Ostwall – ein Museum zieht in den U-Turm

Michael Kohlstadt
Das Museum am Ostwall hat seine Pforten geschlossen, die Vorbereitungen auf den U-Turm laufen auf Hochtouren. Foto: Helmuth Voßgraff/WAZ Fotopool
Das Museum am Ostwall hat seine Pforten geschlossen, die Vorbereitungen auf den U-Turm laufen auf Hochtouren. Foto: Helmuth Voßgraff/WAZ Fotopool
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Dortmund. Der Umzug des Museums am Ostwall ins U läuft auf Hochtouren – wenn auch ganz dezent. Tausende Kunstwerke sind inventarisiert, restauriert und für den Transport hergerichtet. Schließlich rückt am 3. September die Spedition an.

Umzüge sind nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Gewöhnlich läuft es ja so ab: Nach wochenlangen Vorbereitungen sitzt man völlig erschöpft auf vollgestopften Kisten und wartet auf den Umzugswagen, der dann – sorry – einen Motorschaden hat.

Stellt sich die Frage: Wie zieht eigentlich ein ganzes Museum um? „Diskret“, sagt Kurt Wettengl ganz unaufgeregt. Der Direktor des Dortmunder Ostwallmuseums macht nicht den Eindruck, als stehe er am Rande des Nervenzusammenbruchs. Dabei läuft der Umzug ins U bereits auf Hochtouren. Ab 3. September rücken die Spediteure an. Sechs Tage soll der innerstädtische Ost-West-Kunsttransfer auf die andere Seite des Wallrings dauern. Ab dem 24. September hat Dortmunds wertvollster Kunstschatz dann offiziell eine neue Adresse.

Ostwall seit über einem Jahr geschlossen

Dass Wettengl in diesen hektischen Tagen den Ruhigen gibt liegt sicher auch an der langen Vorlaufzeit, die ihm und seinem Team gegönnt war. Seit über einem Jahr sind die Pforten am Ostwall dicht, der Museumsbetrieb faktisch eingestellt. Die Verzögerungen an der U-Turm-Baustelle – hier haben sie einmal für Entspannung gesorgt.

Wer aber glaubt, hinter dicken Museumsmauern könne man ohne Publikumsverkehr eine ruhige Kugel schieben, irrt. Auch ohne Sammlung ist man am Ostwall schwer in Bewegung gekommen. Dafür dürften schon allein die 3000 Kinder und Jugendlichen aus Dortmund und Gelsenkirchen gesorgt haben, die bisher im Zuge des 2010-Projekts „Collection Tours“ einen Kunstunterricht der etwas anderen Art erleben konnten.

Tausende Kunstwerke inventarisiert und restauriert

Noch mehr abverlangt haben dem eher überschaubaren Museumsteam allerdings die akribischen Vorbereitungen auf den eigentlichen Umzug Anfang September.Tausende Kunstwerke mussten inventarisiert, restauriert und für den Transport hergerichtet werden. Eine festangestellte Restauratorin und eine weitere befristete Fachkraft waren und sind damit befasst. Das Kunst Plackerei ist, kann man dabei leicht erkennen.

Marc Dions vielteilige Rauminstallation „Frankenstein in the Age of Biotechnology“ etwa, wurde abfotografiert und anschließend in ihre Einzelteile zerlegt. Allein die Inventarliste dieses Werkes umfasst 23 Seiten, die Frankenstein-Kisten stapeln sich mannshoch. Um den originalgetreuen Wiederaufbau im U zu gewährleisten, reist eigens ein Spezialist an, der mit dem Werk des US-amerikanischen Objektkünstlers vertraut ist.

Für jede Skulptur eine passende Transportpalette

Viel Aufwand wird auch an anderer Stelle betrieben. Für jede Skulptur gibt es eine passende Transportpalette. Jedes Kunstwerk wird individuell verpackt, besonders Zerbrechliches mit Seidenpapier oder Luftpolsterfolie umwickelt. Viele Kisten sind außerdem aus speziellem, nämlich säurefreiem Kartonpapier. Der eigentliche Umzug ist da noch die geringste Arbeit. Unauffällig wird es zugehen ab dem 3. September, eben diskret. Immerhin transportiert man Millionenwerte.

Das Haus am Ostwall verlässt Wettengl mit gemischten Gefühlen. Die Vorfreude aufs U ist so groß, da hat Wehmut keine echte Chance. „Als Museum hat der Ostwall klare Schwächen“, sagt Wettengl. „Das Gebäude hat aber Charakter. Es wäre schade, wenn es abgerissen würde.“