PCB-Alarm auf dem Campus

PCB Verdacht an der TU-Dortmund. Am Campus Süd sind zwei Geschoßbauten davon betroffen. WR-Bild: Ralf Rottmann
PCB Verdacht an der TU-Dortmund. Am Campus Süd sind zwei Geschoßbauten davon betroffen. WR-Bild: Ralf Rottmann
Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  PCB-Alarm an der Universität Dortmund: Zwei Gebäude auf dem Campus Süd sind dermaßen stark mit dem krebserregenden Gift belastet, dass sie abgerissen werden. Langjährige Uni-Mitarbeiter haben erhöhte PCB-Werte im Blut. Schwangere und andere Risikogruppen sind längst in andere Gebäude ausquartiert.

Das Problem ist seit 15 Jahren bekannt. Jetzt spitzt es sich zu. Messungen der Raumluft in den Geschossbauten IV und V ergaben hohe Giftkonzentrationen. Der Spitzenwert lag über 2800 Nanogramm PCB pro Kubikmeter. Zum Vergleich: Weniger als 300 ng/m³ gelten als langfristig tolerierbar, 900 ng/m³ als grenzwertig für Schwangere. Ab 3000 ng/m³ müssen Räume sofort geräumt und saniert werden. In den betroffenen Komplexen sind Maschinenbau-Studenten, Informatiker und die Mitarbeiter des Rechenzentrums der Uni untergebracht.

PCB im Blut

Das Blut von rund 30 Beschäftigten, die länger als 15 Jahre und mehr als 30 Wochenstunden in den belasteten Gebäuden arbeiten, wurden im Hygieneinstitut des Uniklinikums Aachen analysiert – von Prof. Dr. Thomas Kraus, jenem PCB-Experten, der auch das Untersuchungsprogramm im Envio-Giftskandal leitet. Er bestätigt der WR „PCB-Konzentrationen über dem Schnitt der Normalbevölkerung“. Bei einer Person liege der Giftanteil im Blut achtmal höher. „Das sind aber immer noch geringe Belastungen“, sagt Kraus. „Wahrscheinlich sollten Studenten und Halbtagskräfte keine erhöhten Werte haben.“ Kraus schränkt ein: „30 Probanden sind nicht repräsentativ. Ob das die Belastungsspitze ist, wissen wir nicht.“ In einem vergleichbaren Fall wurden in Aachen mehr als 200 Menschen getestet. Die Befunde: zehnmal schlechter als in Dortmund.

Sensible Personengruppen wurden aus den Gebäuden auf dem Campus Süd ausgelagert. „Höher Belastete sollten sofort einen neuen Arbeitsplatz angeboten bekommen“, empfiehlt Kraus, „Schwangere sowieso“. Auch „Frauen in gebärfähigem Alter“ sollten „informiert, aufgeklärt und auf Wunsch versetzt werden“.

Raumluft belastet

Das PCB schlummert in den Fugendichtungen der Bauten IV und V. Es dampft aus und belastet erst die Raumluft. Später setzt sich das Gift in Wände, Böden und Möbel. Fugenversiegelungen, häufiges Lüften und Reinigen haben die Spitzenbelastungen schon gesenkt. Doch eine Sanierung der Gebäude scheidet aus. „Der Abriss ist beschlossene Sache“, so Helmut Heitkamp, Chef des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) NRW in Dortmund. Zwei Neubauten werden hochgezogen. Voraussichtlicher Baubeginn: Herbst 2011. Im Herbst 2013 sollen sie fertig sein. Beide Objekte zusammen haben 10 000 m² Nutzfläche und sollen 40 Mio. Euro kosten. Bauherr und Eigentümer ist der BLB, die Finanzierung erfolgt über das Hochschulmodernisierungsprogramm. Die Uni äußerte sich gestern nicht zum Thema. Für Montag stellte Pressesprecher Ole Lünnemann eine Stellungnahme in Aussicht.

 
 

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