NRW-Minister unter Druck im PCB-Skandal bei Envio

Klaus Brandt
Umweltminister Johannes Remmel (rechts) und Arbeits-Minister Guntram Schneider bei ihrem Envio-Besuch.
Umweltminister Johannes Remmel (rechts) und Arbeits-Minister Guntram Schneider bei ihrem Envio-Besuch.
Foto: Ralf Rottmann

Dortmund. Für den PCB-Skandal rund um die Giftfirma Envio im Dortmunder Hafen wurde ein Runder Tisch eingerichtet. Der hat seine Arbeit abgeschlossen. Mit der Forderung, dass nun in Düsseldorf die NRW-Minister Remmel (Umwelt) und Schneider (Arbeit) aufklären.

Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Diese Losung für die weitere Aufarbeitung des Envio-Skandals gibt der Runde Tisch allen beteiligten Behörden auf den Weg – und verabschiedet sich nach drei Sitzungen von der Bildfläche. „Jetzt sind Andere am Zug“, schließt Vorsitzender Eberhard Weber.

Vor allem Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) und Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). Als Hoffnungsträger kamen beide Ende Juli in den Hafen, versprachen die „lückenlose Aufklärung“ des Skandals. Doch ministerielle Mühlen mahlen langsam. Weder der fachaufsichtliche Bericht über die Behördenarbeit im Fall Envio noch die externe Organisationsüberprüfung des Prognos-Instituts werden unterm Weihnachtsbaum liegen. Erst Januar/Februar 2011 sollen sie vorliegen.

PCB-Fälle aus 2003 werden jetzt untersucht

Andere Beteiligte sind erheblich weiter. Etwa Prof. Dr. Thomas Kraus aus dem Aachener Uniklinikum. Der hat bisher mehr als 800 Menschen auf krebserregendes PCB untersucht. Zwischenergebnis: 276 Werte erhöht, 36 Ex-Envio-Mitarbeiter extrem vergiftet.

Neben 55 Leiharbeitern werden nun endlich auch sechs ehemalige ABB-Beschäftigte getestet, die bereits 2003 als PCB-belastet bekannt waren, aber seither von allen Einrichtungen ignoriert wurden (WR berichtete). Über den ABP-Betriebsrat und alte Sitzungsprotokolle machte Weber die Betroffenen ausfindig. Die Berufsgenossenschaft nimmt sie jetzt in ihr Betreuungsprogramm auf, das bisher 1,5 Millionen Euro gekostet hat.

Ombudsmann soll Fäden zusammenhalten

„Nichts ist unmöglich“, fasst Weber fünf intensive Monate der Auseinandersetzung mit dem „einzigartigen Skandal“ zusammen. Der Fall Envio reanimierte sogar die bundesweite MAK-Kommission – ein Gremium zur Festlegung von Arbeitsplatzgrenzwerten.

Weil PCB seit 2001 weltweit verboten ist, galt der Kreis als überflüssig. Jetzt hat die MAK-Kommission eine neue Legitimation. Ihr Auftrag: veraltete PCB-Grenzwerte überarbeiten, neue festlegen.

Die am Runden Tisch kultivierte Kommunikation zwischen traditionell nicht immer eng verbundenen Behörden festigen und ausbauen – diese Aufgabe hätte ein Ombudsmann, der die Fäden künftig zusammenhalten soll. Land, Bezirksregierung und Stadt wollen sich bis Januar auf einen gemeinsamen Personalvorschlag für diesen Posten einigen.