Pizza vom Lieferdienst kommt oft kalt und spät

Foto: Manuela Schwerte/press

Dortmund. Pizza-Lieferdienste auf dem Prüfstand: Im Schnitt werden hungrige Kunden arg strapaziert, wenn sie auf „fast food“ und einwandfreie Qualität der gelieferten Speisen warten. Das ist das Ergebnis einer Testreihe der Verbraucherzentrale NRW.

Spontan Lust auf eine heiße Pizza oder auf Mini-Brötchen mit Kräuterbutter? Kunden müssen bei mobilen Pizza-Diensten Abstriche machen: Service oder die exakte Bezeichnung von angepriesenen Produkten lassen in vielen Fällen stark zu wünschen übrig. Zu diesem Schluss kommt die Verbraucherzentrale NRW bei 43 von 60 Bestellungen (entspricht 72 Prozent), die sie im April bei 39 Lieferdiensten, 15 Restaurants und sechs Pizza-Ketten in den Städten Düsseldorf, Bonn und Dortmund telefonisch aufgegeben hat. In Dortmund brachten immerhin 13 von 20 Lieferdiensten die Pizza warm und pünktlich.

"Jeder kennt doch das Problem mit einer kalt gelieferten Pizza", erläutert Ernährungswissenschaftlerin Stefanie Lehmann die Beweggründe dieses Marktchecks. Während Käse und Schinken auf Pizzen schon mehrfach untersucht worden waren, setzten sich die Prüfer nun erstmals mit einem Thermometer und einer Stoppuhr an den Tisch.

Testverfahren

Im Test wurde die Lieferung von Pizzen und Kräuterbutter zu einer bestimmten Uhrzeit vereinbart. Die Ware sollte demnach von den rollenden Diensten exakt nach einer dreiviertel Stunde geliefert werden. Die Tester, die in einem bestimmten Gebiet wie normale Kunden bestellten, tolerierten hierbei auch eine Abweichung von plus oder minus zehn Minuten. Fast jede vierte bestellte Pizza wurde jedoch mehr als zehn Minuten zu spät oder zu früh gebracht. Ein Pizza-Service stand erst nach nochmaliger Anfrage – also eine geschlagene Stunde später zu den 45 Minuten Wartezeit – mit dem warmen Pappkarton samt Pizzabrötchen vor der Tür.

Die Empfehlung der Verbraucherzentrale NRW: Um sicher zu sein, dass eine Bestellung von warmen Speisen auch zur vereinbarten Zeit auf dem Teller landet, sollten Kunden am besten am Telefon eine feste Zeit mit dem Lieferanten vereinbaren und unmissverständlich klar machen, dass sie die Bestellung bei unpünktlicher Lieferung nicht annehmen werden.

Mindesttemperatur 65 Grad

Ist die Pizza nicht warm genug, schmeckt sie nicht mehr. 65 Grad gelten in der Gemeinschaftsverpflegung als empfohlene Mindesttemperatur bei heiß zu haltenden Speisen. 24 Bringdienste (40 Prozent) patzten jedoch in punkto Wärme: Die Temperatur ihres belegten Fladens lag unter 65 Grad. Für 36 Lieferanten war die ausreichende Warm- bzw. Heißhaltung dagegen kein Problem – zehn Pizzen waren bei Ankunft sogar wärmer als 70 Grad; viermal kletterte das Messthermometer nach Eintreffen der dampfenden Ware auf mehr als 80 Grad. Eher kalte Küche gab es dagegen bei einer Pizza mit einer Liefertemperatur von gerade mal schlappen 41 Grad zu verzeichnen.

Der unterm Strich lauwarme Service ist für Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, nicht akzeptabel: „Ein Pizza-Dienst sollte seine Speisen pünktlich und heiß liefern, sonst ist der Service mangelhaft.“

Etikettenschwindel bei Kräuterbutter

Besonders übel: Bei den mitgeorderten Pizzabrötchen mit Kräuterbutter kamen die Konsumentenschützer einer Verbrauchertäuschung auf die Spur. Im Labor gingen die Tester bei 53 Proben den Inhaltsstoffen des würzigen Aufstrichs an die Substanz. Bei 22 Lieferungen (42 Prozent) hielt die gelieferte Kräuterbutter nicht, was ihre Fett-Bezeichnung eigentlich verspricht: nämlich reine Butter! Sechs der untersuchten Töpfchen wiesen ein Fettsäuremuster auf, das auf die Verwendung von Margarine statt Butter schließen ließ. Bei 16 Proben handelte es sich um einen Mix aus Margarine und Butter. In Dortmund verbargen sich hinter 20 Kräuterbutter-Lieferungen neun Fälle von Kräutermargarine-Gemischen.

Verbraucherzentralen-Chef Müller: „Was auf einem Speise- und Bestellplan angegeben ist, muss auch in der Lieferung enthalten sein. Eine falsche Deklaration von Kräuterbutter ist nicht hinnehmbar. Betreiber von Pizza-Diensten und -Restaurants dürfen keine falsche Bezeichnung benutzen, nur weil sie besser klingt.“ Müllers Tipp: Kunden sollten darauf achten, dass sie sich nicht Margarine als Butter vorsetzen lassen und bei vermuteter Täuschung die zuständige Lebensmittelüberwachungsbehörde einschalten.

Nachspiel droht

"Die Firmen sind über die Ergebnisse nicht in Kenntnis gesetzt", so Ökotrophologin Stefanie Lehmann. Die Verbraucherzentrale NRW leitet die zu beanstandeten Testergebnisse an die zuständige Überwachungsinstanz zur rechtlichen Prüfung weiter. Der Test zu Pizzadiensten wurde mit Mitteln des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Die Kräuterbutter-Überprüfung geschah in Kooperation mit der Lebensmittelüberwachung.

 
 

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