NRW-Staatssekretär Eumann wehrt sich gegen Täuschungsvorwurf

Marc Jan Eumann wehrt sich gegen den Vorwurf der TU Dortmund, er habe bei seiner Doktorarbeit wissenschaftliche Standards verletzt.
Marc Jan Eumann wehrt sich gegen den Vorwurf der TU Dortmund, er habe bei seiner Doktorarbeit wissenschaftliche Standards verletzt.
Foto: Archiv/ Ute Gabriel / WAZ FotoPool
Marc Jan Eumann sucht sein Heil in der Offensive: Der NRW-Medienstaatssekretär, dem unterstellt wird, bei seiner Doktorarbeit geschummelt zu haben, erhebt nun seinerseits Vorwürfe gegen die TU Dortmund. Die Hochschule habe in seinem Fall die "strikten Vertraulichkeitsregelungen" missachtet.

Dortmund. Angesichts des drohenden Verfahrens zur Aberkennung des Doktorgrades hat NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) Vorwürfe gegen die TU Dortmund erhoben. Die Hochschule habe bei der Prüfung seiner Dissertation die "strikten Vertraulichkeitsregelungen" offensichtlich missachtet, "da immer wieder Interna über das laufende Verfahren in die Öffentlichkeit getragen wurden", teilte Eumann am Dienstag mit.

Jüngst seien Details aus einem von der Dortmunder Uni in Auftrag gegebenen externen Gutachten öffentlich geworden. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" kommt der Bonner Rechtsprofessor Wolfgang Löwer darin zu dem Schluss, dass Eumann seine Doktorväter bewusst getäuscht habe. Eumann wies dies erneut zurück. Die TU Dortmund erklärte, sie habe im Laufe des Verfahrens den Grundsatz der Vertraulichkeit nicht verletzt. Die Erklärung Eumanns werde nicht öffentlich kommentiert.

Magisterarbeit als Grundlage für die Dissertation

Eumann wird vorgeworfen, nicht ausreichend kenntlich gemacht zu haben, dass seine 1990 abgeschlossene Magisterarbeit Grundlage für seinen 20 Jahre später erworbenen Doktorgrad war. Ein Doktorkandidat müsse angeben, ob der Text ganz oder in Teilen einer Hochschule im Zusammenhang mit einer akademischen Prüfung vorgelegen habe, zitiert der "Focus" aus dem Gutachten Löwers. Dieser habe empfohlen, Eumann den Titel zu entziehen.

Nach Worten Eumann ist es "unstrittig", dass die Ergebnisse seiner Magisterarbeit über die Geschichte des Deutschen Presse-Dienstes Grundlage seiner Dissertation gewesen seien. Ein solches Vorgehen entspreche auch dem wissenschaftlichen Standard. Er sei mit der Existenz der Magisterarbeit "von Beginn des Promotionsverfahrens an offen umgegangen". Dies sei von seinem Co-Doktorvater mehrfach bestätigt worden.

Debatte in Hochschulkreisen

In Hochschulkreisen hat der Fall eine Debatte ausgelöst. Martin Zimmermann, Professor für Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Unversität München, sagte der dpa, es sei "durchaus gängige Praxis, dass aus sehr guten Magisterarbeiten Doktorarbeiten entstehen". Daher könne man damit rechnen, dass in den Arbeiten "einzelne Partien oder Sätze aus der älteren eigenen Arbeit übernommen werden, ohne dass auf die Magisterarbeit verwiesen wird". Mit Vorwürfen müsse man vorsichtig sein, "denn es werden ja nicht wissenschaftliche Erkenntnisse anderer, sondern die eigenen wiederholt und kopiert."

Die TU Dortmund hat jedoch bereits ein "erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten" Eumanns festgestellt. Dieser hat bis Mitte August Zeit für eine Stellungnahme. Erst danach wird nach Angaben einer Uni-Sprecherin entschieden, ob der Fall an den Fakultätsrat weitergeleitet wird, der für Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades zuständig ist. (dpa)