. Doch zwischen 6 Uhr und 7.15 Uhr wird eher gerastet - kein Auto, zumindest keines mit überhöhter Geschwindigkeit, in Sicht.

Doch dann geht es zügig voran, um 7.30 Uhr stehen gleich vier Fahrzeuge Schlange, die Fahrer warten auf die Aufnahme der Personalien - und aufs Bezahlen. Die meisten befinden sich am unteren Limit der Messskala, müssen 15 Euro Lehrgeld blechen. "Hier kann man gar nicht viel zu schnell fahren", sagt der Beamte an der Laserpistole und wird sogleich von einer jüngeren Dame im sportlichen Outfit vom Gegenteil überzeugt. Mit ihrem kleinen roten Fiat bewältigt sie den Parcours aus Blumenbeeten und "Berliner Kissen" immerhin mit 59 km/h. Minus drei km/h Toleranz, bleiben 56 Stundenkilometer in der 30-Zone. Das gibt einen Rüffel von der Polizei und eine Anzeige. Zu allem Überfluss hat die Dame keine Papiere dabei, sie war nur kurz auf dem Weg zum Bäcker.

Kurze Wartezeit, zwei Jogger traben vorbei - neun Stundenkilometer. Dann der nächste Autofahrer, mit 39 km/h "rast" er eher moderat. "Ich rolle hier sonst nur den Hügel runter, weil ich weiß, dass hier 30 ist", sagt der Fahrer einer A-Klasse. "Ich will mich gar nicht beschweren", zeigt er Reue. Generell werde in der Straße ohnehin zu schnell gefahren, daher finde er die Kontrolle grundsätzlich gut. So sehen es viele Autofahrer und nehmen's gelassen.

Probleme mit Akkus

Vor größere Probleme stellt die Technik die Beamten. An der Ardeystraße baut ein Team gerade seine Austüstung auf: Stativ, Lasergerät oben drauf. Ein Probeschuss, noch einer zur Entfernungsmessung, dann blinkt die Anzeige, das Gerät geht aus. Der Akku ist leer. Einen Ersatz gibt es nicht. "Wir haben uralte Geräte", erklärt ein Beamter. 15 Jahre hätten die Lasergeräte auf dem Buckel, die Akkus würden längst nicht mehr eine komplette Schicht durchstehen: "Nach zwei Stunden gehen die in die Knie."

An der Messstelle vor der Grundschuile an der Benninghofer Straße ziehen die Beamten ein durchwachsenes Fazit. Einige Temposünder, einige Telefonierer und Gurtmuffel haben sie erwischt. Doch in eine Fall könnte es noch interessant werden. Den Polizisten ist eine verdächtige TÜV-Plakette aufgefallen, möglicherweise ein Fall von Urkundenfälschung.

Laserpistole zwischen Pferden und Kühen

Idyllisch geht es an der Overgünne in Berghofen zu. Rechts muhen Kühe, links wiehern Pferde, in der Mitte zielt das Lasergerät den Berg hinunter auf die Fahrbahn. Ein Autofahrer wird mit 52 km/h gemessen, ansonsten halten sich die Verstöße im Rahmen. Auffällig viele Damen im reiferen Alter sind hier unterwegs. "Ich habe heute morgen in der Zeitung gelesen, dass geblitzt wird", sagt ein Laser-"Opfer" und ist trotzdem in die Falle getappt. Eine Begründung hat sie parat: "Hier geht's bergauf, da muss ich Gas geben. Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich zu schnell war."

In Mengede schaut am Nachmittag Polizeipräsident Norbert Wesseler nach dem Rechten. Rund 45 Minuten dauert es, bis das Messgerät erstmals anschlägt. Auch hier sind die Polizisten froh über jeden Fahrer, den sie nicht "blitzen". Wesseler hofft, dass die Leute auch dann ordentlich fahren, wenn kein Blitz-Marathon angesagt ist, denn "jeden Tag können wir das nicht machen", so der Polizeipräsident. Auch der Leitende Polizeidirektor Günther Overbeck ist zufrieden mit der Aktion und verspricht/droht schon jetzt: "Einen dritten Blitz.Marathon wird es noch in diesem Jahr geben."

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