Nur 30 Besucher bei Flughafen-Anhörung

Von Peter Bandermann
Westfalenhalle 8, Dortmund: Am ersten Tag war das Interesse eher gering.
Westfalenhalle 8, Dortmund: Am ersten Tag war das Interesse eher gering.
Foto: Peter Bandermann
Der Flughafen Dortmund will seine Betriebszeiten bis in den späten Abend ausdehnen. Doch der Widerstand unter den Anwohnern ist groß. Bevor die Bezirksregierung entscheidet, hört sie beide Seiten an - in einer fünftägigen Mammut-Anhörung in der Westfalenhalle. Der erste Tag im Minutenprotokoll.

Dortmund. Letzte Aktualisierung 12.21 Uhr:

An dieser Stelle beenden wir unsere Live-Berichterstattung. Wir bedanken uns für Ihr Interesse!

Aktualisierung 11.51 Uhr:

Hinweis für Berufstätige: Wer jetzt arbeiten muss und die Diskussion vor Ort nicht verfolgen kann: Um 14 Uhr wiederholt sich die Tagesordnung. Dann geht es bis 18 Uhr erneut um Verfahrensfragen, um den Bedarf für Genehmigungserweiterung und um die Gutachterqualität.

Aktualisierung 11.39 Uhr:

Günter Riedel drängt erneutauf einen Abbruch der Veranstaltung, da er der Bezirksregierung "Befangenheit" vorwirft. Verhandlungsführer Theo Keller sagt, dass die Bezirksregierung in Münster und als Aufsichtsbehörde auch das NRW-Verkehrsministerium informiert worden seien. Der Befangenheits-Vorwurf werde geprüft. Eine Entscheidung falle im Laufe des Tages. Bis dahin, erklärt Keller, werde die Anhörung trotz unterschiedlicher Rechtsauffassungen darüber fortgeführt.

Aktualisierung 11.25 Uhr:

Auf Nachfrage von RuhrNachrichten.de erläutert Gutachter Dr. Werner Pook den Begriff Nachtschutzzone. Zurzeit ist diese deckungsgleich mit dem Flughafen-Gelände. Bei durchschnittlich zehn Landungen zu späteren Zeiten (Anflug aus Richtung Osten) muss diese auf Unna ausgeweitet werden. In Richtung Aplerbeck / Schüren (also auf Dortmunder Gebiet) wird die Nachtschutzzone nicht ausgeweitet, weil die Maschinen so steil starten würden, dass sie kritische Lärm-Bereiche nicht erreichen würden.

Aktualisierung 11.16 Uhr:

Wichtige Information für Bürger in Unna: Gutachter Dr. Werner Pookäußert sich zum Lärmschutz. Durch Landungen nach 23 Uhr würde die Nachtschutzzone um bis zu fünf Kilometer in Richtung Unna ausgedehnt. Was den Flughafen per Gesetz zu "erheblichen Aufwendungen für Schallschutzfester" verpflichten werde. Jetzt gibt es eine Pause, in der erneut Wortmeldungen angenommen werden. Um 11.35 Uhr geht es weiter. Der Versammlungsleiter weist nochmals auf das Filmverbot für Medien hin, obwohl die Veranstaltung öffentlich ist.

Aktualisierung 11.10 Uhr:

Brackels Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka stand am Mikrofon. Seine Frage: "Sind die organisatorischen und finanziellen Probleme des Flughafens wichtiger als die Schutzinteressen der Anwohner?. Seine Aufforderung an die Bezirksregierung: "Setzen Sie den Schutzder Anwohner als Gut an die höchste Stelle." Verhandlungsleiter Theo Kellerstellt klar, dass dies per Gesetz so vorgeschrieben sei.

Aktualisierung 10.52 Uhr:

In seiner Rede geht Johannes Kleinschnittger als Privatperson (er ist auch Mitglied der Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm) auf die Prognosen des Flughafens ein. Diese seien mit bis zu sechs Millionen Passagieren immer wieder "beschönigt" worden. "Tatsächlich hat aber eine Verflachung der Prognosen stattgefunden", lautet Kleinschnittgers Bilanz. Für eine Ausdehnung der Betriebszeiten bestehe also kein Bedarf. Bisher hat sich noch kein Befürworter ausgedehnter Betriebszeiten ans Mikrofon gestellt. Jetzt äußert sich Flughafen-Chef Bunk. Er sagt: "Die Welt dreht sich weiter und wir passen unsere Prognosen an."

Aktualisierung 10.48 Uhr:

Ursula Wirtz bezeichnet den Anhörungstermin als "Alibi-Veranstaltung", die keinen Wert besitze, da die Bezirksregierung sich schon vor dem Termin festgelegt und kein "ernsthaftes Interesses" an einer Diskussion habe. Die Schutzgeminschaft werde sich deshalb nicht weiter äußern. Verhandlungsführer Theo Keller von der Bezirksregierung Münster weist diesen Vorwurf zurück und appelliert an die Schutzgemeinschaft, weiter ihre Bedenken vorzutragen. Das sei für das weitere Verfahren wichtig.

Aktualisierung 10.23 Uhr:

Die erste Rednerliste ist abgeschlossen. Nach dem Tagesordnungspunkt "Verfahrensfragen" geht es nach einer Pause ab 10.40 Uhr um den Bedarf für längere Betriebszeiten. Nächste Redner sindist dann Ursula Wirtz und Johannes Kleinschnitttger von der Schutzgemeinschaft Fluglärm. Ursula Wirtz kämpft schon seit fast 30 Jahren gegen den Flughafen.

Aktualisierung 10.14 Uhr:

Unser Tipp, die die Anhörung heute oder in den nächsten Tagen besuchen wollen: Setzen Sie sich wegen der besseren Akustik in die Mitte der Stuhlreihen und nicht an den Rand. Am Rand stört ein Nachhallen der Wortbeiträge.

Aktualisierung 9.56 Uhr:

Der Aplerbecker Bürger Günter Riedel fordert jetzt eine Abbruch der Versammlung. Er begründet dies mit der Befangenheit des Regierungspräsidenten und dem "Verlust des Vertrauens in die Rechtspflege". Versammlungsleiter Theo Keller von der Bezirksregierung hat den Antrag zur Kenntnis genommen und teilt mit: Darüber "wird im Laufe des Tages entscheiden." Günter Riedel fordert vergeblich die sofortige Beendung.

Aktualisierung 9.45 Uhr:

Jetzt hat der erste Bürger das Wort. Günter Riedel aus Aplerbeck mit Wohnhaus in der Einflugschneise legt Beschwerde ein. Er beruft sich auf das Grundgesetz. Der Flughafen greife in seine persönlichen Freiheitsrechte ein. Zudem bezeichnet er den Regierungspräsidenten als befangen. Die Aussage der Bezirksregierung "Der Nachtflugbetrieb ist nachvollziehbar dargelegt worden" sei eine vorschnelle Entscheidung.

Aktualisierung 9.36 Uhr:
Flughafen-Chef Markus Bunk begründet jetzt den Antrag auf längere Betriebszeiten. Diese Woche sei "sehr wichtig" für die Mitarbeiter. Die Akustik im mit Übertragungs-Technik vollgestopften Saal ist schlecht. Die Geräusche der lauten Lüftungsanlage beeinträchtigen die Lautsprecher.


Erstmeldung 7.37 Uhr:

Der erste Tag der öffentlichen Anhörung startet eher schwach. Das Interesse ist gering. Zurzeit befinden sich etwa 30 Gäste in Halle 8. Platz ist für 3000. Die Bezirksvertretung, der Flughafen und Gutachter sind mit etwa 20 Personen vertreten.

Die geringe Resonanz ist mit demProgramm am ersten Tag zu begründen - es geht ausschließlich um Verfahrensfragen. Johannes Kleinschnitttger von der Schutzgemeinschaft Fluglärm und die Bezirksregierung gehen von einem stärkeren Zuspruch am Dienstag aus. Dann geht es um Lärm, Gesundheit und Umwelt.

33 Stuhlreihen

Das Podium besteht aus drei Elementen. Links sitzen Gutachter und der Flughafen als Antragssteller. In der Mitte residieren die Verhandlungsleiter der Bezirksregierung und rechts weitere Mitarbeiter des Dezernats für Luftfahrt bei der Bezirksregierung in Münster. Vor dem Podium befinden sich 33 Stuhlreihen. Große Leinwände übertragen Livebilder einer Saalkamera.

Entscheidung nicht mehr in diesem Jahr

Sigrun Rittrich sagte als Pressesprecherin der Bezirksregierung, dass mit einer Entscheidung über den Antrag auf längere Betriebszeiten erst 2014 zu rechnen sei. Flughafen-Chef Markus Bunk stelle klar, dass eine Entscheidung für längere Betriebszeiten nicht sofort Auswirkungen zeigen würde.

Wer als Bürger das Wort ergreifen möchte, muss zunächst zur "Wortmeldestelle / Antragstelle" und sich dort registrieren lassen. Interessant: Film- und Fotoaufnahmen sind während des Verfahrens nicht gestattet. Auf antrag können Medienvertreter auch ausgeschlossen werden, wenn Teilnehmer der Versammlung das wünschen.

Ein seit Jahren dauernder Streit

Die Schutzgemeinschaft Fluglärm, die politisch und juristisch seit Jahren schon gegen den Dortmunder Flughafen vorgeht, wird das "Genehmigungsänderungsverfahren" der Bezirksregierung nutzen, ist aber skeptisch. Zu Wort kommen an den fünf Tagen auch die Befürworter der ausgedehnten Betriebszeiten.

Bezirksregierung hört die Argumente

Verspätete Flüge sollen bis 23 Uhr starten und bis 23.30 Uhr landen können. Die Bezirksregierung wird die Argumente der Gegner und der Befürwworter protokollieren und später bewerten. Sie können das Genehmigungsverfahren beeinflussen. Fluglärm und Umweltschutz konkurrieren gegen Wirtschaftlichkeit und Arbeitsplätze.

Das ist der Fahrplan für die gesamte Woche:

  • 22. April: jeweils 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr Verfahrensfragen, Genehmigungserweiterung, Gutachtenqualität
  • 23. April: jeweils 9 bis 13und 14 bis 18 Uhr Lärm, Gesundheit, Schadstoffe, Schmutz
  • 24. April: jeweils 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr Passiver Schallschutz, Wertminderung, Umwelt- und Lebensqualität
  • 25. April: 9 bis 13 Uhr Umweltverträglichkeit, Landschaftspflege. 14 bis 18 Uhr Wirtschaft, Sicherheit, Flugrouten
  • 26. April: 9 bis 13 Uhr Wirtschaft, Sicherheit, Flugrouten