OB Sierau lehnt VRR-Sozialticket ab – Dortmunder Variante günstiger

Schließt sich Dortmund am Sozialticket-Versuch des VRR an? Wohl eher nicht. Archivbild: WAZ-Fotopool
Schließt sich Dortmund am Sozialticket-Versuch des VRR an? Wohl eher nicht. Archivbild: WAZ-Fotopool
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Dortmund.. Bleibt’s beim Dortmunder Sozialticket für 31,56 Euro oder schließt sich die Stadt dem VRR-Versuch an, ein Ticket für 29,90 Euro einzuführen? Wohl kaum – aus finanziellen Gründen. Dabei wäre der Vorteil für die Nutzer enorm.

Ende des Monats fallen die Würfel: Soll es beim „Dortmunder Sozialticket“ für 31,56 Euro monatlich bleiben – oder schließt sich Dortmund dem Kreis jener Städte an, die das vom VRR beschlossene Sozialticket für 29,90 Euro einführen? Die Frage muss der Rat in seiner Sitzung am 29. September beantworten.

Geht es nach OB Ullrich Sierau, in Personalunion Aufsichtsratsvorsitzender der Dortmunder Stadtwerke (DSW21), klinkt sich Dortmund nicht in den zweijährigen Testlauf des VRR ein, sondern belässt es bei der jetzigen Regel. Der Grund ist finanzieller Natur: Die Stadt müsste wohl draufzahlen, wenn sie sich dem VRR-Versuch anschlösse. 7000 Dortmunder haben derzeit das Sozialticket für 31,56 Euro in der Tasche.

Da es sich um eine verbilligte Fahrkarte handelt (regulärer Preis: 38,37 Euro), zahlt die Stadt DSW einen Ausgleich von 50 000 Euro/Jahr. Dieser Defizitausgleich könnte sich im Falle des VRR-Sozialtickets auf bis zu „eine Million Euro“ erhöhen, wie Sierau kritisiert. Selbst der VRR kalkuliere mit dieser Mehrbelastung für die Kommune. Zwar stelle das Land für die Jahre 2011 und 2012 insgesamt 15 Mio. Euro an Ausgleichszahlungen zur Vergügung. „Ob das aber reicht, ist fraglich“, sagt Sozialdezernentin Birgit Zoerner. „Sauber rechnen lässt sich das noch nicht.“

Das VRR-Sozialticket ist das Kind einer schwarz-grünen Mehrheit in der Verbandsversammlung. SPD-Fraktionschef Ernst Prüsse war gegen den Beschluss stets zu Felde gezogen. Sierau pflichtete ihm am Dienstag bei. Das sei ein „typisches Beispiel dafür, dass übergeordnete Gremien beschließen, das untere Ebenen bezahlen sollen.“ Er wundere sich, dass die CDU das mittrage, schließlich habe auch sie sich die Forderung nach dem „Konnexitätsprinzip“ zu eigen gemacht. Soll heißen: Wer die Musik bestellt, hat sie auch zu bezahlen.

Schlösse sich der Dortmunder Rat mit schwarz-grüner Mehrheit dem VRR-Ticket an, hätten bis zu 120.000 Bürger Anspruch auf die preiswerte ÖPNV-Karte. Auch Wohngeldempfänger könnten auf das Billig-Ticket zurückgreifen – was beim „Dortmunder Sozialticket“ nicht der Fall ist. Das VRR-Ticket (es geht immer um die Preisstufe A) wäre mit 29,90 Euro um rund 1,60 Euro pro Monat billiger und brächte seinen Nutzern vor allem den Vorteil, dass sie vor 9 Uhr morgens in Busse und Bahnen der Stadtwerke einsteigen könnten – das „Dortmunder Sozialticket“ hingegen erlaubt die Mitfahrt erst ab 9 Uhr. Bis 1. Oktober müssen die Städte dem VRR mitgeteilt haben, ob sie sich in den Versuch einklinken.

Zur Erinnerung: Die erste Variante des Dortmunder Sozialtickets vor Jahren kostete die Nutzer 15 Euro – und die Stadt innerhalb von zwei Jahren rund 12 Millionen Euro. Rund 22 000 Dortmunder waren damals mit der Billig-Fahrkarte unterwegs.

 
 

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