Paar heiratete mitten im Dortmunder Demo-Trubel

Thilo Kortmann
Am Samstag heiratete ein Brautpaar im Trubel der Demo. Die Braut kam mit Polizeischutz zur Kirche. Fotos: Marcus Simaitis
Am Samstag heiratete ein Brautpaar im Trubel der Demo. Die Braut kam mit Polizeischutz zur Kirche. Fotos: Marcus Simaitis
Foto: Marcus Simaitis

Dortmund. Mit Blaulicht vor den Altar: Während sich am Samstag ein Großaufgebot von Polizisten mit Linken und Rechten abmühte, gab sich ein Paar inmitten des Demonstrationstrubels in Dortmund das Ja-Wort - mit Polizeibegleitung.

Die Ehe - eine Demonstration der Liebe. Und eine Hochzeit passte dann wiederum am Samstag ganz gut zu den vielen anderen Aktionen in Dortmund, die sich für Toleranz, Vielfalt und Nächstenliebe einsetzten. Dennoch: Hätten Maren und Markus Schill das alles vorher gewusst, dann hätten sie Trauung doch noch mal verlegt.

Gerade auch, weil die beiden Eheleute den Bund fürs Leben mitten im Brennpunkt der Demos schlossen: in der Pauluskirche in der Schützenstraße, mitten in der Nordstadt.

Theater wegen Polizei-Blockaden

„Die Einladungen waren alle schon verschickt“, sagte Bräutigam Markus. „Aber am 11. September wollten wir aus ethischen Gründen auch nicht heiraten“. Und dass es so viel Theater mit den Polizei-Blockaden gebe, damit habe er auch nicht gerechnet.

Mit einer Polizei-Eskorte und einem Sonderbus der DSW 21 wurde das Ehepaar samt 50-köpfiger Hochzeitsgesellschaft gegen 14 Uhr von der Schillerstraße aus zur Kirche gefahren. Und wie es der Zufall wollte, hielt gerade eben, als der Sonderbus losfahren wollte, eine Gruppe der Antifa direkt vor dem Wohnhaus eine Sitzblockade ab. „Wir konnten aber die Sitzblockade zügig auflösen“, so Thomas Düsberg von der Polizei.

Alles habe aber, so Schill, super geklappt. „Allerdings fehlen noch ein paar Arbeitskollegen von mir. Die kommen nicht durch die Blockaden“.

Die Stimmung sei aber, trotz der Umstände, sehr gut. Seit zwei Wochen stände man im engen Kontakt mit der Polizei. „Toll, wie sich die Polizei darum gekümmert hat, dass wir hier heute ohne Probleme heiraten können“.

Trotz allem gute Laune

Auch Braut Manuela ließ sich die gute Laune nicht vermiesen. „Aber es hätte auch ein anderes Wochenende sein können“, sagte die 26-Jährige lächelnd.

„Wir begleiten die Hochzeitsgesellschaft nach der Trauung gegen 16 Uhr wieder zurück in die Schillerstraße und dann ist unser Einsatz beendet“, erklärte Düsberg.

Für die Eheleute war der Feiertag allerdings noch lange nicht beendet. „Wenn sich die ganze Situation beruhigt hat, dann feiern wir so gegen 19 Uhr in der Gartenanlage an der Schützenstraße weiter“, so der Bräutigam.