Polizei Dortmund kontrolliert Straßenstrich und Nordstadt

Andreas Winkelsträter
Am Mittwochabend kontrollierte die Polizei Dortmund bei einer großen Razzia etliche Personen in der Nordstadt. Fotos: Foto: Knut Vahlensieck
Am Mittwochabend kontrollierte die Polizei Dortmund bei einer großen Razzia etliche Personen in der Nordstadt. Fotos: Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund. Komplett abgeriegelt hat die Polizei Dortmund am Mittwochabend den Straßenstrich auf der Ravensberger Straße. Bei der flächendeckenden Aktion in der Nordstadt kontrollierten die Ordnungshüter nicht nur die zahlreichen Freier und Prostituierten auf dem Straßenstrich, sondern auch mehrere hundert Anwohner und Passanten rund um Nordmarkt und Schleswiger Platz.

Um Punkt 19.45 Uhr rollte die Polizei mit mehreren Einsatzwagen an. Alle Zu- und Abfahrten der Ravensberger Straße wurden zugestellt. Keiner kam mehr raus. Die Freier in den Wagen zogen sich zum Teil Mützen ins Gesicht, klappten die Sonnenblenden runter. Mit den Kontrollen hatten sie wohl nicht gerechnet. Jeder einzelne Wagen, jeder einzelne Freier wurde durchleuchtet. Während die völlig verdutzen und zum Teil sichtlich peinlich berührten Männer an den Sperrpunkten ihre Papiere zeigen mussten, wurden die Prostituierten in die Mitte der Ravensberger Straße gebeten. Hier überprüfte die Polizei jede einzelne der etwa 60 Prostituierten nacheinander.

Völlig aufgebracht reagierte Claudia Attig-Grabosch von der Kommunikations- und Beratungsstelle (Kober), die die sich um die Huren kümmern und auf dem Straßenstrich einen Betreuungs- und Beratungsstelle betreiben, auf die Razzia: „Die Frauen halten sich legal hier auf, von denen ist keine kriminell“, richtete sie die Kritik in Richtung Polizei. Sie bewertete die ganze Aktion als völlig überzogen. „Die Ravensberger Straße wird so häufig wie kein anderer Straßenstrich kontrolliert.“ Die Kober-Mitarbeiterinnen wurden ebenfalls völlig überrascht von dieser in der Dimension bislang einzigartigen Razzia auf dem Strich.

Szene verunsichern

Seit mehr als drei Jahren führt die Polizei die großflächigen Kontrollen in der Nordstadt durch, an der am Mittwoch waren fast 100 Beamten beteiligt, zudem auch der Zoll. „Wir wollen die Szene verunsichern“, erklärte Einsatzleiter Ludger Merschjohann. Die Dortmunder Polizei, so erklärte er, setze ihre Hoffnung auf eine komplette Schließung des Straßenstrichs und eine damit einhergehende Ausweitung des Sperrbezirks.

„Der Arbeitgeber Straßenstrich verspricht den Bulgarinnen und Rumäninnen schnelles Geld“, so Merschjohann. Und so sei die kleine Nordstadt überschwemmt worden mit „vielen, die nicht so gesetzestreu sind“. Eine große Zahl von Taschendieben wohne in der Nordstadt. Zudem habe man in letzter Zeit beobachtet, dass die Bulgaren und Rumänen aus dem Umfeld der Prostituierten auch ins Drogengeschäft eingestiegen seien bzw. selbst konsumierten. „Durch die Schließung des Straßenstrichs wird dem ganzen der Nährboden entzogen“, hofft Einsatzleiter Merschjohann.

"Dann gehe ich halt im Puff anschaffen"

„Sollen sie ihn doch schließen“, erklärte eine der deutschen Prostituierten, „dann gehe ich irgendwo in einem Puff anschaffen“. Es gebe, seit die Bulgarinnen und Rumäninnen vor rund zwei Jahren gekommen seien, nichts mehr zu verdienen. Sie böten den Geschlechtsverkehr für 15 Euro an, ohne Kondom, würden auf alle sexuellen Forderungen der Freier eingehen. „Die Kontrollen sind ok, nur verdiene ich jetzt nichts.“

Gegen 17.30 Uhr hatten die Kontrollen am Schleswiger Platz begonnen. Auch den sperrte die Polizei hermetisch ab, kontrollierte alle Passanten. Wenig später ging’s auch in Internetcafés, Teestuben und Kneipen weiter. Bis Mitternacht liefen die Kontrollen. Über die Ergebnisse der Aktion, die fortgeführt werden soll, will die Polizei am Donnerstag berichten.