OB-Skandal in Buchform?

Foto: Franz Luthe

Dortmunds ultimative Schmuddelgeschichte - das nächste Kapitel. Jetzt soll ein Buch erscheinen über die „Bargeld-Affäre” im Büro von OB Dr. Gerhard Langemeyer.

Die Frau, von der es handelt, Heike P., hat bereits eingeräumt, hunderttausende Euro veruntreut zu haben, um ihre Kokainsucht zu finanzieren. Über den Mann, der ihre Geschichte verfasst und schon jetzt zu vermarkten versucht, schrieb der Focus 1996, dass „sein Weg von Affären gepflastert ist”.

Heike P., die Bargeldbotin aus dem OB-Amt. Seit fast eineinhalb Jahren liefern ihre Geschichte und deren Spätfolgen immer neue Schlagzeilen. Zuletzt, weil OB Langemeyer im Zuge der Aufarbeitung zwei Mitarbeiterinnen der Stadtkasse fristlos feuern ließ, eine Solidaritäts-Demonstration von mehr als 1000 Stadtbediensteten unter seinem Bürofenster provozierte und die eigene Belegschaft gegen sich aufbrachte.

WR deckte den Skandal auf

Gregor Beushausen, Redakteur der Westfälischen Rundschau, hat im Frühjahr 2007 als Erster über den Skandal berichtet. Schnell sprangen andere auf den Recherchezug auf, wühlten im Dreck, versuchten Kapital aus der Geschichte zu schlagen. Vor allem politisch.

Langemeyer ist durch die Affäre schwer angeschlagen. Die Aussicht auf einen Prozess gegen Heike P. zu Wahlkampfzeiten im Frühjahr 2009 sorgt in der SPD-Spitze für großen Kummer. Und nun auch noch ein Buch? Gewiss nicht vor dem Prozess, dessen Start Dr. Annedore Flüchter, Sprecherin des Landgerichts Dortmund, „eher nicht mehr in diesem Jahr” erwartet. Auf jeden Fall aber im nächsten. Mitten im Wahlkampf? Und dann auch noch ein Buch, gewürzt mit neuen Enthüllungen? Mit pikanten Anekdoten aus dem Umfeld des OB oder wenigstens doch mit Andeutungen? Andererseits: Welche juristisch relevanten Details sollten in einer solchen Veröffentlichung stehen, die Heike P. nicht längst unter Eid vor Gericht ausgesagt hätte?

Das Buch über Heike P., die Bargeld-Botin aus dem Amt von OB Langemeyer: Jörg Hoffmeister will es schreiben, ein Verlag habe bereits Interesse bekundet, sagt er.

Mischung aus Autobiografie, Roman und Doku

„Eine Mischung aus Autobiografie, Roman und Dokumentation” soll es werden. Wie er überhaupt auf die Idee kam: Nun, sagt der 62-Jährige, er habe „den Stoff quasi auf dem Silbertablett serviert bekommen”, durch seinen „guten Draht zum Dortmunder Strafverteidiger Günter W. Wuttig”, der Heike P. vor Gericht vertreten wird.

Wuttig will die Buchpläne am liebsten „gar nicht kommentieren”. Nur soviel: Er sei „interessiert daran, dass der ganze Fall auf möglichst kleiner Flamme gekocht wird”. Dass Hoffmeister einer überregional erscheinenden Zeitung gegen Honorar Vorab-Infos aus dem Buch angeboten hat - auch dazu von Wuttig: „kein Kommentar”. Hoffmeister selbst sagt: „Das mit der anderen Zeitung ist eingestellt. Das ist unseriös, so will ich das nicht.” Er will als Journalist wahrgenommen und nicht - wie unlängst in einer anderen Dortmunder Zeitung - als „Nachrichten-Händler” oder „schillernder Vertreter seines Metiers” bezeichnet werden. Er habe „nie mit Nachrichten gehandelt”, sagt Hoffmeister.

Um Seriösität bemüht

Um Seriösität muss er schon deshalb bemüht sein, weil manche, die das Buch weniger mit Vorfreude als vielmehr voller Furcht erwarten, seinen Ruf in Zweifel ziehen. Grund sind Geschichten aus Hoffmeisters Vergangenheit, die in den 90er Jahren in Magazinen wie „Spiegel” und „Focus” Seiten füllten und zurzeit wieder Gesprächsthema in Dortmund sind.

Einmal ging es um den Vorwurf, Hoffmeister habe als Chefredakteur der Tele-F.A.Z. Nackt-Filmchen drehen lassen und Bestechungsprovisionen für Aufträge kassiert. Bei der konservativen und peinlichst auf Seriösität bedachten Frankfurter Allgemeinen Zeitung gilt diese Geschichte bis heute als dunkler Punkt in der langen Tradition des Blattes. Am Ende habe man sich möglichst geräuschlos verglichen - und einvernehmlich getrennt.

1999 kurz Geers-Berater

Ein paar Jahre später berichtete das Fachmagazin „Ärztliche Praxis” über einen „Millionenskandal bei der KV Bayern”. Es ging um die Sendung „Gesundheit heute”, die die Kassenärztliche Vereinigung mit der Firma Terra TV für die Ausstrahlung auf n-tv produzierte. Chefredakteur war Jörg Hoffmeister. Wegen angeblich geschönter Einschaltquoten (Focus titelte: „Der Quotenmacher”) gab es schließlich eine Strafanzeige wegen Betruges und am Ende eine Geldstrafe - so gering allerdings, dass Hoffmeister nicht als vorbestraft gilt.

Als er 1999 im Dortmunder Kommunalwahlkampf im Beraterteam des CDU-OB-Kandidaten Dr. Volker Geers auftauchte, wärmte eine Mitarbeiterin aus dem Team von SPD-Widersacher Dr. Gerhard Langemeyer diese alten Geschichten auf. Ein Radiosender berichtete; Hoffmeister klagte auf Unterlassung, zu der sich der Chefredakteur des Rundfunksenders auch verpflichtete.

Volker Geers erinnert sich. „Wir haben seinerzeit nur kurz überlegen müssen. Uns war sofort klar, dass wir derlei Nebenschauplätze im Wahlkampf nicht brauchen können.” Die Wege von Geers und Hoffmeister, der diese alten Geschichten zur „üblen Nachrede” erklärt („Das ist doch alles längst vom Gericht widerlegt”), trennten sich. „Das war keine große Sache damals”, sagt Geers.

Heike P. und das Koks

Nun also das Buch über Heike P. - Wie schnell eine Frau in so eine Geschichte rutschen kann, weil sie sich im Urlaub verliebt und vom vermeintlichen Traummann auf Koks gebracht wird, will Hoffmeister die Angeklagte schildern lassen. Enttäuschte Liebe. Zerstörerische Sucht. Aber auch, wie leicht es war, sich bei der Stadtkasse all das Geld zu besorgen. Die Berichterstattung der Medien über die „Bargeld-Affäre” will er dem gegenüberstellen. Journalistisch sauber und seriös.

Dass ein solches Buch Leser findet, auch über Dortmund hinaus, davon ist Hoffmeister überzeugt. Sogar Potenzial für einen Fernsehfilm sieht er. Was er nicht will: „Jemanden an den Pranger stellen oder absägen. Daran liegt mir nichts. Das ist die Aufgabe von Polizei und Staatsanwaltschaft.” Und was er nicht brauchen kann: Dass die SPD einen anderen OB-Kandidaten als Langemeyer aufstellt. Denn dann wäre die Brisanz ziemlich raus aus dem Projekt.

 
 

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