"Plünderer" stiegen in sechs evakuierte Wohnungen ein

Laut Polizei stiegen die Einbrecher in sechs Wohnungen und eine Gaststätte ein.
Laut Polizei stiegen die Einbrecher in sechs Wohnungen und eine Gaststätte ein.
Foto: WAZ FotoPool
Wo hatten sich die Einbrecher bloß versteckt? Diebe nutzten die große Evakuierungsaktion am Sonntag, um in mehrere Wohnungen und eine Gaststätte im Sperrgebiet einzusteigen. Zuvor hatten Polizei und Ordnungsamt den geräumten Bereich kontrolliert.

Dortmund-Hombruch.. Als der "Wohnblock-Knacker" entschärft wurde, machten sich Türschloss-Knacker über das Hab und Gut der Evakuierten her: Einige Einbrecher nutzten die große Bomben-Evakuierung vom Sonntag für gezielte Einbrüche.

Laut Polizei stiegen die Einbrecher in sechs Wohnungen und eine Gaststätte ein. Die Tatorte liegen alle im Umkreis von rund 300 Metern — betroffen waren Wohnungen in der Egerstraße, Behringstraße und Wupperstraße sowie eine Gaststätte an der Harkortstraße. Entwendet wurde Geld, Schmuck und Unterhaltungselektronik. Schaden: etwa 8000 Euro.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass alle sieben Taten von den selben Tätern begangen wurden. Wann genau die dreisten Täter zuschlugen ist nicht bekannt — es muss wohl zwischen 11 und 16 Uhr gewesen sein.

Diebe hielten sich irgendwo versteckt

Die Polizei hatte die Stadt Dortmund bei der Evakuierung unterstützt. Bis zum Beginn der Entschärfung überwachten Beamte den gesperrten Bereich und suchten die Gegend auch nach Personen ab die sich möglicherweise in der "verbotenen Zone" versteckt hatten.

Aber: Die Fläche im 1500-Meter-Radius ist riesig — die Zahl der Beamten begrenzt. "Wenn sich jemand verstecken will, dann schafft er das auch", muss Polizeisprecherin Cornelia Weigandt zugeben. Sonst würde die Evakuierung Tage dauern. Und überhaupt: Die Täter können auch selbst im betroffenen Gebiet wohnen und einfach nicht öffnen, wenn die Behörden klingeln. Gewaltsam jede Wohnungstür öffnen und unter dem Bett nach Evakuierungsverweigerern suchen darf die Polizei nicht.

Als die Bombenexperten mit der Entschärfung begannen, mussten auch die Polizisten den Sperrbereich aus Sicherheitsgründen verlassen.

Dann schlüpften die Einbrecher offenbar aus den Büschen — oder wo auch immer sie sich vor den Streifen versteckt gehalten hatten. "Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Täter gezielt in Tatortnähe versteckt haben, um die Zeit der Entschärfung für ihre Taten zu nutzten", erklärte Polizeipräsident Norbert Wesseler. Und weiter: "Ich finde es sehr ärgerlich, bedauerlich und es macht mich auch wütend, dass dreiste Einbrecher die Notlage der Hombrucher Bürger ausgenutzt haben, um sich zu bereichern."

Polizei und Ordnungsamt kontrollierte geräumtes Gebiet

Zuvor hatte die Stadt Dortmund angekündigt, die Polizei werde vermehrt Streife fahren und auch einen Hubschrauber einsetzen. Und dennoch: Ein paar Einbrecher schlüpften durch. Das könne die Polizei eben nie ganz verhindern, meinte ein Behördensprecher nur.

In einem "Info-Update" der Stadt-Pressestelle hieß am Donnerstag: "Eine viel gestellte Frage ist die nach dem Schutz vor Plünderungen oder Einbrüchen in der Sperrphase. Deswegen muss sich niemand Sorgen machen, betonen die Sicherheitskräfte. Die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt werden die Letzten sein, die den Sicherheitsring verlassen. Dadurch ist eine flächendeckende Sicherung über die meiste Zeit gewährleistet. Darüber hinaus wird ein Hubschrauber der Polizei das Gebiet aus der Luft überwachen."

Einbrüche gab es bei Evakuierungen schon immer

Ob in Dortmund schon einmal Einbrecher bei einer Evakuierung zuschlugen, konnte die Polizei bislang nicht beantworten. Für die nächste Bombenevakuierung kann die Behörde nur hoffen, dass "die Betroffenen auf ihren gesunden Menschenverstand hören und sich nicht selbst in Gefahr begeben", so Polizeisprecherin Weigandt.

Stadtsprecher Udo Bullerdieck kündigt an, die Stadt werde sich mit der Polizei zusammensetzten und überlegen, wie sich sich Sicherheit beim nächsten Mal verbessern lassen könnte. "Aber ein Restrisiko wird immer bleiben."

Wird es bei der nächsten Bombenentschärfung mehr Evakuierungs-Verweigerer geben, die Angst vor Einbrechern haben? Man mag nur mutmaßen. Aber die Meldung über die "Plünderer von Hombruch" ist da nicht gerade hilfreich. Polizeisprecherin Weigandt und Stadtprecher Bullerdieck sind sich einig: "Wir können Einbrüche nicht gänzlich verhindern."

 

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