Pinguine verschwunden - mysteriöse Serie im Dortmunder Zoo

Humboldt-Pinguine stammen aus Peru und Chile.
Humboldt-Pinguine stammen aus Peru und Chile.
Foto: dpa
Ein junger Humboldt-Pinguin ist tot, zwei sind einfach weg. Die mysteriöse Serie im Dortmunder Zoo reißt nicht ab.

Dortmund.. Die Pinguine wirken an diesem Dienstag wie eine Trauergesellschaft, befrackt im Niesel. Da reckt auch noch einer den Schnabel gen Himmel und fängt an zu klagen. Na, es ist nur Fütterungszeit im Dortmunder Zoo, aber sie haben ja tatsächlich drei der ihren verloren. Ein Pinguin wurde am Montagmorgen tot bei den Flamingos gefunden, zweihundert Meter weiter vor dem Gehege, die anderen zwei bleiben verschwunden. Es ist der dritte mysteriöse Fall in kurzer Zeit, bei dem Tiere aus dem Dortmunder Zoo verschwunden oder umgekommen sind.

Die unheilvolle Serie begann mit dem wahrscheinlichen Diebstahl von drei Zwergseidenäffchen und zwei Zwergagutis Mitte August. Ihr Käfig war aufgebrochen, die Tiere erzielen auf dem Schwarzmarkt hohe Preise. Anfang November dann wurde die Seelöwin Holly tot in ihrem Gehege gefunden, sie hatte ein Loch im Kopf, ihr fehlten drei Zähne. Der tote Pinguin nun wies laut einer Polizeisprecherin ebenfalls Kopfverletzungen auf. Er wird noch untersucht.

Wie sind sie aus dem Gehege gekommen?

Zoodirektor Frank Brandstätter wirkt angeschlagen, als er den „merkwürdigen Fall“ vor der Presse erklären muss. Die drei Humboldt-Pinguine waren Jungtiere, stolze Nachzucht, kein Jahr alt. „Es lässt sich für uns nicht nachvollziehen, wie sie aus dem Gehege gekommen sind.“ Ein Pinguin wurde schon am Montagmorgen gegen 8 Uhr bei den Flamingos gesichtet, vermutlich lebend. Aber der Mitarbeiter wusste nicht, ob das Tier dort hingehörte und achtete nicht auf Verletzungen. Um 10 Uhr bemerkten Pfleger dann das Fehlen der drei Pinguine.

Nach den beiden verschwundenen Vögeln – sie können nicht fliegen – sei groß gesucht worden, die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass sie sich nicht mehr auf dem Gelände befinden, sagt Brandstätter. „Das sind ja keine Mini-Vögelchen.“ Die Pinguine seien sehr wertvoll – vielleicht eine hohe fünfstellige Summe.

Der Zoo glaubt wie im Fall Holly eher an ein „Fremdverschulden“ als an einen Unfall. Allerdings ist nicht ausgemacht, dass die drei Fälle etwas miteinander zu tun hatten.

Die vielleicht kniehohen Pinguine trennt von der Freiheit nur der etwa zwanzig Zentimeter hohe Glasrand ihres Beckens, ein Sturz, vielleicht einen Meter tief auf Kiese, und ein Mini-Zäunchen, an dem Steine und Pflanzen anliegen. Zoo-Tierärztin Christine Osmann erklärt, dass es sehr selten vorkomme, dass Pinguine sich „bei Fütterungen im Überschwang“ aus dem Wasser und über den Rand katapultieren. „Nachts haben sie aber keine Veranlassung, ins Wasser zu gehen.“ Allerdings wütete in der Nacht zu Montag ein kleines Unwetter.

Polizei glaubt im Fall Holly an einen Unfall

Die Polizei prüft nun einen Diebstahl und Tierquälerei. Aber sie schließt keinesfalls aus, „dass die Ermittlungen eine Flucht der Tiere und somit ein Unglück bestätigen“. Tatsächlich ist man bei der Polizei nach Informationen dieser Zeitung der Meinung, dass Seelöwin Holly durch einen Unfall ums Leben gekommen ist – auch wenn es zum Abschluss der Ermittlungen vor etwa einer Woche nur hieß: „Der Verdacht auf ein Fremdverschulden ließ sich nicht erhärten.“ Diese Sprachregelung lässt dem Zoo offen, einen Unfall Hollys fast auszuschließen. Ob womöglich eine defekte Klappe zu einem Außengehege – ähnlich einer Guillotine – Holly auf den Kopf geschlagen ist, wird wohl nicht mehr geklärt werden.

Zoodirektor Brandstätter will nach dem Verschwinden der Pinguine die Sicherheitsvorkehrungen nochmals erhöhen.

 

EURE FAVORITEN